Zurück in die Kolonialzeit

Die Gießener Allgemeine (Online-Ausgabe) vom 25.12.2013 berichtet von der Reise des pensionierten Gießener Oberarztes Prof. Heiner Laube „zurück in die Steinzeit“ zu den Kara in Äthiopien.

Mit dem mehrfach verwendeten Begriff „Urstamm“ wird gleich Eingangs suggeriert, dass es sich bei den Kara um eine seit der „Steinzeit“ unveränderte und unbeeinflusste Gruppe handeln würde, die sich in die heutige Zeit erhalten konnte. Diese Annahmen sind allerdings unbeweisbar und allein die Tatsache, dass sich ein Missionsteam vor Ort befindet widerlegt dies zumindest für die jüngere Zeit.

Bei der Beschreibung der (aus unserer Sicht) fehlenden Oberbekleidung der Frauen wird auf „Naturvölker“, wie man sie aus dem Fernsehen kenne, verwiesen. Der Begriff „Naturvolk“ als Gegensatz zu „Hochkulturen“ oder „Kulturgesellschaften“ wurde unter anderem zu Unterstützung evolutionistischen Denkens (welches besagte, dass Gruppen/Gesellschaften sich auf „verschiedenen Stufen der Entwicklung“ befinden würden) verwendet. Diese Art der Unterteilung von menschlichen Gesellschaften wird in der Kultur- und Sozialanthropologie schon lange nicht mehr verwendet und sollte auch im journalistischen Bereich vermieden werden.

Generell ist auch noch der paternalistische Unterton des Unterfangens kritikwürdig, wie sich am implizierten Vorwurf der scheinbar mangelnden Hygiene oder des fehlenden medizinischen Wissens zeigt. Dass diese beiden Beispiele Auswirkungen kolonialistischen oder missionarischen Wirkens sein könnten wird leider nicht bedacht. Diese Haltung unterstützt leider den vorher angesprochenen evolutionistischen Ansatz und zeigt – wie eben angesprochen – auch kolonialistische Tendenzen, Stichwort: „Die Bürde des weißen Mannes“.

 

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