Tweet- & Nutzungsstruktur

Wenige PolitikerInnen, viele BürgerInnen

Von den 374 NutzerInnen, die sich in der Vorerhebungspahse als die politisch aktivsten gezeigt haben und ausgwählt wurden, haben mehr als die Hälfte keinen erkennbaren politischen Hintergrund. In der österreichischen Twittersphäre spielen als „BürgerInnen“ eine zentrale Rolle. PolitikerInnen sind insgesamt sehr schwach vertreten, nur sehr wenige österreichische PolitikerInnen haben überhaupt einen Twitter-Account.

Überrepräsentation von Männern & MitarbeiterInnen kleiner Parteien

Ein massiv ungleiches Geschlechterverhältnis bei den NutzerInnen in unserem Sample und eine die starke Überrepräsentation kleiner Parteien bei den PolitikerInnen sind die auffälligsten Ergebnisse der Kodierung unserer NutzerInnen-Stichprobe nach Berufskategorien und Geschlecht. Die Überproportionalität von Männern entspricht jedenfalls anderen einschlägigen Beobachtungen von Twitter [30] und mag je nach Perspektive mit Technologieaffinitat, stärkerem politischem Interesse, Sendungsbewusstsein oder den allgemeinen gesellschaftlichen Machtstrukturen zu erklären sein. Die starke Präsenz der Grünen ist wohl zum Teil auf die Technologieaffinität ihrer Zielgruppe und der handelnden Personen als auch der verhältnismäßig flachen Parteistruktur zurückzuführen. Die ebenfalls auffällige Überrepräsentation des BZÖ ist möglicherweise der Notwendigkeit kleinerer Parteien geschuldet, zu versuchen sich über unterschiedliche Kanäle Gehör zu verschaffen. Die Ergebnisse decken sich jedenfalls mit einer Erhebung aus Deutschland im Jahr 2009 [31], in der sich die kleineren Parteien Grüne und FDP im Verhältnis zu den Großen ebenso überrepräsentiert zeigten. In den Netzwerkanalysen (ab Seite 28) wird sich auch zeigen, dass die Grünen nicht nur die mit Abstand meisten PolitikerInnen in der politischen Twittersphäre stellen, sondern, mit Ausnahme von @stefan_petzner vom BZÖ, auch die einzigen PolitikerInnen die für die innenpolitischen Twitterdiskurse zentral sind.

Im Gespräch ist, wer sich einmischt

Die ausgewählten NutzerInnen nutzen Twitter nicht nur als Informationskanal, sondern tauschen sich intensiv mit anderen NutzerInnen aus. Dies zeigt unter anderem der hohe Anteil an direkten Adressierungen an der Gesamtzahl der Tweets. Es finden auf Twitter tatsächlich vielfach Diskussionen statt, dies zeigt u.a. die starke positive Korrelation zwischen Adressierungen durch und Erwähnungen von einem/r NutzerIn. Viele dieser Diskussionen finden in den Abend- und Nachtstunden statt, wenn die Politik-Profis etwas mehr Zeit finden um einander zu antwrten. Im Gegensatz dazu zeigt sich, dass die Anzahl der Followers einen Einfluss auf die Anzahl der Erwähnungen eines/r Nutzers/in hat. Nicht die Followerszahl ist wichtig, um im Gespräch zu sein, sondern die Partizipation an den Konversationen selbst.
Das Verhältnis zwischen Adressierungen und Erwähnungen ist bei JournalistInnen am unausgegelichendsten. Ein Umstand, der nicht verwundert, da von JournalistInnen getwitterte Nachrichten gerne weitergeleitet werden. Bei Politik-ExpertInnen und AktivistInnen, für die JournalistInnen und PolitikerInnen eine primäre Dialoggruppe ihrer Arbeit darstellen, ist das Verhältnis ausgeglichener: Die schreiben andere NutzerInnen viel stärker an, um sich ins Gespräch zu bringen.