Themenvergleich Twitter & Tagespresse

Langatmige Themen auf Twitter unterrepräsentiert

Während die Auswirkungen der europäischen Finanzkrise auf Österreich inklusive den Diskussionen rund um das von der Regierung lange angekündigte und Anfang 2012 verabschiedete Sparpaket in allen vier Erhebungswochen für die Berichterstattung in Tageszeitungen zentral waren, wurden diese Themen auf Twitter kaum diskutiert. Etwas stärker wurde zu den Korruptionsaffären im Kontext der Regierung Schüssel getwittert, jedoch im Vergleich zur Anzahl der Presseberichte im selben Zeitraum wenig. Beide Themen waren für einen langen Zeitraum in der öffentlichen Diskussion, haben sich langsam und stetig entwickelt und sind als Themen tendenziell sperrig. Dies könnte ein Grund für die Unterrepräsentation dieser Themen auf Twitter sein, das sich auf Grund seiner Struktur eher für kurze, prägnante Aussagen und Kommentare eignet.

Aktuelle, sensationelle Ereignisse auf Twitter relevant

So scheinen auf Twitter kurzlebige Themen und aktuelle, sensationelle Ereignisse stärker auf Widerhall zu stoßen. Politische Aktionen wie die Occupy Austria Demonstration oder die Aktionen gegen den WKR-Ball im Jänner sowie aktuelle, sensationelle Ereignisse wie das Urteil über die Wiedereinsetzung von Generalstabschef Entacher oder die Affäre rund um Niko Pelinka wurden auf Twitter stark diskutiert. Diese Themen waren zwar zum Teil auch in den Printmedien präsent, aber „nur“ als ein Thema von vielen. Auf Twitter dagegen haben in den jeweiligen Untersuchungswochen die Themen „Niko Pelinka“ und „WKR-Ball“ die Twittersphäre dominierend geprägt.

Medienaffinität der NutzerInnen

Für die Erklärung der Überrepräsentation der Pelinka-Affäre und der Social Media Strategie von Bundeskanzler Faymann auf Twitter, kann die hohe Medienaffinität vieler NutzerInnen der österreichischen Twittersphäre herangezogen werden. Da Twitter besonders von Personen mit Hintergrund im Medienbereich genutzt wird, wurden diese beiden Medien-Themen besonders stark diskutiert.

Politischer Aktivismus: Koordination über Twitter

Für Themen im Kontext von politischem Aktionismus, dies sind die Demonstration zu Occupy Wallstreet, die Besetzung des Hauses in der Lindengasse und die Demonstrationen zum WKR Ball kann eine weitere Erklärung für die starke Präsenz auf Twitter herangezogen werden. Wie u.a. im Kontext der #unibrennt Proteste 2009 gezeigt [32], wird Twitter von AktivistInnen nicht nur zur Diskussion und Verbreitung von Informationen genutzt, sondern zum Teil auch zur Koordination von beteiligten Personen und Ressourcen. Dies erklärt z.T. die Dichte der Mitteilungen zu den jeweiligen Themen auf Twitter und ihre vergleichsweise Unterreprä-sentation in den Massenmedien.