Woher wir wissen, was Menschen vor langer Zeit gemacht haben – Workshop an der KinderuniWissenschaft

Woher wir wissen, was Menschen vor langer Zeit gemacht haben – Workshop an der KinderuniWissenschaft

Wien, Juli 2017. Von der brütenden Hitze in der Stadt völlig unbeeindruckt nutzten Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren zwei Wochen ihrer Sommerferien, um sich als Studierende an der Universität zu versuchen. Das Motto der bereits zum 15. Mal ausgerichteten KinderuniWien lautete diesmal „Wir stellen die Uni auf den Kopf!“ Gemeinsam mit den VDA-Fellows Thomas Assinger und Andreas Enderlin ging eine kleine Gruppe von geschichtsinteressierten Jung-Studierenden der Frage nach, woher das Geschichtsbuch in der Schule denn eigentlich über die Vergangenheit Bescheid weiß.

In einer einleitenden Präsentation stellten die beiden Fellows unter Rückgriff auf anschauliches Bildmaterial Konzepte der Gedächtnistheorie und der Quellenkunde vor. Von der individuellen Erinnerung an Erlebtes und Erlerntes führte der Weg in das ausgelagerte Speichergedächtnis der Archive. Besonders spannend war das Gespräch über verschiedene Quellentypen und ihre medialen Besonderheiten; wobei vor allem in spontan hergestellten lebensweltlichen Bezügen der intellektuelle Witz und die Kombinationsgabe der Kinderuni-Studierenden zum Ausdruck kam.

Um die gemeinsam erarbeiteten geschichtstheoretischen Überlegungen an einem konkreten Fall zu überprüfen, legten Thomas und Andreas der Gruppe eine Reihe heikler historischer Fragen vor: Seit wann müssen Kinder in Österreich zur Schule gehen? Wer ist dafür verantwortlich? Und: Warum ist man überhaupt auf diese Idee gekommen? Zur Beantwortung dieser Fragen versammelte sich die Gruppe um einen großen Tisch, auf dem eine Archivkiste samt Lupe bereitstand. Die detektivische Suche nach Indizien zur Klärung des Falles konnte beginnen. Von diesem Moment an lautete die Devise: hands-on.

 

Reihum wurden der Archivbox Gegenstände entnommen, die zunächst beschrieben und dann auf ihren Quellenwert für die Fragestellung hin überprüft wurden. Irrelevante Objekte – zum Beispiel ein Hundert-Gulden-Schein von 1912 und ein Kabinettskanzleivortrag unter Kaiser Franz Joseph – wurden aussortiert, Fälschungen wurden entlarvt und tatsächlich relevante und echte Quellen gemeinsam untersucht. So unterschiedliche Aufgaben wie das Lesen alter Schriften, die kritisch-analytische Lektüre von Bildern und Karten sowie die Eruierung möglicher Funktionen von administrativen Dokumenten waren dabei zu lösen und wurden immer wieder eifrig diskutiert.

Zum Abschluss konnte das in Frage stehende Kapitel österreichischer Bildungsgeschichte gemeinsam geschrieben und die historischen Aussagen konnten mit Quellen belegt werden. Der Fall war also geklärt und triftige Beweise gesammelt und vorgewiesen. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten eine Urkunde, die sie als erfolgreiche Geschichts-Detektivinnen und Geschichts-Detektive auszeichnete. Fake News und Geschichtsklitterung können dem unter Beweis gestellten Spürsinn der Kinderuni-Studierenden im Verbund mit dem erlernten Handwerkszeug wohl nichts mehr anhaben. Fazit: Nicht nur ein Fall ist gelöst, sondern weitere Fälle können mit dem nötigen Know-how gelöst werden.

 

(9.8.2017, Thomas Assinger & Andreas Enderlin)