Stephan F. Mai: Wenn sich zwei streiten ...

Stephan F. Mai: Wenn sich zwei streiten …

Im Rahmen der Reihe „Projektvorstellung“ bekommen VDA-Fellows die Möglichkeit, ihr Dissertationsprojekt öffentlich und auf zugängliche Weise anhand von 3 Fragen vorzustellen. Dieses Mal gibt uns Stephan F. Mai einen Einblick in seine Forschung. Er ist Universitätsassistent am Institut für Geschichte und Mitglied des Forschungsprojektes “”Diplomacy in Conflict: Conflict Management in Early Modern Diplomacy ” unter der Betreuung von Dorothea Nolde.

Frage 1: Wie würdest Du Dein Projekt einem 10-jährigen Kind erklären?

Ich beschäftige mich mit der Frage, wie wir den Streit zwischen mehreren Personen lösen können. Dabei interessiert mich, wie Menschen aus der Vergangenheit über Streitigkeiten nachgedacht haben: Wie kamen sie auf mögliche Lösungen, sich nicht länger zu streiten?

Besonders fasziniert mich der Streit zwischen zwei oder mehr Staaten: Wie haben Menschen darüber gedacht, wenn sich Staaten stritten? Welche Lösungen haben sie sich für solche Streitigkeiten überlegt? Und wer hat sich über diese Schwierigkeit Gedanken gemacht?

Diese Fragen versuche ich zu beantworten, indem ich mich Abraham de Wicquefort widme und seine Bücher untersuche. Abraham de Wicquefort ist 1606 in Amsterdam geboren worden. Er starb 1682 in Celle in Deutschland. Wicquefort arbeitete als Gelehrter und als Diplomat, er vermittelte also zwischen sich streitenden Staaten. Gegen Ende seines Lebens schrieb Wicquefort eines der bekanntesten Bücher darüber, wie Diplomaten sich verhalten sollten. Der Titel des Buches heißt „L’Ambassadeur et ses Fonctions“ und ist in zwei Bänden 1680/81 erstmals erschienen.

Wie Joanne K. Rowlings Harry Potter heute, so verkaufte sich Wicqueforts Buch sehr gut und wurde in viele Sprachen übersetzt. Man kann also sagen, dass das Buch oft gelesen wurde. Aber nur weil Wicqueforts Buch über das Verhalten von Diplomaten so oft gelesen wurde, muss der Inhalt nicht zwangsläufig bei Streitigkeiten zwischen Staaten zu einer Streitlösung beigetragen haben. Daher untersuche ich, ob und wie der Inhalt von diesem Buch bei Streitigkeiten zu einer Lösung beigetragen hat.

Zusammengefasst kann man sagen, dass ich mich dafür interessieren, was passiert, wenn zwei Staaten sich über einen Diplomaten streiten, der eigentlich den Streit zwischen diesen Staaten schlichten soll: Was weiß man seit der Veröffentlichung von Wicqueforts Buch 1680/81 über solche Streitigkeiten und wie kann man solche Streits vermeiden oder zu einer friedlichen Lösung kommen?

Frage 2. Was war deine Motivation, Dich bei der VDA zu bewerben?

Ich habe schon immer sehr gerne darüber nachgedacht, warum mich ein Thema in der Geschichtswissenschaft interessiert, wie ich darüber denke und wie ich am besten über das Thema forsche, also theoretisch und methodisch während meiner Arbeit vorgehe. Die VDA bietet mir die Möglichkeit, mich mit anderen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über sehr unterschiedliche Theorien und Methoden interdisziplinär auszutauschen. Das heißt, dass ich in den Gesprächen und Veranstaltungen mit Kolleginnen und Kollegen von ganz unterschiedlichen Disziplinen, so z. B. der Literaturwissenschaften oder der Musikwissenschaft, viel lernen und erfahren kann, und über diese Möglichkeit freue ich mich sehr! Zudem dürfen wir mit den Ressourcen der VDA Veranstaltungen selber planen: Wir können uns also nicht nur unseren Interessen und unserer Forschung widmen, sondern haben auch die Möglichkeit, gemeinsam als Gruppe aktiv zu werden und uns über Methoden und Theorien der Geisteswissenschaften auszutauschen.

Das beigefügte Bild zeigt die Feder und das Tintenfass, mit denen angeblich Abraham de Wicquefort sein Buch über den Botschafter im 17. Jahrhundert verfasst haben soll. Rechte bei Stephan F. Mai.

Beitragsbild: J. B. Isabey, Congres de Vienna via wikimedia commons.

(Stephan F. Mai, 28.8.2017)