FELLOWS ON THE ROAD: TEI2018 IN TOKIO

FELLOWS ON THE ROAD: TEI2018 IN TOKIO

Vom 9. bis 13. September 2018 fand die Jahreskonferenz der Text Encoding Initiative (TEI) in Tokio statt – zum ersten Mal außerhalb Europas und Nordamerikas. Organisiert wurde sie in diesem Jahr vom Center for Evolving Humanities der Graduate School of Humanities and Sociology der Universität Tokio.

TEI ist ein XML-basiertes Dokumentenformat, welches sich in der Auszeichnung von digitalen Texten in den Geisteswissenschaften – insbesondere in digitalen Editionen – als Standard etabliert hat, und von der gleichnamigen Non-Profit-Organisation entwickelt und betreut wird. Neben der Herausgabe einer eigenen Zeitschrift, dem Journal of the Text Encoding Initiative, und einer Mailingliste wird auch einmal jährlich eine Konferenz veranstaltet, die 2018 unter dem Thema „TEI as a Global Language“ stand und gleichzeitig mit der Jahreskonferenz der Japanese Association for Digital Humanities (JADH) abgehalten wurde.

Mit dieser gemeinsam wurde auch die Keynote-Session organisiert, in der Julia Noordegraaf (Universität Amsterdam) das Projekt Creative Amsterdam präsentierte, in welchem ForscherInnen bereitgestellte Daten mit digitalen Methoden untersuchen können, um den Kulturbetrieb in Amsterdam vom 17. Jahrhundert bis heute zu analysieren. Susan Schreibman (Maynooth University) sprach über die soziale Relevanz digitaler Kollektionen und partizipative Modelle, und Robert Campbell (National Institute of Japanese Literature) stellte die Datenbank Pre-modern Japanese Works vor.

Die TEI2018-Konferenz wurde in verschiedenen Formaten durchgeführt, wobei ihr ein Tag mit Workshops (u.a. eine Einführung in das Kodieren von Korrespondenz-Metadaten, XPath und in TEI in japanischer Sprache) vorangestellt war. Die Panels – von welchen jeweils zwei oder drei parallel abgehalten wurden – gruppierten Kurz- und Langvorträge u.a. zu den übergeordneten Themen „Digital Archives“, „Modelling and Metadata“, „TEI as a Tool and Method for Analysis“, „People, Persons, and Prosopography“ und „Editing and Analysis“.

Neben dem jährlichen Treffen der Special Interest Groups (u.a. zu Korrespondenz, Text und Grafik sowie Manuskripten) fanden auch, ebenfalls gemeinsam mit der JADH organisiert, ein Posterslam und eine Posterausstellung statt. Die Themen der knapp 50 Poster reichten von spezifischen Projektvorstellungen und Softwarepräsentationen über diverse Tools wie etwa für Named-Entity Recognition bis hin zu Experimenten mit maschinellem Lernen und Open-Data-Projekten.

Für mein Poster führte ich einige Auswertungen der digitalen Edition der Tagebücher des österreichischen Schriftstellers Andreas Okopenko (1930–2010) durch, welche im Dezember 2018 auf der Editionsplattform der Österreichischen Nationalbibliothek online gehen wird. Im Arbeitskreis der Zeitschrift Neue Wege und als Herausgeber der Literaturzeitschrift publikationen einer wiener gruppe junger autoren spielte Okopenko eine wichtige Rolle; seine mit unterschiedlichsten Dokumenten unterlegten detaillierten Beobachtungen ermöglichen die Rekonstruktion eines Ausschnitts des österreichischen Literaturbetriebs in der ersten Hälfte der 1950er Jahre. Auf meinem Poster präsentierte ich einige statistische Auswertungen, die durch die TEI-Kodierung ermöglicht worden waren, eine ebenfalls auf der TEI-Auszeichnung basierende Netzwerkanalyse und eine Auswertung von Raum-Zeit-Relationen, die ich mit dem DARIAH Geo-Browser durchgeführt hatte.

In der auf den Posterslam folgenden Posterausstellung konnte ich mehrere intensive Diskussionen führen, erhielt verschiedene Anregungen sowie gewinnbringende Denkanstöße und konnte vor allem nützliche Kontakte knüpfen.

Der Rahtz Prize for TEI Ingenuity, mit welchem signifikante TEI-Beiträge und -Initiativen gewürdigt werden, wurde in diesem Jahr an die Projekte CMIF (Correspondence Metadata Interchange-Format) und correspSearch sowie für die Entwicklung von correspDesc – allesamt für die Aufbereitung historischer Briefe mit digitalen Methoden – verliehen.

Die nächste Jahreskonferenz der TEI wird vom 16.–20. September 2019 an der Universität Graz stattfinden.

Autorin: Laura Tezarek