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  Newsletter 02/2010

 
 

FCD-Route - Tageszeitabhängige Reisezeiten in Standort- und Tourenplanung


Dr. Karl DörnerFür LogistikdienstleisterInnen, ServicetechnikerInnen und Taxidienste wird es durch den zunehmenden Verkehr in den Städten immer schwieriger die Durchführung der vereinbarten Services pünktlich zu beginnen. Sowohl Paketdienste und Taxidienste als auch Servicetechniker haben in der Regel fixe Besuchszeitpunkte mit ihren KundInnen vereinbart, bis wann sie die Lieferungen oder die KundInnen abholen bzw. wann sie mit dem Service beim Kunden/bei der Kundin beginnen.

Am Lehrstuhl für Produktion und Logistik von Prof. Richard F. Hartl beschäftigt man sich seit über 10 Jahren mit transportlogistischen Fragestellungen. In der tagesaktuellen Planung von Transportrouten wurde aber bislang aufgrund fehlender Daten die aktuelle Verkehrslage nicht berücksichtigt. Im Rahmen des Projektes FCD-Route wird die Integration von tageszeitabhängigen Reisezeiten und der aktuellen Verkehrslage in Tourenplanungsverfahren erforscht. "Durch die Berücksichtigung aktueller Reisezeitinformationen in der Tourenplanung kommt man dem Praxiseinsatz schon sehr nahe", sagt Richard Hartl.

Geographische Informationssysteme und genaue Aufzeichnungen über Straßennetze machen es möglich, dass man Lösungen für die Praxis anbieten kann. Allerdings sind in den verwendeten Softwarelösungen die zugrundeliegenden Daten über aktuelle Durchfahrtszeiten von Straßen bzw. Erreichbarkeitszeiten von Standorten statische Informationen, die sich aus einem Durchschnittswert der erlaubten Fahrgeschwindigkeit errechnen (z. B. auf Autobahnen wird eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 100 km/h angenommen). In keinster Weise wird die aktuelle Verkehrslage berücksichtigt, die die vorherrschende Durchschnittsgeschwindigkeit erheblich beeinflussen kann und zu einem anderen Tourenplan führen würde. Durch den Einsatz von GPS-(Global Positioning System) Geräten in Fahrzeugen ist es mittlerweile jedoch möglich, sehr gute tageszeitabhängige Durchfahrtszeiten für Straßenzüge zu ermitteln. Für den Raum Wien existiert seit längerer Zeit ein Reisezeit-Informationsdienst. Die Grundlage für die Berechnung von tagesaktuellen Fahrzeiten bilden ca. 800 Taxis einer Wiener Taxiflotte, von denen rund 200 Fahrzeuge mit GPS-Empfängern ausgestattet sind.

Die dadurch gewonnene tageszeitaktuelle Verkehrslageinformation soll im Rahmen des Projektes in der Entwicklung von Optimierungsalgorithmen integriert werden.

In den letzten Jahren wurde für statische Tourenplanungs- und Standortprobleme eine Vielzahl an Lösungsverfahren entwickelt. Derzeit können bereits sehr große und komplexe Probleme mit den bekannten Optimierungstechniken sehr gut gelöst werden. Durch diese Leistungen der Forschung in den vergangenen Jahren und die zusätzliche Verfügbarkeit von Floating Car Daten stellt sich eine neue Herausforderung an die Logistikforschung: Können diese effizienten Algorithmen durch Integration von tageszeitabhängigen Informationen verbesserte Lösungen bieten?

Die Integration von Floating Car Data in Standort- und Tourenplanung ist vor allem in den folgenden Anwendungsfeldern relevant:

1.) Standortentscheidungen für Pannendienst, Polizei, Rettung, Feuerwehr: Die Einsatzorganisationen müssen ihre Fahrzeuge so aufstellen, dass die Einsatzorte in einer vorgesehen Hilfsfrist erreicht werden können. Dabei ist es notwendig auch tageszeitabhängig Umpositionierungen in Betracht zu ziehen.

2.) Tourenplanungsentscheidungen für Zustell- und Taxidienste, etc.: Genauere Vorhersage der Ankunftszeiten für Abholung und Ablieferung bei eventueller Neuberechnung der Routenpläne. Patienten können z. B. ihre Behandlungsermine versäumen, wenn der Taxidienst, der sie zur Behandlung bringt, zu lange im Stau steht.

In dem vorliegenden Forschungsprojekt wird in erster Linie die Integration von aktueller Reisezeitinformation in bekannten heuristischen und metaheuristischen Optimierungsverfahren erforscht.

Projekt-Eckdaten:

Laufzeit: 3 Jahre (2008-2011)
Gesamtsumme: 160.000 Euro, davon knapp 120.000 Euro für Universität Wien, u.a. zur Finanzierung einer Doktorandenstelle am Institut für Betriebswirtschaftslehre (Herr Mag. Michael Schilde)
Konsortialpartner: Prof. Richard F. Hartl (Leiter)/Karl F. Dörner von der Universität Wien, Günter Kiechle von der Salzburg Research Forschungsgesellschaft. Internationaler Experte: Prof. Michel Gendreau, CIRRELT, Montreal, Canada.

Informationen: Karl Dörner

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Dekanat der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Universität Wien, Brünner Straße 72, 1210 Wien