12.12.13 – Internationales Kolloquium „1000 unbekannte Lidices“

12.Dec 2013

Internationales Kolloquium

des Clusters Geschichte der LBG, des Forschungsschwerpunkts „Diktaturen, Gewalt und Genozide“ der Universität Wien und der Diplomatischen Akademie Wien

1000 UNBEKANNTE LIDICES
Geiselerschießungen in Kalavryta und anderswo durch die Wehrmacht
Ereignisse, Einschätzung, Erinnerung

Donnerstag, 12. Dezember 2013, 10-20 Uhr
Diplomatische Akademie Wien, Favoritenstraße 15a, 1040 Wien

Kulminierend am 13. Dezember 1943 in Kalavryta, ereignete sich in dieser Kleinstadt auf dem Peloponnes eines der ärgsten Massaker unter Zivilisten, das von der Wehrmacht verübt wurde. Gegen 700 Männer (älter als 14 bzw. 16 Jahre) wurden in der Stadt und ihrer Umgebung erschossen, während Frauen und Kinder in der Schule eingesperrt waren und die Häuser in Brand gesteckt wurden. Dabei soll ein Wehrmachtssoldat aus Österreich für die Eingeschlossenen die Türe des bereits Feuer fangenden Schulgebäudes geöffnet haben.
Für diesen „guten Österreicher“ gibt es keinerlei dokumentarische Evidenz, lediglich den Mythos, der zum Teil heute noch kursiert. Dagegen ist durch militärische Akten und historische Untersuchungen klar belegt, dass der in Kalavryta eingesetzten Wehrmachtseinheit Offiziere und Soldaten angehörten, die etwa zur Hälfte aus der „Ostmark“ stammten.
25 Jahre nach den (inter)nationalen Diskussionen um die Kriegsvergangenheit Kurt Waldheims, der davon gewusst hatte, ist das Kriegsverbrechen in Kalavryta außerhalb Griechenlands wieder weitgehend in Vergessenheit geraten.
Im Zentrum des Symposions steht weniger das grausame Massaker selbst, das exemplarisch für weitere „tausend unbekannte Lidices“ (so beim Nürnberger „Geiselmord-Prozess“, 1947/48) zu sehen ist. Vielmehr wird vor allem auf die Rolle von Geiselerschießungen bzw. „Sühnemaßnahmen“ in der deutschen Weltkriegsstrategie fokussiert und der Blick auch auf weitere geografische Räume („Balkan“, „Osten“) und zeitliche Kontexte gerichtet. So werden auch griechische und europäische Erinnerungskulturen (in Denkmälern, Filmen etc.), in denen manchmal Kalavryta als das „griechische Auschwitz“ dargestellt wird, vergleichend untersucht.
Auch 70 Jahre danach wird in Griechenland wieder der traumatisieren den Ereignisse gedacht, voll Trauer und Gefühlen der Ungehaltenheit, dass es bis jetzt zu keiner angemessenen oder nur zu einer unzulänglichen strafrechtlichen Verfolgung der Täter und kaum zu Entschädigungsmaßnahmen für die Opfer gekommen ist. Zum Abschluss stehen menschen-, völker- und kriegsrechtliche Aspekte aus dem Blickwinkel der jüngeren Vergangenheit zur Diskussion.

Programm zum Download

Anmeldung erforderlich bis 6. Dezember 2013 unter www.da-vienna.ac.at/events
Planung: Gerhard Botz
Ausführung: Ludwig Boltzmann-Institut für Historische Sozial­wissenschaft (LBIHS), Wien

Organisation: Christina Perschon, LBIGG: christina.perschon@geschichte.lbg.ac.at

Technischer Support und Kontakt: Heinz Berger, LBIHS: Tel.: 01/4277-41219, heinrich.berger@univie.ac.at