12.6. – INTERAKTIONEN – Gudrun Wolfgruber (Wien) – Unter fremder Obhut. Wiener Pflegekinder in den 1950er bis 1970er Jahren

12.Jun 2014

Donnerstag, 12. Juni 2014, 12:00 
Seminarraum 1
Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien
Spitalgasse 2-4/Hof 1, 1090 Wien

Die Jugendwohlfahrt der 1950er bis 1970er Jahre ging davon aus, dass es für die Entwicklung eines Kindes förderlicher war, in Familienpflege aufzuwachsen als in einem Heim.

Der Mangel an Pflegeplätzen in Wien, aber auch ökonomische Erwägungen führten dazu, dass viele Wiener Pflegekinder in Pflegefamilien in ländlichen Randgebieten Österreichs untergebracht wurden.  Gegenstand der vorgestellten Untersuchung sind die alltags- und lebensweltlichen Erfahrungen von Kindern, die in  Einzelpflege oder in Großpflegefamilien in Wien sowie am Land untergebracht waren. Massive Erfahrungen psychischer, sozialer physischer und sexueller Gewalt prägten das Heranwachsen dieser unter fremder Obhut stehenden Kinder. Der Vortrag fragt nach der Rolle der verantwortlichen Fürsorgebehörden, die im Rahmen einer Wiederaufnahme von Fürsorgetraditionen der Ersten Republik sowie in Fortsetzung rassistischer Diskurse des Nationalsozialismus als zentrale Instanzen der Kontrolle des Pflegekinderwesens fungierten.

Gudrun Wolfgruber, Historikerin widmet sich seit Jahren der Erforschung der Geschichte der Theorie und Praxis der Fürsorge und Sozialarbeit, insbesondere der Kinder- und Jugendwohlfahrt. In diesem Kontext war sie 2012/2013 wissenschaftliche Mitarbeiterin der Kommission Wilhelminenberg. Seit 2013 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin des Kompetenzzentrums für Soziale Arbeit der Fh-campus Wien. Weitere Forschungsschwerpunkte sind Reproduktionspolitiken, Biografieforschung und Psychoanalyse.

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