21.5. – INTERAKTIONEN – Alexander KORB: Otto Schulmeister, 1916-2001, Ein konservativer Publizist von der Nazizeit bis zur europäischen Einigung

21.May 2015

Alexander KORB

Otto Schulmeister, 1916-2001. Ein konservativer Publizist von der Nazizeit bis zur europäischen Einigung

Donnerstag, 21 . Mai 2015, 12:00
Seminarraum 1
Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien

Spitalgasse 2-4/Hof 1, 1090 Wien

Otto Schulmeister schrieb über sieben Dekaden lang, fast täglich, Briefe, Notizen, Tagebucheinträge, Artikel, Memoranda und Wissenschaftliches. Er schrieb über die katholische Jugendbewegung als Student, über die Neuordnung der europäischen Wirtschaft in seiner Doktorarbeit 1939, über die Be­ziehungen zwischen dem Deutschen Reich und seinen Verbündeten in Ost- und Südosteuropa in seiner Eigenschaft als Journalist und Kriegsberichter einer Propagandakompanie während des Vernichtungs­kriegs gegen die Sowjetunion, und seit 1945 über das gesamte Panorama an Themen, die Österreich in einer geteilten Welt betrafen. Dazu kommen zeitgeschichtliche Beobachtungen, private Betrachtungen zu Erziehungsfragen sowie berufliche Schreiben betreffend die österreichische Presselandschaft. Vor dem Hintergrund von Schulmeisters Lebenslauf birgt sein unbearbeitete Nachlass Chancen, die österreichische Zeitgeschichte und die Rolle von Journalisten darin zu beleuchten. Schulmeister publizierte fast ohne Unterbrechungen über die Grenzen dreier Regime hinweg. Im Vortrag wird Kontinuität anhand seiner Betrachtung europäischer und globaler Themen befragt. Weiter stellt sich die Frage, wie genau sich das Einlassen auf neue politische Systeme in den Jahren nach 1938 sowie nach 1945 auf Schulmeisters journalistische Tätigkeit auswirkten und inwiefern die Demokratisierung nach 1945 auch eine kritische Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen und der eigenen Vergangenheit enthielt. Schließlich werden auch ethische und forschungsstrategische Fragen einer intellektuellen Werkbiographie angesprochen.

Alexander Korb ist Senior Lecturer in Neuester Europäischer Geschichte und Direktor des Stanley Burton Centre for Holocaust and Genocide Studies an der University of Leicester. Er arbeitet derzeit an einem Buch, in dem er die Frage stellt, wie deutsche und österreichische Journalisten nach 1945 sich von Nazis zu Demokraten entwickelten und was ihre jeweilige Haltung zu Europa war. Sein Buch „Im Schatten des Weltkriegs“ (Hamburger Edition, 2013) befasst sich mit der Massengewalt der kroatischen Ustascha im Zweiten Weltkrieg. Es wurde unter anderem mit dem Irma-Rosenberg-Preis des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien ausgezeichnet.