23.6. – Interaktionen Lecture – Mit wem und womit identifizieren wir uns? Was hat das mit Geschichte zu tun?

23.Jun 2016

Georg Schmid

Mit wem und womit identifizieren wir uns? Was hat das mit Geschichte zu tun?

Donnerstag, 23. Juni 2016, 18:30 Uhr
Ort: Hörsaal 41, Universitäts-Hauptgebäude, Universitätsring 1, 1010 Wien

In dem Film „Nada“ von Claude Chabrol sagt eine Person, „die Geschichte hat uns zu dem gemacht, was wir sind“. Gewiss sind wir von der Soziokultur, in die wir hineingeboren sind, in hohem Maß geleitet, und es ist unmöglich, sich diesen Prägungen völlig zu entziehen. Beim Konstruieren unseres Ichs bei der Herausbildung von Persönlichkeit, also einer eigenen Identität spielen indessen Kunst und Medien eine entscheidende Rolle.

Die besondere Attraktivität von Filmen besteht – abgesehen von ihrem Unterhaltungswert – in der Unzahl von Elementen, aus denen das betrachtende Ich wählen kann, um sich zu bereichern, neu auszustatten, den Träumen ein wenig nachzu­geben. Meist unbewusst wählen wir interessante Personnagen, mit denen wir uns identifizieren und denen wir einzelne Komponenten entnehmen und in unsere Ichs einbauen.

Das Ich ist folglich eine Montage; dennoch bleiben seine Blickwinkel geprägt von Soziokultur und Milieu, denen wir ent­stammen. Aber Identifikation im Kino ist eine exzellente Chance, sich der „Idiotie des Nationalismus“ zu entziehen. Diese Spannungsverhältnisse sind psychologisch wie soziologisch von grösstem Interesse: Lebensgeschichte trifft auf All­gemeine Geschichte.

Und wenn wir beispielsweise Landschaften oder Städte, die uns vor dem Film-Schauen unbekannt waren, noch so interessant finden – oder Schauspieler/innen die wir bewundern, noch so attraktiv –, eine gewisse Fremdheit bleibt. Es ist nicht egal, ob wir den „Radetzkymarsch“ von Corti – oder Arnie als „Last Action Hero“ – als Österreicher/innen sehen oder von einer anderen Warte aus.

Georg Schmid, gebürtig aus Wien, habilitierte sich 1978 für „Allgemeine Geschichte der Neuzeit“, lehrte in den USA und in Paris und lange Zeit an der Universität Salzburg und lebt heute in Südwestfrankreich. Er publizierte literarische Werke und rund zehn wissenschaftliche Bücher, zuletzt „In the Presence of the Future“ und „The Narrative of the Occident“. Seine neueste Buchpublikation ist: „The Mind Screen. Identification Desire and Its Cinematic Arena“ (2016).

Eine Veranstaltung des Instituts für Zeitgeschichte mit Unterstützung durch die Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät der Universität Wien.

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