3.11. – Präsentation und Diskussion des Konzepts der Österreich-Ausstellung im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau

3.Nov 2014

Einladung zur Präsentation und Diskussion des Konzepts der Österreich-Ausstellung im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau

„Entfernung – Österreich in Auschwitz“

Ausstellungsteam:
Birgit Johler, Albert Lichtblau (wissenschaftliche Leitung), Christiane Rothländer, Barbara Staudinger, Hannes Sulzenbacher (Projektleiter)

Montag, 3. November 2014, 14 bis 16 Uhr
Institut für Zeitgeschichte. Altes AKH, Spitalgasse 2-4, Hof 1, Eingang 1.13, 2. Stock, 1090 Wien, Seminarraum 1

Der Leitgedanke der Ausstellung setzt sich mit dem Begriff „Entfernung“ auf drei Ebenen auseinander. Im Ausstellungskonzept heißt es dazu:
1. „‘Entfernung‘ bedeutet die räumliche Distanz zwischen Österreich und Auschwitz, die Teil der nationalsozialistischen Verschleierungsstrategie der Massenmorde war. Die Tötungsaktionen in den NS-Vernichtungslagern, die den zivilisatorischen Bruch markierten, sollten damit dem Blick der Bevölkerung im deutschen Reichsgebiet entzogen werden. Diese Strategie der Verleugnung, Verschleierung und Auslagerung ist charakteristisch für Genozide.
2. ‘Entfernung‘ steht für Vernichtung: Auschwitz bedeutete für die Verfolgten des NS-Regimes ihre Entfernung aus Österreich, aus dem Leben und schließlich aus dem Bewusstsein eines Großteils der Bevölkerung. Der biografische Bruch, der sich mit der Ankunft im KZ Auschwitz I endgültig manifestierte und der sich (anders gelagert) auch in manchen Lebensgeschichten von Täter_innen nachzeichnen lässt, ist im Leitgedanken der ‘Entfernung‘ beinhaltet.
3. Die Ausstellung führt schließlich die Geschehnisse in Österreich und Auschwitz zusammen und damit Geschichte(n), individuelle Erfahrungen und Schicksale, die ihren Anfang in Österreich nahmen und in Auschwitz endeten. Sie zeigt darüber hinaus Gleichzeitigkeiten auf, also parallele Ereignisse oder Entwicklungen in Österreich und Auschwitz. Hier erhält ‘Entfernung‘ einen weiteren, nämlich metaphorischen Sinn: Österreich und Auschwitz werden ‘entfernt‘, also einander näher gebracht.

Umgesetzt wird dies in einem Ausstellungsformat, das die mehrdeutige ‘Entfernung‘ zwischen Österreich und Auschwitz sichtbar macht und gleichzeitig eine Verbindung zwischen den beiden Orten und deren Geschichte schafft. Der Ausstellungsbereich zu Auschwitz wird anhand realer Objekte erzählt (Ebene ‘Hier‘), denen projizierte und daher nur virtuell vorhandene Objekte im Ausstellungsbereich zu Österreich (Ebene ‘Dort‘) gegenüberstehen. Das Konzept der Ausstellung nimmt die Perspektive von Auschwitz ein, sie erzählt die Geschichten von Österreicher_innen in Auschwitz und verbindet diese mit der österreichischen Geschichte. Die reale und die virtuelle Ebene sind gleichzeitig verbunden und getrennt.“

Barbara Staudinger
Studium der Geschichte und Theaterwissenschaft an der Universität Wien. Magisterium 1998, Promotion 2001. Dissertation zur jüdischen Rechtsstellung und Judenfeindschaft am Reichshofrat (1558-1670). 1998-2005 Mitarbeiterin am Institut für Geschichte der Juden in Österreich. Seit 2003 Lehrbeauftragte an der Universität Wien (Institut für Geschichte). 2005-2007 Kuratorin am Jüdischen Museum München. Zahlreiche Projekte zu Jüdischer Geschichte, Rechts- und Kulturgeschichte. Seit 2013 freie Kuratorin, zahlreiche Projekte wie Museumsintervention „moving museum“ im Jüdischen Museum Wien, Weltmuseum Wien und Wien Museum. 2014 Mitglied des Teams „Kuratierung und wissenschaftliche Leitung“ zur Neugestaltung der österreichischen Ausstellung im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau „Entfernung. Österreich in Auschwitz“.

Albert Lichtblau
Univ. Professor am Fachbereich Geschichte der Universität Salzburg und Leiter des Zentrums für jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg. Veröffentlichungen?
Lehrveranstaltungen zu qualitativen Methoden u. neuen Arbeitstechniken in der Geschichtswissenschaft, Migration, Rassismus, Erinnerungspolitik, afrikanische Geschichte; Mitinitiator von www.UniTV.org. 2014.
2014 wissenschaftlicher Leiter der geplanten österreichischen Ausstellung im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau.

Hannes Sulzenbacher
Studium der Theaterwissenschaft, Geschichte und Philosophie in Wien. 1990-92 Theaterkritiker und -redakteur der Wiener Stadtzeitung „Falter“. 1994-98 Ausstellungskurator des Jüdischen Museums Wien, danach zahlreiche Ausstellungsprojekte wie etwa Geheimsache Leben. Schwule und Lesben im Wien des 20. Jahrhunderts“ (2005) und Ausstellungen in den Jüdischen Museen Berlin, München und Hohenems. 2007 Gründung von „QWIEN – Zentrum für schwul/lesbische Kultur und Geschichte“. 2014 Projektleiter der geplanten österreichischen Ausstellung im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau.

Eine Veranstaltung des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Historische Sozialwissenschaft mit dem Forschungsschwerpunkt Diktaturen, Gewalt, Genozide der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät und dem Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien.

Univ.-Prof. Dr. Sybille Steinbacher
Em. o. Univ.-Prof. Dr. Gerhard Botz