Dr. Anna Schober übernimmt Mercator-Gastprofessur am Institut für Soziologie der Justus-Liebig-Universität Gießen

28. September 2011

Kulturalisierung und die Popularisierung von ‚Gender‘

Dr. Anna Schober übernimmt Mercator-Gastprofessur am Institut für Soziologie der Justus-Liebig-Universität Gießen

Was hat sich im akademischen Diskurs von ,Gender‘ verändert? Welche Folgen und Rückschlüsse ergeben sich durch die politisch-öffentliche Verhandlung dieser Kategorie innerhalb der EU? „Kulturalisierung und die Popularisierung von ‚Gender'“ lautet das Forschungsvorhaben, das Dr. Anna Schober im Rahmen einer Mercator-Gastprofessur im Institut für Soziologie, Fachbereich 03 – Sozial- und Kulturwissenschaften der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) realisieren wird. Das Projekt schließt sich an bisherige Forschungen der JLU und der Universität Verona an, die im November 2010 in einem gemeinsamen Workshop zum Thema „Kulturalisierung“ erstmals diskutiert wurden.

Die Mercator-Gastprofessur von Dr. Anna Schober wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für das akademische Jahr 2011/12 mit rund 100.000 Euro gefördert. Mit dem Mercator-Gastprofessurenprogramm bietet die DFG deutschen Hochschulen die Möglichkeit, hochqualifizierte im Ausland tätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu einem von der DFG finanzierten Aufenthalt in ihren Instituten einzuladen. Im Vordergrund des Gastaufenthaltes ab soll „die Zusammenarbeit an gemeinsamen Forschungsvorhaben stehen; mit der Übernahme von Aufgaben in der Lehre durch die Gäste soll die forschungsbetonte Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses eine deutliche internationale Komponente in den gastgebenden Instituten erhalten.“

Ziel des Arbeitsvorhabens von Dr. Schober, die ab 1. November 2011 an der JLU forschen und lehren wird, ist es zu rekonstruieren, welche Transformationen auf der Ebene öffentlicher und populärer Imagination dem derzeitigen institutionellen Erfolg der Kategorie ‚Gender‘ (etwa seit dem Amsterdamer Vertrag der EU von 1997) entsprechen. Das Projekt konzentriert sich auf den geografischen und öffentlichen Raum der EU, wobei ein Vergleich von Deutschland und Italien im Vordergrund steht. Da es sich bei der Popularisierung und Institutionalisierung von ,Gender‘ jedoch um transnationale Prozesse handelt, sollen auch Beispiele aus anderen EU-Ländern berücksichtigt werden. Historisch bezieht sich das Projekt auf den Zeitraum von den 1970er Jahren bis heute.

Das Arbeitsvorhaben umfasst verschiedene Teilprojekte: Beispiele der Popularisierung von ,Gender‘ über visuelle Medien (Websites, Plakate, Broschüren, Arbeiten der bildenden Kunst, Filme) sollen in einem „Archiv“ zusammengetragen werden. Der Forschungsanteil des Projekts soll in einen am Institut für Soziologie organisierten Workshop münden, dessen Ergebnisse publiziert werden sollen. Zudem soll die Filmreihe „Gender und (filmische) Imagination“ organisiert werden, in der mittlerweile klassische Hollywoodfilme seit den 1980er Jahren, Avantgarde-Filme und jüngere Arthouse-Filme kommentiert, präsentiert und diskutiert werden.

Dr. Schober, geb. 1966 in Wolfsberg, Österreich, studierte von 1984 bis 1992 an der Universität Wien Geschichte, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften. Auf die Promotion im Jahr 2000 folgte 2009 die Habilitation an der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien mit der Venia docendi im Fach Zeitgeschichte. Die Habilitationsschrift trägt den Titel „Ironie, Montage, Verfremdung. Ästhetische Taktiken und die politische Gestalt der Demokratie“ (Wilhelm Fink Verlag, 2009). Dr. Schober war zuletzt Visiting Professor an der Universität Verona/Italien zur Realisierung eines Projekts „Picturing ‚gender‘: Visual translation, popularisation and contesting of a key discourse in the New Europe“, das im Siebten EU-Rahmenprogramm „People“ gefördert wurde. Dr. Schober arbeitet interdisziplinär zur Geschichte, insbesondere des 18. bis 21. Jahrhunderts, in kulturvergleichender Perspektive, zu Theorie und Geschichte von Öffentlichkeit und Popkultur, zu visueller Kultur und zu Gender Studies

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