Forum „Zeitgeschichte der Universität Wien“


Die Universität Wien im „langen 20. Jahrhundert“ ist das Arbeitsfeld des Forums Zeitgeschichte der Universität Wien – von den Universitäts- und Staatsreformen 1848/9 bzw. Staatsgrundgesetz 1867 („Forschung und Lehre sind frei“) bis zur Gegenwart – mit allen Brüchen und Kontinuitäten.

Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Auseinandersetzung der Universität Wien mit ihrer Vergangenheit in der Zeit des Austrofaschismus/Ständestaats und Nationalsozialismus (NS) und der Aufarbeitung der Verfolgung und Vertreibung ihrer Mitglieder – ProfessorInnen und DozentInnen sowie Studierende und AbsolventInnen – aus rassischen, politischen und/oder anderen Gründen, sowie auf ihrer wissenschaftlichen und wissenschaftspolitischen Involvierung in das NS-System in Forschung und Lehre.

Die heutige Universität Wien bekennt sich ohne Einschränkung zur Mitschuld und Mitverantwortung an inhumanen, unrechtmäßigen und unwürdigen Handlungen in der NS-Zeit und will proaktiv und off ensiv die Bearbeitung ihrer eigenen Vergangenheit systematisch betreiben. Die historische Aufarbeitung
soll nicht Selbstzweck sein, sondern eine notwendige Schnittstelle von Rückblick auf Tradition, Definition des gegenwärtigen Selbstverständnisses, Positionierung
im 21. Jh. und Zukunftsorientierung im internationalen Forschungsraum.
Im Sinne des Grundverständnisses konzipiert und koordiniert das Forum auch die historische Aufarbeitung im Hinblick auf das 650-Jahr-Jubiläum im Jahr 2015.
Universität soll als soziales und kulturelles Phänomen und nicht nur als (universitäts-)geschichtliches greifbar sowie im Spannungsfeld von Wissenschaft, Gesellschaft und Politik verständlich werden.
Diese Schnittstellen sowie Fragen der außeruniversitären Forschung, des Wissen(schaft)stransfers und internationale Vergleiche werden in den Blick genommen. Neben der Geschichte der Gesamtuniversität soll auch jene der einzelnen Fakultäten, Zentren, Departments und zentralen Universitätseinrichtungen untersucht werden.

FUNKTIONEN/TÄTIGKEITEN DES FORUMS

Die wichtigsten Funktionen des Forums Zeitgeschichte der Universität Wien sind:

■ Konzeption und Koordination der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Geschichte zum 650-jährigen Gründungsjubiläum der Universität Wien im Jahr 2015 mit Fokus auf das „lange 20. Jahrhundert“

■ Koordinationsstelle der einschlägigen Aktivitäten: Vernetzung der in diesem Feld forschenden Personen und Projekte (Organisation von Tagungen u.a. Arbeits treffen zur Wissenschafts- und Universitätsgeschichte) und Sichtbarmachen bisheriger Aktivitäten nach Innen und Außen

■ Clearing- und Servicestelle: Ansprechpartner nach innen und außen

■ Vorarbeiten für einen noch zu erstellenden Forschungslückenkatalog, Eröffnung von Forschungs- und Aufarbeitungsperspektiven; Vernetzung von Forschung und Lehre u.a. im Schwerpunkt „History and Philosophy of Science“ (HPS)

■ Forschungen zur Zeitgeschichte der Universität Wien und Aufbau statistischer, biografischer und bibliografischer Grundlagen sowie historischer Datenbanken zu verschiedenen Aspekten – teilweise forschungsvorbereitend, teilweise aber auch selbst forschend (u.a.: Vertreibung der Studierenden der Universität Wien 1938 (2008), Aberkennung und Wiederverleihung akademischer Grade im 19. und 20. Jh. (2009/10), Eliten/dis/kontinuitäten in der Zweiten Republik. Zur Reintegration der im NS aus politischen Gründen entlassenen Lehrenden der Universität Wien nach 1945 (2010/11))

■ Wissenschaftliche Begleitung und Vorbereitung von Gedenkformen, Gedenkveranstaltungen samt Publikationen: z.B. „Konfrontation Siegfriedskopf“ (2005/06) oder „Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938“ (2009) mit den Namen der aus rassischen und/oder politischen Gründen vertriebenen Lehrenden und Studierenden sowie jener AbsolventInnen, denen ihr akademischer Grad aus diesen Gründen aberkannt wurde, ergänzt um Biografien, Bilder und Dokumente online unter http://gedenkbuch.univie.ac.at