Protestresolution

5. Juni 2014

HistorikerInnen des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien unterstützen die Protestresolution der Kollegen Maderthaner, Konrad und Binder, die mit klaren Worten gegen die parteipolitische Instrumentalisierung des historischen Erbes der Revolution von 1848 durch rechtsradikale Splittergruppen aufgetreten sind: „Wenn wir heute … die Ereignisse des Jahres 1848 als … die Grundlage der Herausbildung einer gemeinsamen europäischen Tradition betrachten, so gilt es, … eine zentrale Lehre zu ziehen: Wir dürfen unter keinen Umständen zulassen, dass sich eine autoritäre, demagogische und populistische Rechte dieses Erbes erneut bemächtigt“.

Bereits am 30. April 2014 wurde auf Initiative und unter Beteiligung des Rektors der Universität Wien, Univ.-Prof. Heinz Engl, eine Veranstaltung organisiert, bei der die Universitätsprofessorin Gabriella Hauch und der Politikwissenschaftler Dr. Bernhard Weidinger Impulsreferate zum Thema 1848 gehalten haben. Dabei wurde eine fundierte historische Analyse präsentiert, die sich gegen burschenschaftliche Selbstdarstellungen wandte und auch all die Widersprüchlichkeiten, die die bürgerliche Moderne bis heute prägen, thematisierte.

Die Universität Wien hat in den letzten Jahrzehnten immer wieder deutliche und öffentlichkeitswirksame Zeichen gegen parteipolitisch motivierte Umdeutungen von historischen Ereignissen gesetzt, wofür die Umbenennung des Lueger-Rings in Universitäts-Ring ebenso beispielhaft steht wie die Umgestaltung des Arkadenhofes, die Versetzung und Kontextualisierung des Siegfriedskopfes oder Veranstaltungen mit Rektor Engl, Nobelpreisträger Eric Kandel und vielen WissenschaftlerInnen der Universität Wien zum frühen Antisemitismus an der Alma Mater Rudolphina vor 1914. Auch hier wurden die burschenschaftlichen Umdeutungen der Universitätsgeschichte auf der Basis wissenschaftlicher Expertise und Forschungen deutlich korrigiert.

Univ.-Prof.in Dr.in Johanna Gehmacher (Vorständin des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien.

Univ.-Prof. DDr. Oliver Rathkolb (Sprecher des Initiativkollegs „Europäische Historische Diktaturen-und Transformationsforschung“, Universität Wien)

Univ.-Prof. Dr. Friedrich Stadler (Vorstand des Instituts Wiener Kreis, Universität Wien)

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Lesen Sie dazu auch das Interview mit Dr. Bernhard Weidinger in derStandard.at vom 3.6.2014