HermannBahr Österreichischer Kritiker europäischer Avantgarden



Zum Projekt

Als Autor gehört Hermann Bahr zur zweiten Liga der Wiener Moderne. Gründe, ihm kritisch zu begegnen, gibt er selbst, wenn er sich aufgrund seiner wandelbaren Ansichten als Kautschukmann beschreibt. In seinem Leben häutet er sich regelmäßig, macht Wendungen und Bekehrungen, wird vom Antisemiten zum Dekadent, vom frankophilen Internationalen zum Provinzkatholiken: Über den philosophischen Gehalt eines Gedankensystems lässt er sich nicht fassen.

Aber gerade seine geistige Beweglichkeit ermöglichte ihm zu der zentralen Schnittstelle zu werden, die für Informationsflüsse sorgt, die Avantgarden und Kunstströmungen vernetzt und ausformuliert. Er bringt um 1900 Wien nach Europa und Europa Wien näher. Deshalb fällt es schwer, seinen Stellenwert zu überschätzen.

Verhinderte eine restriktive Nachlasspolitik lange Zeit die adäquate Würdigung von Bahrs Wirken, zieht dieses Projekt den Nutzen aus der Situation. Nach Ablauf des Copyrights machen wir eine Vermessung seines Schaffens. Das Projekt teilt sich in zwei Arbeitsfelder. Wir erstellen ein umfassendes Textverzeichnis der über 3000 Artikel und Aufsätze, die Bahr zu Lebzeiten publizierte. Das wird der zukünftigen Forschung den Zugang zum Quellenmaterial jenseits der in Buchform erschienenen Aufsätze geben. Als zweites Arbeitsfeld edieren wir die wichtigsten kritischen Schriften in 23 Bänden neu.