Einleitung: Religiöse Bauten in Japan
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Dachkonstruktion
- Pagode (Holz), Detail. Errichtet 711; „Nationalschatz“; Hōryū-ji, Ikaruga, Nara-ken
Bild © Jani Patokallio, 2002. (Letzter Zugriff: 2011/9)
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Schreindach
- Schreingebäude (Holz, Bronze, Kupfer), Detail. Frühe Edo-Zeit, 17. Jh.; Tōshō-gū Schrein, Nikkō
Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Detail der Dachkonstruktionen des Tōshō-gū Schreins, Nikkō. Im Vordergrund das „chinesische Tor“. Das Dach dahinter gehört zur Haupthalle.
Die traditionelle japanische Architektur arbeitet fast ausschließlich mit Holz. Dies liegt nicht zuletzt an der beständigen Bedrohung durch Erdbeben in Japan. Gegenüber Steinbauten haben Holzhäuser den Vorteil, dass sie leichter und biegsamer sind und im Fall der Zerstörung schneller wieder aufgebaut werden können. Allerdings fallen sie umso leichter einem Brand zum Opfer. Diese Grundvoraussetzungen haben bestimmte architektonische Muster hervorgebracht, die sich ganz besonders in den religiösen Bauwerken Japans erhalten haben.
Vergängliche Materialien, beständige Struktur
Die traditionelle japanische Architektur nimmt die Tatsache bewusst in Kauf, dass sie nicht für die Ewigkeit bestimmt ist. Statt dessen werden Gebäude immer wieder nach einem einmal bewährten Muster neu aufgebaut. Es ist außerdem verhältnismäßig einfach, Gebäude auseinanderzunehmen und an anderer Stelle wieder aufzubauen. Auch lassen sich einzelne schadhafte Hölzer ohne große Schwierigkeiten durch neue ersetzen, wenn der Schaden nicht allzu groß ist.
In manchen Fällen, etwa im Fall der Schreinanlage von Ise (Ise 伊勢 — Schreinanlage von Ise, Präfektur Mie …mehr ⇒), reißt man dennoch sämtliche Gebäude alle zwanzig Jahre ab, um sie nach exakt dem gleichen Muster, aber mit neuen Hölzern wieder aufzubauen. Heute geschieht dies vor allem aus rituellen Gründen, in alter Zeit, als Bauholz in unlimitierter Menge zur Verfügung stand, gab es aber auch die durchaus rationale Erwägung, auf diese Weise dem natürlichen Verfall zuvorzukommen.
Interessanterweise hat diese Bereitschaft, die Vergänglichkeit mit in die Architektur einzubeziehen, dazu geführt, dass sich die Grundstruktur der traditionellen Baukunst seit der japanischen Klassik (Nara- und Heian-Zeit) kaum nenneswert verändert hat. Sobald man durch Versuch und Irrtum die effektivste Methode gefunden hatte, um einen bestimmten Gebäudetyp herzustellen, behielt man ihn bei. Dies ist im Fall buddhistischer Pagoden ganz besonders auffällig: Sie entwickelten sich aus einem chinesischen Urtyp, der in China schon längst nicht mehr existiert, in Japan aber bis heute fast unverändert weiter tradiert wird.
Im übrigen sind einige Bauten aus älterster Zeit vor dem Unbill der Natur verschont geblieben. In der Gegend um die alte Hauptstadt Nara stammen einige Holzbauten aus dem achten Jahrhundert und zählen damit zu den ältesten Holzbauwerken der Welt, etwa der buddhistische Tempel Hōryū-ji (Hōryū-ji 法隆寺 — Tempel in Ikaruga bei Nara, gegr. 607; wtl. „Tempel des prosperierenden [Buddha]-Gesetzes“ …mehr ⇒).
Gemeinsamkeiten und Unterschiede religiöser Gebäude
Sowohl die Tempel des Buddhismus als auch die Schreine des Shinto widmen die größte architektonische Sorgfalt dem Dach. Die Dächer von Tempeln und Schreinen ziehen daher mit ihren eleganten Schwüngen und raffinierten Konstruktionen sofort alle Blicke auf sich. Was darunter ist, beschränkt sich zumeist auf eine stabile Konstruktion von Balken, die oft nur durch einfache Bretterwände oder gar Papierschiebetüren verbunden sind. Die Wände haben daher so gut wie gar keine tragende Funktion. Die meisten traditionellen Gebäude sind ebenerdig oder einstöckig. Auch die Böden sind aus Holz und lagern nicht direkt auf der Erde, sondern schweben auf stützenden Pfählen. Dies schützt die Gebäude vor Feuchtigkeit und unerwünschten Schädlingen.
Die Halle des zweiten Monats (Nigatsu-dō)
- Tempelhalle (Holz). Nara-Zeit (8. Jh.), zerstört 1667, wiedererrichtet 1669; „Nationalschatz“; Seitengebäude des Tōdaiji in Nara
Tempel und Schreine unterscheiden sich untereinander oft nur in Details, die dem Laien zunächst nicht ins Auge fallen. Auch funktionell ähneln sich die Gebäude des Shinto und des japanischen Buddhismus: Die Hauptgebäude dienen im Wesentlichen der Aufbewahrung von Heiligtümern und nicht der Versammlung von Gläubigen. Religiöse Massenveranstaltungen im Stil christlicher Messen finden weder im Shinto noch im Buddhismus mit ähnlicher Regelmäßigkeit statt wie in christlichen Ländern. Wenn viele Leute an einer religiösen Feier beteiligt sind, nimmt das Ganze rasch einen bunten Festcharakter an und wird im Freien abgehalten.
Um Shinto Schreine und buddhistische Tempel auseinander zu halten, bedarf es der Kenntnis ganz bestimmter Merkmale: Schreine sind in der ersten Linie anhand von torii (torii 鳥居 — Torii, Schreintor …mehr ⇒) zu identifizieren, Pagoden oder Tore mit Wächterfiguren (Niō (Niō 仁王 — Wächterfigur, Torwächter …mehr ⇒)) sind ein Hinweis, dass es sich wahrscheinlich (wenn auch nicht sicher) um einen buddhistischen Tempel handelt. Weitere Einzelheiten dazu werden auf den folgenden Seiten besprochen. Die Listen berühmter Tempel und Schreine in diesem Kapitel bieten weiteres Anschauungsmaterial, erheben allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Links
- Asian Historical Architecture, Timothy M. Ciccone (Hg.)
Umfangreiche architekturhistorische Dokumentation, mit relativ vielen Beispielen aus Japan. - JAANUS - Japanese Architecture and Art Net Users System, Mary N. Parent (Hg.)
Ca. 8000 Einträge zur traditionellen japanischen Baukunst.Letzte Überprüfung der Linkadressen: Okt. 2010
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