Was ist ein Tempel?

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Bernhard Scheid, „Was ist ein Tempel?.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 20.9.2016). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Bauten/Tempel?oldid=67155

In der Japanologie wird der Begriff „Tempel“ nur auf buddhistische religiöse Stätten angewandt, handelt es sich um shin­tō­is­tische Orte der Verehrung, spricht man von einem „Schrein“. „Tempel“ ist das deutsche Über­setzungs­wort für japanisch: tera tera buddhistischer Tempel; das Wort leitet sich von einem koreanischen Begriff her, der ehemals in etwa tyər ausgesprochen wurdesiehe auch→ Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Schreine , jiin jiin 寺院 buddhistischer Tempel, Kloster, -ji -ji buddhistischer Tempel; andere Lesung: tera, -in -in Suffix für Institutionen, z.B. buddhistischer Tempelsiehe auch→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko , -san -san wtl. „Berg“; als Suffix auch: Tempel- oder Klosteranlage (im Ggs. zu Einzelhalle). All diese Worte zeigen eine buddhistische Ver­ehrungs­stätten an, im engeren Sinn ein Gebäude, im weiteren eine Anlage, vergleichbar einem hierzulande bekannten Kloster.

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Anlage des Tempels Yakushi-ji Yakushi-ji 薬師寺 Tempel in Narasiehe auch Waechtergoetter → Geschichte/Nara→ Geschichte/Honji suijaku→ Karte in Nara

Zwischen Tempeln und Klöstern besteht weder ter­mi­no­lo­gisch noch funktionell ein Unter­schied. Im Gegen­satz zu christlichen Kirchen dienen sämtliche Gebäude einer Tempel­anlage eher den Mönchen als den Laien. Die meisten Japaner besuchen Tempel daher in der Regel nur an hohen Feier­tagen oder als Touristen. In beiden Fällen genügt es, vor dem honzon honzon 本尊 Hauptheiligtum eines Tempelssiehe auch→ Bauten/Schreine→ Ikonographie→ Bauten/Bekannte Tempel/Asakusa→ Bauten/Bekannte Schreine/Fushimi→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Benzaiten → mehr ein kurzes Be­grüßungs­ritual abzuhalten. Oft betritt man dabei die Haupt­halle gar nicht, sondern steigt nur über ein paar Stufen zu einer Veranda, von wo aus man die goldenen Buddha Statuen aus dem dunklen Inneren der Halle heraus­leuchten sieht (s. Kap. Alltag, Tempel- und Schreinbesuch). Mönche hingegen wohnen in Tempeln, die man insofern auch als „Klöster“ be­zeich­nen kann. Aus­ge­dehnte Kloster­anlagen besitzen Wohn­gebäude für Mönche sowie spezielle Hallen für be­stimmte Gebete und Rituale, an denen Laien üb­licher­weise nicht teil­nehmen. Die typischen Elemente einer solchen Anlage werden auf dieser Seite anhand des Tempels Hōryū-ji dargestellt, die verlinkten Sidepages zeigen Beispiele aus anderen re­präsen­tativen Anlagen.

Beispiel Hōryū-ji

Der Tempel Hōryū-ji Hōryū-ji 法隆寺 Tempel in Ikaruga bei Nara, gegr. 607; wtl. „Tempel des prosperierenden [Buddha]-Gesetzes“siehe auch→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Ikonographie/Kannon→ Ikonographie/Shaka→ Ikonographie/Waechtergoetter/Nio→ Geschichte/Fruehzeit → mehr liegt in der Nähe der alten Haupt­stadt Nara Nara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyōsiehe auch Nara → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Ise Izumo→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima → mehr und ist einer der schönsten und ältesten Tempel Japans. Seine drei zentralen Bau­werke stammen aus dem siebenten oder achten Jahr­hundert und gelten als die ältesten Holz­bauten der Welt. Sie wirken schlichter als jüngere Gebäude und be­ein­drucken durch die starken hell-dunkel Kontraste. Doch auch die Gebäude des Hōryū-ji waren ur­sprünglich wie die meisten tradi­tionellen Holz­bauten rot lackiert. Ehemals lag hier das Anwesen von Prinz Shōtoku Shōtoku Taishi 聖徳太子 574–622; Prinz Shōtoku; kaiserlicher Regentsiehe auch Shotoku Taishi → Bauten/Schreine/Torii→ Geschichte/Fruehzeit→ Geschichte/Honji suijaku→ Geschichte/Nara/Miniaturstupas → mehr , dem großen Reformer des frühen japa­nischen Staats­wesens, der sich auch stark für die Über­nahme des Bud­dhis­mus als Staats­religion einsetzte (mehr dazu Geschichte, Frühzeit). Abgesehen von dieser histo­rischen Be­deu­tung stellt der Hōryū-ji ein an­schau­liches Beispiel einer tradi­tionel­len bud­dhis­tischen Tempel­anlage dar.

Tempelanlage

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Hōryū-ji, innerer Tempelbezirk

Tempel; Ikaruga, Präfektur Nara

Die Anlage des Hōryū-ji wird von Süden (hier rechts oben) betreten, die Haupthalle befindet sich im mittleren Bildteil, daneben die Pagode.

. 1 Luftbild des Hōryū-ji

Ein Tempel ist typischer­weise von einer Mauer umgeben, in der Tore in den vier Himmels­richtungen angebracht sind. Das Haupt­tor weist meist in Richtung Süden. Innerhalb der Mauer befinden sich Haupt­halle, Pagode und andere religiöse Gebäude. Die Abbildung oben zeigt den Hauptbezirk des Hōryū-ji aus der Vogel­pers­pek­tive. Eine innere qua­dra­tische Ein­frie­dung umschließt die Haupt­gebäude, außerhalb davon befin­den sich diverse Wohn­gebäude für Mönche, Ver­waltungs­gebäude und Neben­tempel. Deut­lich erkenn­bar ist die Pagode, schräg rechts darüber be­findet sich das Haupt­tor, links darüber die Haupt­halle. Das große Gebäude am linken Rand des inneren Tempel­bezirks ist die soge­nannte Predigt- oder Lese­halle (kōdō kōdō 講堂 Predigt- oder Vortragshalle eines Tempels), wo Sutren सूत्र sūtra (skt., n.) „Faden“, Lehr­rede des Buddha, kanoni­sche Schrift; jap. kyō 経 oder kyōten 経典siehe auch →  Sutra → Grundbegriffe/Buddhismus→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Alltag/Gluecksbringer→ Bauten/Bekannte Schreine/Fushimi → mehr und Predig­ten vor­ge­tragen werden. Die ge­samte Anlage wird zudem von einer zweiten äuße­ren Mauer umge­ben, die hier nicht deut­lich zu erken­nen ist. Diese Mauern besaßen einst durch­aus auch mili­tärische Funk­tionen. Ähnlich wie christ­liche Kirchen boten auch japa­nische Tempel in frü­herer Zeit Schutz vor feind­lichen Heeren.

Mon — das Tempeltor

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Berühmte Tempeltore

Südliches Haupttor (Nandaimon)

Tempeltor. Kamakura-Zeit, 1199; „Nationalschatz“; Tōdaiji, Nara
Bild © Frank J. Gualtieri Jr., 2005. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Das riesige Tor (mon) des Tōdaiji, wo sich der Große Buddha von Nara befindet, mit den zahmen Hirschen, die hier überall frei umherlaufen. Die ebenfalls gigantische Halle des Großen Buddhas ist im Hintergrund zu erkennen. Das Tor stammt in seiner heutigen Form aus dem Jahr 1199, nachdem es zusammen mit dem Rest der Tempelanlage im Genpei-Krieg (1181) zerstört worden war. Charakteristisch sind die frei schwebenden Querbalken, die die Dachkonstruktion stützen. Im Inneren des Tores sind die beiden größten und zugleich eindrucksvollsten Torwächterstatuen Japans zu sehen.

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Hōryū-ji, Chūmon

Tempeltor. 7. Jh.; „Nationalschatz“; Hōryū-ji (bei Nara)
Bild © Lonely Trip. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Dieses Tor (mon) wird als Mitteltor (chūmon) bezeichnet, weil es sich in der inneren Einfriedung des Tempels Hōryū-ji befindet. Es besitzt einen zweigeteilten Durchgang. Üblicherweise gibt es nur einen zentralen, bzw. drei Durchgänge, nur im Hōryū-ji gibt es den Fall, dass ein Mittelpfosten quasi den natürlichen Zugang zum Tempel blockiert.

. 2 Tempeltor des Hōryū-ji

In den Mauern rund um die Anlage sind in der Regel mehrere Tore (mon mon Torsiehe auch→ Bauten/Tempel/Tempeltore ) angebracht. Das Haupt­tor, und damit auch der Haupt­zu­gangsweg, befindet sich meist im Süden. Ähnlich wie weltliche Paläste „blickt“ ein bud­dhis­tischer Tempel also üblicherweise von Norden nach Süden. Bud­dhis­tische Tempel­tore stellen bereits für sich genommen eindrucksvolle archi­tek­tonische Bau­werke dar. Links und rechts des Eingangs sind meist zwei furchter­regende bud­dhis­tische Wächter­gott­heiten (niō niō 仁王 Wächterfigur, Torwächtersiehe auch Nio → Ikonographie→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Ikonographie/Waechtergoetter → mehr ) aufgestellt (s.a. Kap. „Ikono­graphie“: Torwächter). Die Größe des Tores spiegelt zumeist das Prestige eines Tempels wider. Große Tempel­tore verfügen in der Regel über ein Ober­geschoß, in dem Tempel­schätze unter­gebracht sein können.

Hondō — die Haupthalle

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Goldene Halle (Kondō)

Tempelhalle (Holz). Nara-Zeit; „Nationalschatz“; Hōryū-ji, Ikaruga, Nara-ken
Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Haupthalle (kondō) des Hōryū-ji

. 3 Haupthalle des Hōryū-ji

Die Haupthalle (hondō hondō 本堂 Haupthalle eines Tempels oder kondō kondō 金堂 Haupthalle eines Tempels; Synonym von hondō) des Hōryū-ji soll aus dem Jahr 680(!) stammen, wurde aber im 8. Jahr­hundert erneuert und möglicher­weise modi­fiziert. In jedem Fall ist sie weit über tausend Jahre alt. Hier werden das Haupt­heilig­tum des Tempels (honzon honzon 本尊 Hauptheiligtum eines Tempelssiehe auch→ Bauten/Schreine→ Ikonographie→ Bauten/Bekannte Tempel/Asakusa→ Bauten/Bekannte Schreine/Fushimi→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Benzaiten → mehr ), aber auch diverse andere Buddha-Statuen auf­bewahrt. Früher waren die honzon eines Tempels für Laien meist nicht frei zugänglich, sondern wurden nur zu bestimmten Anlässen gezeigt. Die Haupt­hallen der japanischen Tempel­bauten sind also nicht wie christliche Kirchen für allgemeine Gottes­dienste gedacht. Oft gibt es zusätzlich zur Haupt­halle noch eine Predigthalle (kōdō kōdō 講堂 Predigt- oder Vortragshalle eines Tempels), doch auch diese wird in erster Linie von den Mönchen benützt.

Honzon — das Hauptheiligtum

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Shaka-Dreiergruppe (Shaka sanzon)

Statue, nyorai (Bronze, ehem. vergoldet) von Tori Busshi (Kuratsukuri no Tori). Asuka-Zeit, 623; „Nationalschatz“; im Besitz des Hōryū-ji, Haupthalle; Sitzhöhe der mittleren Statue: 86,4 cm; Gesamthöhe: 382cm

Shaka-Trinität bestehend aus Shaka Nyorai, flankiert von den Bodhisattvas Yakuō und Yakujō, eine damals häufige Kombination. Hauptheiligtum (honzon) des Hōryū-ji. Die Figurengruppe stammt von Tori Busshi, dem gleichen Bildhauer koreanischer Herkunft, der zuvor auch den sog. Asuka Daibutsu schuf. Auch stilistisch zeigen die Figuren noch einen starken Einfluss der damaligen buddhistischen Kunst Chinas und Koreas. An der Rückseite der Aureole ist eine Inschrift angebracht, die nicht nur den Bildhauer nennt, sondern auch den Anlass der Herstellung nennt: Sie wurde 622 in Auftrag gegeben, um damit für die Gesundung des Prinzregenten Shōtoku Taishi zu beten. Als der Prinzregent 622 dennoch starb, wurde die Statue umgewidmet und sollte ihm nun für eine Wiedergeburt im Reinen Land nützlich sein. Forschungen aus jünger Zeit deuten allerdings darauf hin, dass diese Inschrift, ebenso wie die Aureole selbst, erst fünfzig Jahre später angefertigt wurde, um Shōtoku Taishi als Mentor des Buddhismus aufzuwerten.

. 4 Hauptheiligtum des Hōryū-ji

Das Haupt­heilig­tum des Hōryū-ji ist eine sogenannte Shaka-Trinität (Shaka sanzon Shaka sanzon 釈迦三尊 Dreiergruppe bestehend aus Buddha Śākyamuni (jap. Shaka Nyorai), flankiert von zwei Begleitern (meist etwas kleiner dargestellte Bodhisattvas)siehe auch→ Ikonographie/Shaka ) mit Buddha Shakyamuni (Shaka Shaka 釈迦 Buddha Shakyamuni, der historische Buddha; auch Shaka Nyoraisiehe auch Shaka → Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga→ Geschichte/Amidismus→ Geschichte/Fruehzeit/Einfuehrung des Buddhismus ), dem historischen Buddha, in der Mitte, und seinen „Assistenten“ Monju Bosatsu Monju Bosatsu 文殊菩薩 Bodhisattva Manjushri; Schüler des historischen Buddhasiehe auch Astrologie und Fugen Bosatsu Fugen Bosatsu 普賢菩薩 Bodhisattva Samantabhadra; Begleiter des Shaka Nyoraisiehe auch Ikonographie . Eine solche Dar­stellung von Buddhas in Dreier­gruppen ist in der gesamten bud­dhis­tischen Welt üblich. Tempel, in denen der historische Buddha das Haupt­heilig­tum darstellt, sind allerdings nicht die Regel. Vor allem in späterer Zeit wird Buddha Shakyamuni शाक्यमुनि Śākyamuni (skt., m.) „Der Weise des Shakya-Klans“, Gautama Siddhartha; jap. Shaka 釈迦 oder Shakamuni 釈迦牟尼siehe auch →  Buddhas Leben → Grundbegriffe/Buddhismus→ Alltag/Yamabushi/En no Gyoja→ Ikonographie/Amida→ Ikonographie/Shaka → mehr von Amida Amida 阿弥陀 Buddha Amitabha; Hauptbuddha der Schulen des Reinen Landes (Jōdo-shū bzw. Jōdo Shinshū)siehe auch Amida → Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Ikonographie/Mandala→ Alltag/Jahr → mehr oder Dainichi überflügelt. In der Frühzeit des japanischen Bud­dhis­mus war außerdem der „Medizin-Buddha“, Yakushi Nyorai Yakushi Nyorai 薬師如来 Buddha der Medizin; skt. Bhaisajyagurusiehe auch Ikonographie → Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Ikonographie/Shaka→ Ikonographie/Waechtergoetter→ Ikonographie/Dainichi/Daibutsu → mehr , sehr populär.

— die Pagode

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Pagode, Hōryū-ji

Fünfgeschoßige Pagode, gojūtō (Holz). Errichtet 711; „Nationalschatz“; Hōryū-ji, Ikaruga, Nara-ken; Höhe: 32,5 m
Bild © Lonely Trip, 2003. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Ein charakteristisches Merkmal dieser sehr alten Holzpagode () des Hōryū-ji ist das relativ breite Untergeschoß.

. 5 Pagode des Hōryū-ji

Viele größere Tempel besitzen eine Pagode (jap. Pagode; Turm; abgeleitet von skt. stupa; auch sotobasiehe auch Pagoden → Bauten→ Bauten/Tempel/Stupa ). Zur Zeit der Gründung des Hōryū-ji galten Pagoden als die wichtigsten Tempel­bauten und waren Auf­be­wahrungs­ort des honzon. Pagoden leiten sich von den indi­schen Stupas ab. Stupas sind Grab­mäler des Buddha und be­herber­gen seine Reliquien. Auch viele japani­sche Tempel geben an, in ihren Pagoden Reliquien des Buddha auf­zu­bewahren. Archi­tekto­nisch hat sich das indische Stupa jedoch unter chinesi­schem Einfluss stark gewandelt und ist zu einem hoch auf­ragenden, weithin sicht­baren Turm geworden. Während jede kultu­relle Epoche in China neue Pagoden­stile ent­wickelte, gelten die japani­schen Pagoden als getreue Abbilder der ur­sprüng­lichen chinesi­schen Holz­bau­weise. In Japan gibt es prinzipiell zwei Stil­formen, nämlich 1) die mehr­stöckige Pagode (tajū-tō tajū-tō 多重塔 mehrstöckige Pagodesiehe auch Pagoden ), die meist mit drei oder fünf Stock­werken aus­ge­stattet ist, und 2) die so­ge­nannte „Viel­schatz Pagode“ (tahō-tō tahō-tō 多宝塔 einstöckiger Pagodentyp, wtl. „Vielschatzpagode“siehe auch Pagoden ) mit einem kreis­förmigen, bauchigen Grund­ge­schoß, das deutlicher an die indischen Vor­bilder erinnert, aber interessanter­weise archi­tektur­geschicht­lich jünger ist. Im Hōryū-ji gibt es u.a. eine fünf­stöckige Pagode (Abb. links), die zu den berühm­testen „National­schätzen“ Japans zählt.

Seitengebäude

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Halle der Träume (Yumedono)

Tempelhalle (Holz). Nara-Zeit, 739; „Nationalschatz“; Hōryū-ji, Ikaruga, Nara-ken
Bild © 663highland, Wikimedia Commons, 2010. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Zentrales Bauwerk des östlichen Tempelbezirks des Hōryū-ji. Achteckiger Grundriss. Im Inneren befindet sich eine Statue des Kannon (Guze Kannon), die angeblich die Züge des Prinzen Shōtoku (574–622) trägt.

. 6 Yumedono, Halle der Träume

Größere Tempe­lanlagen besitzen meist verschiedene Seiten­tempel oder ganze Seiten­anlagen, die anderen Buddhas oder Bodhisattvas बोधिसत्त्व Bodhisattva (skt., m.) „Erleuchtetes Wesen“; jap. bosatsu 菩薩siehe auch →  Buddhismus Lehre → Ikonographie→ Bauten/Tempel/Pagoden→ Ikonographie/Kannon→ Bauten/Bekannte Schreine → mehr geweiht sind. Daneben können sich auch Shintō-Schreine innerhalb einer bud­dhis­tischen Tempel­anlage befinden. Der Hōryū-ji verfügt neben dem hier vorgestellten Westlichen Tempelbezirk auch noch über einen Östlichen Tempel­bezirk, der wiederum einen inneren und einen äußeren Teil hat. Haupt­gebäude des Östlichen Bezirks ist die „Halle der Träume“ (Yumedono Yumedono 夢殿 Halle der Träume; Seitentempel des Hōryū-jisiehe auch→ Geschichte/Fruehzeit/Shotoku Taishi ), die Kannon Bosatsu Kannon Bosatsu 観音菩薩 Bodhisattva Avalokiteshvara, wtl. „der den Klang der Welt erhört“; chin. Guanyin; „Bodhisattva des Mitleids“siehe auch Kannon → Ikonographie→ Mythen/Paradiese→ Mythen/Hoellen/Hungergeister→ Geschichte/Fruehzeit/Shotoku Taishi geweiht ist. Diese Halle ist ein besonders schönes Beispiel für die in der Umgebung von Nara recht häufigen Kapellen mit sechs- oder acht­eckigem Grundriss.

Tempelglocke

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Tempelglocke

Bronze. 1636; Tempel Chion-in, Kyōto; Höhe: 3,3m; Durchmesser: 2,8m; Wanddicke: 30cm; Gewicht: ca. 70t
Bild © Wada Yoshio. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Tempelglocke des Chion-in in Kyōto

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Tempelglocke

Bronze. 1636; Tempel Chion-in, Kyōto
Bild © Laura Meyer, 2001. (Letzter Zugriff: 2009/10)

Mönche beim Anschlagen der Glocke des Chion-in.

. 7 . 8 Tempelglocke des Chion-in

Die meisten größeren Tempel besitzen auch eine Glocke aus Bronze, die an einem frei stehenden, über­dachten Gerüst aufgehängt ist. Die Bilder oben zeigen die größte Tempel­glocke Japans im Tempel Chion-in Chion-in 知恩院 Haupttempel des Jōdo Buddhismus in Kyōto, err. 1234siehe auch→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Karte in Kyōto, dem Haupt­tempel des Jōdo Buddhismus. Sie wiegt ca. 70 Tonnen und wird wie die meisten anderen Tempel­glocken auch mit einem hölzernen Schlegel von außen an­ge­schla­gen. Dieser Schlegel ist mit Seilen dergestalt am Glocken­haus befestigt, dass er sich nur in der Horizontalen hin und her bewegen lässt.

Üblicherweise ist ein Erwachsener ohne weiteres in der Lage, eine Tempel­glocke an­zu­schlagen, im Fall der Glocke des Chion-in sind jedoch aufgrund ihrer Größe 17 Mönche dazu nötig. Auf dem Bild sieht man eine Übung für das Aus­läuten des Alten Jahres um Mitter­nacht am 31. Dezember. Das ist der wichtigste zere­monielle Einsatz einer Tempel­glocke. Sie ertönt dabei 108 Mal — einmal für jede der 108 Leidenschaften, die nach bud­dhis­tischer Auffassung auf dem Weg zur Erleuchtung zu überwinden sind. (Ähnlich wie beim Abzählen der Gebetskette juzu juzu 数珠 Buddhistische Gebetskette; skt. Malasiehe auch Moenche → Alltag/Moenche/Wuerdentraeger→ Ikonographie/Heilige/16 Arhats .)

Verweise

Bilderläuterungen

  1. Horyuji birdseye.jpg

    Hōryū-ji, innerer Tempelbezirk

    Tempel; Ikaruga, Präfektur Nara

    Die Anlage des Hōryū-ji wird von Süden (hier rechts oben) betreten, die Haupthalle befindet sich im mittleren Bildteil, daneben die Pagode.

  2. Horyuji chumon.jpg

    Hōryū-ji, Chūmon

    Tempeltor. 7. Jh.; „Nationalschatz“; Hōryū-ji (bei Nara)
    Bild © Lonely Trip. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Dieses Tor (mon) wird als Mitteltor (chūmon) bezeichnet, weil es sich in der inneren Einfriedung des Tempels Hōryū-ji befindet. Es besitzt einen zweigeteilten Durchgang. Üblicherweise gibt es nur einen zentralen, bzw. drei Durchgänge, nur im Hōryū-ji gibt es den Fall, dass ein Mittelpfosten quasi den natürlichen Zugang zum Tempel blockiert.

  3. Horyuji kondo.jpg

    Goldene Halle (Kondō)

    Tempelhalle (Holz). Nara-Zeit; „Nationalschatz“; Hōryū-ji, Ikaruga, Nara-ken
    Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Haupthalle (kondō) des Hōryū-ji

  4. Shakasanzon horyuji.jpg

    Shaka-Dreiergruppe (Shaka sanzon)

    Statue, nyorai (Bronze, ehem. vergoldet) von Tori Busshi (Kuratsukuri no Tori). Asuka-Zeit, 623; „Nationalschatz“; im Besitz des Hōryū-ji, Haupthalle; Sitzhöhe der mittleren Statue: 86,4 cm; Gesamthöhe: 382cm

    Shaka-Trinität bestehend aus Shaka Nyorai, flankiert von den Bodhisattvas Yakuō und Yakujō, eine damals häufige Kombination. Hauptheiligtum (honzon) des Hōryū-ji. Die Figurengruppe stammt von Tori Busshi, dem gleichen Bildhauer koreanischer Herkunft, der zuvor auch den sog. Asuka Daibutsu schuf. Auch stilistisch zeigen die Figuren noch einen starken Einfluss der damaligen buddhistischen Kunst Chinas und Koreas. An der Rückseite der Aureole ist eine Inschrift angebracht, die nicht nur den Bildhauer nennt, sondern auch den Anlass der Herstellung nennt: Sie wurde 622 in Auftrag gegeben, um damit für die Gesundung des Prinzregenten Shōtoku Taishi zu beten. Als der Prinzregent 622 dennoch starb, wurde die Statue umgewidmet und sollte ihm nun für eine Wiedergeburt im Reinen Land nützlich sein. Forschungen aus jünger Zeit deuten allerdings darauf hin, dass diese Inschrift, ebenso wie die Aureole selbst, erst fünfzig Jahre später angefertigt wurde, um Shōtoku Taishi als Mentor des Buddhismus aufzuwerten.

  5. Pagode horyuji.jpg

    Pagode, Hōryū-ji

    Fünfgeschoßige Pagode, gojūtō (Holz). Errichtet 711; „Nationalschatz“; Hōryū-ji, Ikaruga, Nara-ken; Höhe: 32,5 m
    Bild © Lonely Trip, 2003. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Ein charakteristisches Merkmal dieser sehr alten Holzpagode () des Hōryū-ji ist das relativ breite Untergeschoß.

  6. Yumedono2.jpg

    Halle der Träume (Yumedono)

    Tempelhalle (Holz). Nara-Zeit, 739; „Nationalschatz“; Hōryū-ji, Ikaruga, Nara-ken
    Bild © 663highland, Wikimedia Commons, 2010. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

    Zentrales Bauwerk des östlichen Tempelbezirks des Hōryū-ji. Achteckiger Grundriss. Im Inneren befindet sich eine Statue des Kannon (Guze Kannon), die angeblich die Züge des Prinzen Shōtoku (574–622) trägt.

  7. Glocke chionin.jpg

    Tempelglocke

    Bronze. 1636; Tempel Chion-in, Kyōto; Höhe: 3,3m; Durchmesser: 2,8m; Wanddicke: 30cm; Gewicht: ca. 70t
    Bild © Wada Yoshio. (Letzter Zugriff: 2016/8)

    Tempelglocke des Chion-in in Kyōto

  8. Glocke chionin2.jpg

    Tempelglocke

    Bronze. 1636; Tempel Chion-in, Kyōto
    Bild © Laura Meyer, 2001. (Letzter Zugriff: 2009/10)

    Mönche beim Anschlagen der Glocke des Chion-in.

Links

  • Hōryū-ji, Oriental Architecture
  • Prince Shotoku's Temple, Henry Smith (en.)
    Eine sehr empfehlenswerte Einführung in die Geschichte und Kunstgeschichte des Hōryū-ji von Prof. Henry Smith (Columbia University).
Letzte Überprüfung der Linkadressen: Sept. 2016
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