Einleitung: Mythen, Legenden und Glaubensformen

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Bernhard Scheid, „Einleitung: Mythen, Legenden und Glaubensformen.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 19.1.2013). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Mythen?oldid=33019

Wenn von japanischen Mythen die Rede ist, fallen sogleich die Namen der japani­schen Sonnen­gottheit Amaterasu (Amaterasu 天照Sonnengottheit, Ahnherrin des Tennō …mehr ⇒), ihres ungezo­genen Bruders Susanoo (Susanoo 須佐之男mytholog. Trickster-Gott; Sturmgott, Mondgott …mehr ⇒) und ihrer Eltern Izanagi (Izanagi 伊耶那岐 / 伊奘諾Göttervater; auch Izanaki (ki hier männliche Endung) …mehr ⇒) und Izanami (Izanami 伊耶那美 / 伊奘冉Göttermutter, Göttin der Unterwelt (mi hier weibliche Endung) …mehr ⇒). Auch dieses Kapitel beginnt mit einer Zusam­men­fas­sung der mytho­logi­schen Erzählungen aus dem sogenannten „Zeitalter der Götter“ zu An­be­ginn der Welt. Doch darf man die ge­schicht­liche Bedeutung dieser Mythen nicht über­bewerten. Die Zahl der Schreine, die den mytho­logi­schen Gottheiten geweiht sind, ist über­raschend gering (s. dazu auch: Bekannte Schreine). Viele dieser Gott­heiten wurden lediglich in Zeiten propagiert, als der Hof des Tennō (Tennō 天皇jap. „Kaiser“-Titel, wtl. Herrscher des Himmels …mehr ⇒) das tatsächliche politische Zentrum des Landes dar­stellte. In der Zeit vom zwölften bis zum neun­zehnten Jahr­hundert hingegen, als die Tenno Dynastie zwar existierte, aber in politischer Bedeu­tungs­losig­keit versunken war, drohten auch die Mythen vom Zeitalter der Götter in Ver­gessen­heit zu geraten. Erst im neunzehnten Jahr­hundert kam es mit dem Wieder­er­starken des Tenno auch zu einer neuerlichen Auf­wertung der klassischen Mythologie (s. dazu auch Kap. Geschichte, Staatsshinto).

Vor der Wiederentdeckung der Mythen spielten buddhistische Legenden und Glaubens­vor­stellungen eine viel wesent­lichere Rolle im religiösen Be­wusst­sein Japans. Noch heute prägen daher buddhistische Motive die Vor­stel­lungen vom Jenseits und vom Leben nach dem Tod. Diese Vor­stel­lungen werden im vorliegenden Kapitel unter dem Stichwort Jenseits ausführ­licher behandelt.

Vom Jenseits kaum zu trennen sind die zahlreichen Geister und Fabelwesen, die bis in die modernen Manga, Anime und Horror­filme hinein die japanische Welt des Über­natürlichen bevölkern. Auch sie haben nur wenig mit den klassischen Mythen, dafür aber umso mehr mit dem japanischen Buddhismus zu tun.

Von diesen übersinnlichen Wesen ist es nur ein kleiner Schritt zu teilweise realen, teil­weise imaginären Tieren, denen magische Fähig­keiten zugesprochen werden. Viele dieser Tiere stehen sowohl mit einzelnen Gott­heiten des Shinto, als auch mit Ge­stalten des Buddhismus in engster Verbindung. Ihnen ist der letzte Abschnitt dieses Kapitels gewidmet.

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