Einleitung: Mythen, Legenden und Glaubensformen

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Bernhard Scheid, „Einleitung: Mythen, Legenden und Glaubensformen.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 8.11.2014). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Mythen?oldid=43899

Wenn von japanischen Mythen die Rede ist, fallen sogleich die Namen der japani­schen Sonnen­gottheit Amaterasu Amaterasu 天照 Sonnengottheit, Ahnherrin des Tennōsiehe auch Goetter des Himmels → Shinto→ Ise Izumo→ Shinto/Jindo→ Ise Izumo/Schreinanlage Ise→ Ise Izumo/Izumo Schrein → mehr , ihres ungezo­genen Bruders Susanoo Susanoo 須佐之男 mytholog. Trickster-Gott; Sturmgott, Mondgottsiehe auch Goetter der Erde → Schreine/Shimenawa→ Bekannte Schreine/Itsukushima→ Matsuri→ Gluecksgoetter→ Gluecksgoetter/Daikoku → mehr und ihrer Eltern Izanagi Izanagi 伊耶那岐/ 伊奘諾 Göttervater; auch Izanaki (ki hier männliche Endung)siehe auch Goetter des Himmels → Gluecksgoetter→ Goetter der Erde→ Goetter des Himmels/Trickster→ Goetter der Erde/Okuninushi → mehr und Izanami Izanami 伊耶那美 / 伊奘冉 Göttermutter, Göttin der Unterwelt (mi hier weibliche Endung)siehe auch Goetter des Himmels → Gluecksgoetter→ Waechtergoetter/Wind und Donner→ Goetter der Erde→ Jenseits→ Goetter des Himmels/Trickster → mehr . Auch dieses Kapitel beginnt mit einer Zusam­men­fas­sung der mytho­logi­schen Erzählungen aus dem sogenannten „Zeitalter der Götter“ zu An­be­ginn der Welt. Doch darf man die ge­schicht­liche Bedeutung dieser Mythen nicht über­bewerten. Die Zahl der Schreine, die den mytho­logi­schen Gottheiten geweiht sind, ist über­raschend gering (s. dazu auch: Bekannte Schreine). Viele dieser Gott­heiten wurden lediglich in Zeiten propagiert, als der Hof des Tennō Tennō 天皇 jap. „Kaiser“-Titel, wtl. Herrscher des Himmelssiehe auch Götter der Erde → Shinto→ Weltbild→ Opfergaben→ Yamabushi/En no Gyoja→ Shinto-Goetter → mehr das tatsächliche politische Zentrum des Landes dar­stellte. In der Zeit vom zwölften bis zum neun­zehnten Jahr­hundert hingegen, als die Tenno Dynastie zwar existierte, aber in politischer Bedeu­tungs­losig­keit versunken war, drohten auch die Mythen vom Zeitalter der Götter in Ver­gessen­heit zu geraten. Erst im neunzehnten Jahr­hundert kam es mit dem Wieder­er­starken des Tenno auch zu einer neuerlichen Auf­wertung der klassischen Mythologie (s. dazu auch Kap. Geschichte, Staatsshinto).

Vor der Wiederentdeckung der Mythen spielten beispielsweise chinesische Legenden von tugend­haften Vor­bildern – etwa die vierund­zwanzig Bei­spiele kind­licher Pietät – vor allem aber buddhis­tische Erzäh­lungen und Glaubens­vor­stel­lungen eine viel wesent­lichere Rolle im ethisch-religiösen Be­wusst­sein Japans. Noch heute prägen daher bud­dhis­tische Motive die Vor­stel­lungen vom Jenseits und vom Leben nach dem Tod. Diese Vor­stel­lungen werden im vor­lie­genden Kapitel unter dem Stich­wort Jenseits ausführ­licher behandelt.

Vom Jenseits kaum zu trennen sind die zahlreichen Geister und Fabelwesen, die bis in die moder­nen Manga, Anime und Horror­filme hinein die japa­nische Welt des Über­natür­lichen bevölkern. Auch sie haben nur wenig mit den klas­sischen Mythen, dafür aber umso mehr mit dem japa­nischen Bud­dhis­mus zu tun.

Von diesen übersinnlichen Wesen ist es nur ein kleiner Schritt zu teilweise realen, teil­weise imaginären Tieren, denen magische Fähig­keiten zuge­sprochen werden. Viele dieser Tiere stehen sowohl mit einzel­nen Gott­heiten des Shinto, als auch mit Ge­stalten des Buddhis­mus in engster Ver­bin­dung. Ihnen ist der letzte Abschnitt dieses Kapitels gewidmet.

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