Das staatsschützende Goldglanz Sutra

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Bernhard Scheid, „Das staatsschützende Goldglanz Sutra.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 20.9.2016). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Texte/Sutra/Goldglanz_Sutra?oldid=67195
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Kisshō-ten

Hängerollbild, tenbu (Leinen, Farbe). Nara-Zeit; „Nationalschatz“; Yakushi-ji, Nara; 53,3 x 32 cm
Bild © Gap. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Kisshō-ten, oder Kichijō-ten, skt. Lakshmi, eine Schutzgottheit des Goldglanz Sutras auf dem ältesten erhaltenen Farbbild Japans aus dem 8. Jahrhundert. Die Göttin soll die Züge der Hauptfrau (701–760) des Shōmu Tennō tragen, deren posthumer Name Kōmyō wiederum dem Goldglanz Sutra (Konkōmyō-kyō) entnommen ist. In der Nara-Zeit entstand ein besonderer Bußritus um Kichijō-ten, Kichijō keka, der Mitte des ersten Monats vollzogen wurde. Dank dieses Ritus überflügelte Kichijō-ten eine andere Göttin aus dem Goldglanz Sutra, Benzaiten (welche heute jedoch die bekanntere ist). Das vorliegende Bild entstand wahrscheinlich im Zusammenhang mit diesem Bußritus.

. 1 Kichijō-ten (Lakshmi)
Eine Heldin des Goldglanz Sutras (Nara-Zeit)

Das Goldglanz Sutra (Konkōmyō-kyō Konkōmyō-kyō 金光明経 Goldglanz Sutra; skt. Suvarṇa­prabhāsa­sottama sūtra; eines von drei „Staatsschutz-Sutren“ des frühen japanischen Staatssiehe auch→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Benzaiten→ Texte/Sutra→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Bishamonten→ Geschichte/Fruehzeit/Einfuehrung des Buddhismus ) ist einer der ältesten in Japan bekannten buddhistischen Texte. Rund um das Sutra existieren Legenden, laut denen sich ein kleines König­reich im Norden Indiens erfolg­reich gegen seine Feinde zur Wehr setzen konnte, weil das Sutra hier gepredigt wurde. Als die Feinde davon erfuhren, kon­ver­tierten sie eben­falls zum Buddhis­mus. Das Gold­glanz Sutra wendet sich in diesem Sinne ganz speziell an weltliche Herrscher und enthält viele Episoden, die den militä­rischen Schutz und inneren Frieden des jeweiligen Landes in Aussicht stellen. Aber auch das häufige Auftreten weib­licher Schutz­gott­heiten mag den welt­lichen Ziel­set­zungen des Sutras geschuldet sein.

Das Sutra stammt wahrscheinlich aus Indien, doch sind die ursprüng­lichen Fassungen nicht mehr erhalten. Die älteste bekannte Ver­sion stammt aus dem China des fünf­ten Jahr­hun­derts.1 703 fertigte der Über­setzer­mönch Yijing Yijing (chin.) 義浄 635–713; chin. Pilgermönch, Übersetzer und „Indologe“; jap. Gijōsiehe auch Daikoku eine neue, wesent­lich aus­führ­lichere Fassung in 31 Kapiteln an, die sich in ganz Ost­asien ver­breitete. Diese Fas­sung ist auch als „Sutra vom golde­nen Glanz der sieg­reichen Könige“ — jap. Konkō­myō saishōō kyō — bekannt.

Verbreitung in Japan

Zusammen mit dem Sutra der/für Barmherzige Könige (Ninnō-kyō Ninnō-kyō 仁王経 Sutra der Barmherzigen Könige; eines von drei „Staatsschutz-Sutren“ des frühen japanischen Staatssiehe auch→ Ikonographie/Gluecksgoetter ) und dem Lotos Sutra (Hoke-kyō Hoke-kyō 法華経 Lotos Sutra; skt. Saddharma pundarika sutra; jap. auch Hokkekyō oder Myōhō renge kyō; zählt zu den einflussreichsten Texten des Mahayana-Buddhismus, älteste Fassungen dürften im ersten Jh. v.u.Z. entstanden sein.siehe auch Sutra → Ikonographie/Kannon→ Ikonographie/Shaka/Buddhas Leben→ Geschichte/Saicho→ Geschichte/Nichiren→ Geschichte/Neue Religionen → mehr ) zählt das Gold­glanz Sutra zu den soge­nannten Drei Staats­schutz Sutren, die ins­beson­dere vor und wäh­rend der Nara Nara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyōsiehe auch Nara → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Tempel→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Ise Izumo→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima → mehr -Zeit große staat­liche Förde­rung erhielten, weil man sich um­gekehrt tat­säch­lich einen gleich­sam magi­schen Schutz des Reiches von ihnen erwar­tete. Einer der ersten, der sich dieser Methode sys­tema­tisch bediente, war Tenmu Tennō Tenmu Tennō 天武天皇 631?–686; 40. japanischer Kaiser; (r. 673–686)siehe auch Kami Kulte → Bauten/Ise Izumo/Schreinanlage Ise→ Mythen/Goetter der Erde/Okuninushi→ Geschichte/Fruehzeit→ Geschichte/Nara→ Texte/Sutra → mehr , von dem das Nihon shoki Nihon shoki 日本書紀 Zweitältestes Schriftwerk und erste offizielle Reichschronik Japans (720)siehe auch Mythentexte → Bauten/Schreine/Torii→ Bauten/Ise Izumo→ Grundbegriffe/Shinto/Jindo→ Bauten/Ise Izumo/Izumo Schrein→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima → mehr berich­tet, er habe Gold­glanz Sutra und das Sutra der Barm­herzi­gen Könige 677 in allen Landes­teilen verbrei­ten lassen.2 Sein Urenkel Shōmu Shōmu Tennō 聖武天皇 701–56; 45. japanischer Kaiser; (r. 724–49); Förderer des Buddhismussiehe auch Nara → Ikonographie/Gluecksgoetter/Benzaiten→ Geschichte/Fruehzeit→ Texte/Sutra→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Bishamonten folgte ab 725 diesem Beispiel in größe­rem Maß­stab und ließ in der Nara-Zeit ein Netzwerk von Provinz­tem­peln errich­ten, deren offiziel­ler Name „Tempel für den Schutz des Staates durch die Vier Himmels­könige des Gold­glanz Sutras“ lautete.3 Das Goldglanz Sutra, das nun schon in erwei­terter Fassung als Sutra der Sieg­reichen Könige bekannt war, sollte in diesen Tempeln auf­be­wahrt und regel­mäßig rezitiert werden.

Mit dem Rückgang staatlicher Förderung (und Regle­men­tierung) des Buddhismus in der Heian Heian 平安 alter Name Kyōtos, eig. Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)siehe auch Heian Zeit → Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Shinto→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Pagoden→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit nahm die Bedeu­tung des Goldglanz Sutras zwar ab, es legte aber den Grundstein für die Bekannt­heit von Figuren wie Benzaiten Benzaiten 弁才天/ 弁財天 Glücksgöttin, Gottheit des Wassers, der Musik und der Beredsamkeit; skt. Sarasvati; auch: Bentensiehe auch Benzaiten → Ikonographie→ Bauten/Schreine/Torii→ Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima→ Alltag/Matsuri/Hadaka matsuri → mehr und Bishamon-ten Bishamon-ten 毘沙門天 Himmelswächter des Nordens, Glücksgott; abgeleitet von einem indischen Gott des Reichtums, Vaishravanasiehe auch Bishamonten → Ikonographie→ Ikonographie/Myoo→ Ikonographie/Waechtergoetter→ Ikonographie/Gluecksgoetter→ Ikonographie/Myoo/Vajrapani → mehr , die heute als Bestand­teil der Sieben Glücksgötter Shichi Fukujin 七福神 Die Sieben Glücksgöttersiehe auch Gluecksgoetter → Ikonographie/Gluecksgoetter/Hotei→ Mythen/Jenseits→ Mythen/Goetter des Himmels/Uzume→ Geschichte/Zen/Bodhidharma→ Texte/Sutra → mehr in Japan ungebro­chene Popu­larität genießen.

Inhalt des Sutras

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. 2 Bishamon-ten, Nara

Tamon-ten (Bishamon-ten)

Statue, tenbu (Holz, bemalt). Nara-Zeit, 8. Jh.; „Nationalschatz“; Tōdaiji (Kaidan-dō), Nara; Höhe: 164,5 cm
Bildquelle: Huntington Archive. (Letzter Zugriff: 2012/2/22)

Bishamon-ten, Wächter des Nordens und Anführer der Gruppe der Vier Himmelskönige (Shi-Tennō).

Wie die meisten längeren Sutren ist auch das Goldglanz Sutra in eine komplexe Rahmen­hand­lung ein­ge­bun­den, die den Text auf eine Predigt des Buddha zurück­führt. Doch nimmt die Predigt wiede­rum auf das Sutra Bezug, als ob es sich um einen be­reits vor­han­denen Text handeln würde. Die Haupt­person der Rahmen­hand­lung ist der from­me König und Bodhi­sattva Rucira­ketu 4. Eine Traum­vision dieses Königs, in dem die bud­dhis­tische Lehre (Dharma धर्म Dharma (skt., m.) Gesetz (des Universums), Lehre (des Buddha); jap. Hō 法siehe auch →  Buddhismus Lehre → Ikonographie→ Ikonographie/Mudra→ Ikonographie/Dainichi→ Ikonographie/Shaka→ Ikonographie/Myoo → mehr ) als sonnen­gleiche Trommel die Welt erleuchtet, gibt dem Sutra seinen Titel. Es treten aber nach und nach andere bud­dhis­tische Figuren in den Vorder­grund, die die Effekti­vität des Sutras preisen. Ab­ge­sehen von diesen selbst­referen­ziellen narra­tiven Ele­men­ten enthält das Sutra eine Reihe von Gebets­formeln (dharani धारणी dhāraṇī (skt., f.) (magische) Gebetsformel, ähnlich wie, aber meist länger als Mantra; jap. darani 陀羅尼 oder jusiehe auch →  Miniaturstupas ) und rituelle Anlei­tungen zur Er­rei­chung kon­kreter, welt­licher Ziele. Diese magisch-religiösen Ele­mente kön­nen als Früh­formen des eso­teri­schen Bud­dhismus an­ge­sehen werden.

Die Vier Himmelskönige

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Die Vier Himmelskönige (Shitennō)

Querbildrolle, tenbu (Papier, Farbe), Detail. Kamakura-Zeit, 13. Jh.; aus Jikkanshō, Rolle 9; 30,5 x 1623,3 cm
Bild © Metropolitan Museum, New York. (Letzter Zugriff: 2016/9)

Die Vier Himmelskönige (von rechts nach links: Osten = Jikoku-ten , Süden = Zōjō-ten, Westen = Kōmoku-ten, Norden = Tamon-ten) in einem ikonographischen Handbuch namens Jukkan-shō (auch Zuzō-shō oder Ejū-shō). Das vorliegende Werk ist eine Kopie aus der Kamakura-Zeit, das Original stammt dem Jahr 1139 und gilt als eines der frühesten Standardwerke der buddhistischen Ikonographie Japans. Andere Kopien (Kamakura-Zeit, Edo-Zeit) zeigen, dass die Darstellungen der Figuren weitgehend gleich geblieben sind.

. 3 Die Vier Himmelskönige in einem ikonographischen Handbuch

In Yijings Version des Sutras werden auch abstrak­tere Fragen und trans­zen­dente Themen erläutert, die sich teilweise stark mit dem Lotos Sutra überschneiden, doch beson­ders ab dem Kapitel über die Vier Himmelskönige (Shi-Tennō Shi-Tennō 四天王 wtl. Vier Himmelskönige, die aber eher als Himmelswächter auftreten und jeweils eine Himmelsrichtung beschützen; angeführt von Bishamon-ten, dem Wächter des Nordens; der Ausdruck wird auch für diverse Gruppen von vier Kriegern angewendetsiehe auch Waechtergoetter → Ikonographie/Gluecksgoetter→ Geschichte/Fruehzeit/Shotoku Taishi→ Texte/Yin und Yang→ Mythen/Oni und Kappa→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Bishamonten → mehr ) schieben sich die dies­seits­bezo­genen Aspekte des Staats­schutzes immer stärker in den Vorder­grund. In diesem Abschnitt erklä­ren die Himmelskönige, angeführt von Bishamon-ten, in einem Dialog mit dem Buddha, wie sie Könige, die eben dieses Sutra hoch­halten, beschüt­zen und andere, die dem Sutra im spe­ziellen und dem Bud­dhis­mus im allge­meinen abhold sind, bestra­fen werden. Das folgende Zitat zeigt, dass in diesem Schutz auch der Krieg enthalten ist:

Wenn zur Zeit, da der Menschen­könig dieses Sūtra anhört, seine Feinde aus dem benachbarten Lande diesen Gedanken haben: „Wir wollen mit dem vier­glied­rigen Heer jenes Land bekriegen,“ dann werden, Erhabener, infolge der majes­tätischen Kraft dieses Sutra ihrerseits die anderen Feinde (jenes) benach­barten Feindes kommen und ihn heimsuchen, und in dem Land werden sich Miss­geschicke und Seuchen verbreiten, und wenn dann der König dies gesehen hat und (daraufhin) sein vier­glie­driges Heer aufstellt und es gegen jenes Land entsendet in dem Wunsche, es zu bekämpfen und zu unterwerfen, dann werden wir [die Vier Himmelskönige] samt unserem Gefolge, den unermesslich und unbegrenzt (vielen) Yakṣas यक्ष yakṣa (skt., n.) übernatürliches Wesen, Geist, Dämon; jap. yasha 夜叉siehe auch →  Vajrapani → Ikonographie/Gluecksgoetter/Daikoku→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Bishamonten→ Sandkiste2 und göttlichen Wesen, einzeln unter der Verbergung unserer eigenen Gestalt (dem König) Schutz und Hilfe gewähren und veranlassen, dass jene Feinde ganz von selbst zu Fall kommen und es nicht mehr wagen, in sein Landes­gebiet zu kommen; wie sollte es dann überhaupt noch möglich sein, dass sie es mit Soldaten und Waffen bekämpfen!5

Weitere in Aussicht gestellte Vorteile sind: Schutz des Königs vor Krank­heiten, Bewah­rung seines langen Lebens; Friede unter den Frauen, Verwandten und Ministern des Königs; Fröm­mig­keit unter Mönchen und Laien­unter­tanen; und Schutz durch gött­liche Mächte. An anderer Stelle heißt es, dass dort, wo das Sutra gepredigt wird, alle Unter­tanen gesund, glücklich und reich sein werden.

In späteren Kapiteln leisten außer­dem zahl­reiche Bodhisattvas sowie die indi­schen Schöpfergott­heiten Brahma und Indra, 28 Generäle und andere Schutz­götter alle erdenk­lichen Schwüre, um jenen, die das Sutra hören und weiter ver­breiten, schüt­zend zur Seite zu stehen.

Weibliche Schutzgottheiten

Neben den Vier Himmelskönigen spielen auch weibliche, ursprünglich aus Indien stammende Gott­heiten eine erstaunlich wichtige Rolle in diesem Sutra: Zunächst tritt Benzaiten Benzaiten 弁才天/ 弁財天 Glücksgöttin, Gottheit des Wassers, der Musik und der Beredsamkeit; skt. Sarasvati; auch: Bentensiehe auch Benzaiten → Ikonographie→ Bauten/Schreine/Torii→ Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima→ Alltag/Matsuri/Hadaka matsuri → mehr prominent in Erscheinung, doch auch die Gottheit Kichijō-ten Kichijō-ten 吉祥天 Hindu-buddhistische Göttin des Glücks; wtl. „Gottheit des Guten Omens“; auch: Kisshōten; skt. Lakshmisiehe auch→ Ikonographie/Gluecksgoetter→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Bishamonten→ Ikonographie/Heilige kommt zu Wort. Beide Göttinnen zählen als Sarasvati सरस्वती Sarasvatī (skt., f.) indischer Fluss; Flussgöttin der Beredsamkeit, der Musik und der Gelehrsamkeit; jap. Benzaiten 弁才天siehe auch →  Gluecksgoetter → Bauten/Schreine/Torii→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Benzaiten→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Bishamonten und Lakshmi लक्ष्मी Lakṣmī (skt., f.) hindu-buddhistische Göttin der Anmut und der Liebe; Begleiterin Vishnus; jap. Kichijō-ten 吉祥天 zu den bekanntes­ten weib­lichen Figuren des indi­schen Panthe­ons. Schließ­lich gesellt sich noch eine „Erdgöttin“ namens Kenrō Jishin 堅牢地神 zu den weib­lichen Schutz­gott­heiten des Goldglanz Sutras. Sie stellt dem­jenigen, der den bud­dhis­tischen Tempeln Gaben spendet, Ver­gnügun­gen mit sieben­tausend Himmels­frauen in Aussicht.

Sarasvati/ Benzaiten

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Sarasvati

Ölbild von Raja Ravi Varma (1848–1906). Indien, 1896; Maharaja Fateh Singh Museum, Gujarat
Bildquelle: Wikimedia Commons. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

Die Göttin des Wassers und der Musik Sarasvati mit indischer Laute (vīṇā) und ihrem häufigen Tierbegleiter, dem Pfau (oft auch Schwan). Der Künstler gilt als Pionier der Verbindung von indischen Themen und westlicher Maltechnik.

. 4 Sarasvati (indische Darstellung)

Im Sarasvati Kapitel des Goldglanz Sutras wird diese Gottheit aus drei unterschiedlichen Blick­winkeln geschildert:

  1. Als Gottheit der gewandten Rede und der Weisheit, entsprechend ihren vedischen Vorbildern.
  2. Als medizinische Gottheit, die ein sehr konkret beschriebenes Kräuterbad empfiehlt.
  3. Als Kriegsgottheit.

Die beiden letzen Aspekte finden sich in den Ver­sionen des Gold­glanz Sutras vor 703 noch nicht.6 Als Gott­heit der Weis­heit und Be­red­sam­keit fun­giert Saras­vati/ Ben­zai­ten vor allem als Be­schüt­zerin von bud­dhis­tischen Vor­lesern und Ko­pisten, indem sie ihnen hilft, Fehler zu ver­mei­den und das Wort Buddhas kor­rekt wie­der­zu­geben. Dazu enthält das Sutra auch einen ma­gi­schen Vers (dharani धारणी dhāraṇī (skt., f.) (magische) Gebetsformel, ähnlich wie, aber meist länger als Mantra; jap. darani 陀羅尼 oder jusiehe auch →  Miniaturstupas ). Des­glei­chen schützt Ben­zai­ten auch jene, die in den Genuss einer An­hö­rung des Sutras gelangen.

Als nächstes gibt Benzaiten detaillierte Anweisung für ein Kräuter­heil­bad, das für wesent­lich kon­kre­tere An­wen­dun­gen bestimmt ist. Bis zu 32 Kräuter werden einzeln auf­ge­zählt. Sie werden zu Puder zer­rieben und mit heißem Was­ser ge­mischt, das auf einem im­pro­visier­ten Altar bereit gestellt wird. Geschützt durch Vor­hän­ge und vier Wäch­ter, und be­gleitet von zahl­reichen wei­teren dharani voll­zieht der Prakti­kant (der König) hier sein Bad. Das Bad ver­spricht zu­nächst Hei­lung von kör­per­lichen Be­schwer­den und Krank­heiten, aber auch langes Leben und all­ge­mei­nes Wohl­er­gehen, sowie Schutz vor schäd­lichen astro­logi­schen Ein­flüssen.7 Dass eine Wasser­göttin ein Re­zept für ein Heil­bad bereit hält, macht natür­lich Sinn. Dieser Aspekt scheint jedoch bei der japani­schen Benzai­ten eher in den Hinter­grund geraten zu sein.

Der letzte Abschnitt besteht großteils aus Lobes­hymnen, die an Benzai­ten gerichtet sind. Wird zunächst noch einmal ihre Elo­quenz und ihre Schön­heit hervor­ge­hoben, so sprechen sie spätere Verse auch als Kriegerin an. Sie bekommt nun acht Arme mit Waffen 8 und wird mit einem Löwen ver­glichen.

Verweise

Verwandte Themen

Fußnoten

  1. Fassung in 18 Kapiteln von Dharma­kshema, verfasst zwischen 412 und 421.
  2. Aston, Teil II, S. 335
  3. Konkōmyō shitennō gokoku no tera 金光明四天王護国之寺. Provinzialtempel für Nonnen hießen im übrigen hokke metsuzai no tera 法華滅罪之寺 (Tempel des Lotos [Sutras], das das Böse besiegt)
  4. Jap. Myōdō Bosatsu 妙幢菩薩
  5. Goldglanz Sutra nach Yijing, Kapitel 12 („Die Beschützung des Landes“). Übersetzung Nobel 1958, S. 190–191.
  6. Ludvik 2007, S. 154
  7. Ludvik 2007, S. 169
  8. Ludvik 2007, S. 197

Bilderläuterungen

  1. Kisshoten.jpg

    Kisshō-ten

    Hängerollbild, tenbu (Leinen, Farbe). Nara-Zeit; „Nationalschatz“; Yakushi-ji, Nara; 53,3 x 32 cm
    Bild © Gap. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

    Kisshō-ten, oder Kichijō-ten, skt. Lakshmi, eine Schutzgottheit des Goldglanz Sutras auf dem ältesten erhaltenen Farbbild Japans aus dem 8. Jahrhundert. Die Göttin soll die Züge der Hauptfrau (701–760) des Shōmu Tennō tragen, deren posthumer Name Kōmyō wiederum dem Goldglanz Sutra (Konkōmyō-kyō) entnommen ist. In der Nara-Zeit entstand ein besonderer Bußritus um Kichijō-ten, Kichijō keka, der Mitte des ersten Monats vollzogen wurde. Dank dieses Ritus überflügelte Kichijō-ten eine andere Göttin aus dem Goldglanz Sutra, Benzaiten (welche heute jedoch die bekanntere ist). Das vorliegende Bild entstand wahrscheinlich im Zusammenhang mit diesem Bußritus.

  2. Tamonten nara.jpg

    Tamon-ten (Bishamon-ten)

    Statue, tenbu (Holz, bemalt). Nara-Zeit, 8. Jh.; „Nationalschatz“; Tōdaiji (Kaidan-dō), Nara; Höhe: 164,5 cm
    Bildquelle: Huntington Archive. (Letzter Zugriff: 2012/2/22)

    Bishamon-ten, Wächter des Nordens und Anführer der Gruppe der Vier Himmelskönige (Shi-Tennō).

  3. Shitenno met.jpg

    Die Vier Himmelskönige (Shitennō)

    Querbildrolle, tenbu (Papier, Farbe), Detail. Kamakura-Zeit, 13. Jh.; aus Jikkanshō, Rolle 9; 30,5 x 1623,3 cm
    Bild © Metropolitan Museum, New York. (Letzter Zugriff: 2016/9)

    Die Vier Himmelskönige (von rechts nach links: Osten = Jikoku-ten , Süden = Zōjō-ten, Westen = Kōmoku-ten, Norden = Tamon-ten) in einem ikonographischen Handbuch namens Jukkan-shō (auch Zuzō-shō oder Ejū-shō). Das vorliegende Werk ist eine Kopie aus der Kamakura-Zeit, das Original stammt dem Jahr 1139 und gilt als eines der frühesten Standardwerke der buddhistischen Ikonographie Japans. Andere Kopien (Kamakura-Zeit, Edo-Zeit) zeigen, dass die Darstellungen der Figuren weitgehend gleich geblieben sind.

  4. Saraswati.jpg

    Sarasvati

    Ölbild von Raja Ravi Varma (1848–1906). Indien, 1896; Maharaja Fateh Singh Museum, Gujarat
    Bildquelle: Wikimedia Commons. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

    Die Göttin des Wassers und der Musik Sarasvati mit indischer Laute (vīṇā) und ihrem häufigen Tierbegleiter, dem Pfau (oft auch Schwan). Der Künstler gilt als Pionier der Verbindung von indischen Themen und westlicher Maltechnik.

Weiterführende Informationen

William George Aston (Ü.) 1972
Nihongi: Chronicles of Japan from the Earliest Times to A.D. 697. Rutland, Vt: Tuttle 1972. [Erste Ausgabe: London 1896.]
Catherine Ludvik 2007
Sarasvati, Riverine Goddess of Knowledge: From the Manuscript-Carrying Vina-Player to the Weapon-Wielding Defender of the Dharma. Leiden: Brill 2007.
Johannes Nobel (Ü.) 1958
Suvarnaprabhāsottamasūtra, das Goldglanz-Sūtra: Ein Sanskrittext des Mahāyāna-Buddhismus. I-Tsing's chinesische Version und ihre tibetische Übersetzung. Leiden: Brill 1958.
Letzte Überprüfung der Linkadressen: Sept. 2016
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