Yin und Yang und die Fünf Wandlungsphasen

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Yin und Yang und die Fünf Wandlungsphasen

Die chinesische Natur­philo­sophie ist als die Lehre von Yin und YangYin Yang (chin.) 陰陽 Dualistisches Prinzip der chin. Naturphilosophie; (jap. in'yō, oder onmyōonmyō 陰陽 jap. für „Yin und Yang“; auch in'yō, on'yō; ) und den Fünf Wand­lungs­phasen (chin. wu xing, jap. gogyōgogyō 五行 Fünf Wandlungsphasen; Prinzip der chin. Naturphilosophie; ) bekannt. Sie fand ur­sprüng­lich vor allem in Medizin, Astro­logie, Orakel­kunde und in der Kalen­der­kunde An­wen­dung. In diesen Be­reichen war die chine­sische Natur­philo­sophie bereits im japa­nischen Alter­tum bekannt.

Die Lehre von Yin und Yang wird oft als Synonym des Daoismus (jap. DōkyōDōkyō 道教 Daoismus, wtl. Lehre des Weges, chin. Daojiao; philosophisch-rel. Strömung Chinas; s.a. ; , chin. Daojiao) verwendet, wobei unterstellt wird, dass dieser die älteste philo­so­phische Tradition Chinas sei. In jüngerer Zeit hat sich in der Fachwelt dies­bezüglich aber ein Paradigmenwandel vollzogen. Der Daoismus wird heute als eine philo­sophische Strömung an­ge­sehen, die sich erst im Wett­streit mit Konfuzianismus und Bud­dhis­mus herausgebildet hat und nach und nach auch die Züge einer Religion (mit Gebeten und Ritualen) annahm. Der Daoismus ist daher nicht mit der chi­ne­sischen Natur­philo­sophie gleich­zusetzen, griff aber stark auf diese zurück und versuchte, Konzepte wie Yin und Yang für sich zu vereinnahmen. Tatsächlich setzt aber auch der Konfuz­ianismus (jukyōjukyō 儒教 Konfuzianismus, Lehre des Konfuzius (Kongzi oder Kong Fuzi); wtl. Lehre der Gelehrten; ) die Lehre von Yin und Yang als Tatsache voraus. Der chinesische Bud­dhis­mus wiederum bemühte sich, die natur­philo­sophischen Vor­stel­lungen Chinas ebenfalls in seine Vor­stel­lungen zu integrieren. Yin Yang bilden somit ein Fundament für sämt­liche chi­ne­sischen gei­stigen Traditionen, während der Daoismus nur eine spezifische Richtung der Yin Yang Inter­pretation darstellt.

In Japan wurde die chinesische Natur­philo­sophie schließlich sowohl in den japa­nischen Bud­dhis­mus als auch in den ShintōShintō 神道 Shintō; wtl. Weg der Götter, Weg der kami; integriert. Darüber hinaus etablierte sich der „Weg von Yin und Yang“ (OnmyōdōOnmyōdō 陰陽道 Weg von Yin und Yang; Disziplin der Divination und der magischen Heilkunst; auch on’yōdō oder in’yōdō; ) als eine Disziplin der Wahrsagerei und Heilkunst, die aber kein eigenes religiöses System (d.h. keine eigenen Heils­lehren, Gott­heiten und Tempel) entwickelte.

Yin und Yang

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Fuxi und Nüwa (Bild: Wikimedia). Der mythologische Kaiser Fuxi und seine Schwester/Gemahlin Nüwa. Neben den Trigrammen erfand Fuxi auch das Winkelmaß, das er hier in der Hand hält.
1 Fuxi und Nüwa

Die Yin Yang Lehre geht von der Vor­stel­lung eines ur­sprüng­lichen Chaos aus, in dem alle Materie in un­diff­eren­ziertem Zustand ver­mischt ist. Diese Ur­materie wird auch als qiqi (chin.) 氣/気 Materie (oder „Energie“) der chin. Naturphilosophie; auch Dampf; jap. ki; (jap. ki) oder als taijitaiji (chin.) 太極 Urmaterie, wtl. das Große Äußerste; bezeichnet. Sie spaltet sich in das lichte, leichte qi — das Yang, welches nach oben steigt — und das dunkle, schwere qi — das Yin, welches nach unten sinkt. Auf diese Weise bilden sich der Himmel und die Erde, so­wie in der Folge alle anderen dualen Gegen­sätze, an­ge­fangen von männ­lich und weib­lich, Sonne und Mond, Leben und Tod, etc. Die Yin Yang Philo­sophie be­tont, dass weder Yin noch Yang ge­sondert exis­tieren können und stets dazu ten­dieren von einem zum anderen über­zu­gehen. Stabile Zustände werden durch eine möglichst harmo­nische wechsel­seitige Er­gän­zung von Yin und Yang erreicht. Ein solcher Aus­gleich führt in gewisser Weise wieder zur ur­sprüng­lichen Form der Materie, dem taiji, zurück.

Das Buch der Wandlungen

8 Trigramme
8 Trigramme
 
64 Hexagramme
64 Hexagramme

Der Klassiker der Yin Yang Lehre ist das YijingYijing (chin.) 易経 „Buch/Leitfaden der Wandlungen“ (chin. Klassiker); jap. Ekikyō; (auch I Ging geschrieben), das „Buch der Wand­lun­gen“, in dem die chi­ne­si­sche Wahr­sage­kunst kodi­fiziert ist.1 Laut chine­si­scher Mytho­logie wurde das Ora­kel­sys­tem vom le­gen­dä­ren Herr­scher FuxiFuxi (chin.) 伏羲 Erster von drei mythologischen Herrschern in China, Begründer der chinesischen Kultur; jap. Fukugi; ge­schaf­fen, der von 2852–2738 v.u.Z. ge­lebt und den Kör­per einer Schlange be­ses­sen ha­ben soll. Die tatsächliche Existenz dieses Herrschers mag zwei­fel­haft sein, doch exis­tier­en die Hexa­gram­me wahr­schein­lich wirklich schon sehr lange. Hinweise finden sich bereits im zwei­ten Jahr­tau­send v.u.Z. und frühe Fas­sun­gen des Yijing wa­ren wahr­schein­lich spä­tes­tens An­fang des ers­ten Jahr­tau­sends v.u.Z. be­reits bekannt.

Im Zentrum des Yijing stehen die 64 Hexa­gramme („Sechser­zeichen“). Das sind sym­bolische Grund­formen, die mit Hilfe einer (im Grunde belie­bigen) Orakel­technik ermittelt und zur Inter­pretation des befragten Sach­verhalts her­an­ge­zogen werden. Jedes Hexa­gramm besteht aus zwei Tri­grammen („Dreier­zeichen“), die ihrer­seits bestimmte Namen (Schrift­zeichen) und Be­deu­tungen haben. In der An­ordnung rechts stehen die Tri­gramme bei­spiels­weise für die acht Him­mels­rich­tungen (wobei der Süden oben, der Norden unten ist). Jedes Trig­ramm (und daher auch jedes Hexa­gramm) ist eine Kom­bi­nation von Yin und Yang. Yin wird gra­phisch durch einen unter­broch­enen Strich, Yang durch einen durch­gehen­den Strich repräsentiert. Auch jedes Hexa­gramm besitzt einen Namen, etwa: „Warten“, „Be­frei­ung“, „Be­dräng­nis“, aber auch „Heer“, „Brunnen“ oder „Tiegel“. Das Yijing enthält An­leit­ungen, wie diese Namen in bestimm­ten Situa­tion­en von den Orakel­meistern zu inter­pre­tieren sind.2

Die Fünf Phasen

Neben den beiden Ur­kräften Yin und Yang gibt es noch fünf Ele­mente, nämlich Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser, die in kom­plexen numero­logi­schen Be­zie­hungen zu Yin und Yang stehen. Auch diese Elemente be­dingen einander wechsel­seitig und wieder­holen sich daher in be­stimmten zykli­schen Reihen­folgen. Aus diesem Grund be­zeichnet man sie auch als die Fünf (Wand­lungs-)Phasen. Ursprünglich stellten Yin und Yang und die Fünf Phasen wohl unter­schied­liche Systeme der Natur­erklä­rung dar. Zu ihrer Ver­schmel­zung kam es aller­dings erst in der Frühen HanHan (chin.) chin. Han-Dynastie (207 v.u.Z.–220 u.Z.); -Zeit, im ersten Jahr­hun­dert vor unse­rer Zeit­rechnung, also lange nach Ab­fassung der kon­fuziani­schen und daoisti­schen Klassiker. Obwohl Yin Yang und die Fünf Phasen seit dieser Zeit stets in einem Atem­zug genannt werden, ist die Frage, wie aus einem dualen System ein System, das aus fünf Kom­ponen­ten besteht, her­vor­gehen konnte, meines Wissens nicht restlos geklärt worden.

In der Praxis dienten Yin Yang und die Fünf Wandlungs­phasen in erster Linie als Register, in die sich alle mög­lichen Klassen von Phäno­menen unter­teilen lassen. Wo immer es mög­lich ist, sucht die chine­sische Natur­philo­sophie daher ent­weder nach dualen Gegen­sätzen, die sich als Wechsel­wirkung von Yin oder Yang inter­pretieren lassen, oder nach Fünfer­gruppen, die nach den oben ge­nannten Schemata mit einander in Be­ziehung ge­bracht werden. Es gibt z.B. die Fünf Töne, die Fünf Organe, die Fünf Farben, die Fünf Ge­schmäcker, und anderes mehr. Schließ­lich ergeben die Wand­lungs­phasen in Kombi­nation mit den Tier­kreis­zeichenjūni shi 十二支 die Zwölf Erdzweige, auch: Tierkreiszeichen; den soge­nann­ten Sechziger Zykluskanshi 干支 Sechzigerzyklus des traditionellen Kalenders, wtl. Himmelsstämme (干) und Erdzweige (支); , der eine ele­mentare Kategorie der traditio­nellen Zeit­messung bzw. der Kalender­kunde darstellt.

Die Zyklen der Fünf Wandlungsphasen

Es gibt unterschiedliche Beziehungs­arten zwischen den fünf Elementen, aus denen die so­ge­nannte Wand­lungs­zyklen abgeleitet werden. Am häu­figs­ten findet man:

  1. Zyklus der Hervor­bringung: Holz gebiert Feuer, Feuer gebiert Erde (Asche), Erde gebiert Metall, Metall gebiert Wasser, Wasser gebiert Holz, ...
    Holz→Feuer→Erde→Metall→Wasser→
  2. Zyklus der Besiegung: Holz besiegt (teilt) Erde, Erde besiegt (saugt auf) Wasser, Wasser besiegt Feuer, Feuer besiegt (schmilzt) Metall, Metall besiegt (spaltet) Holz, ...
    Holz→Erde→Wasser→Feuer→Metall→
Gogyo.png

Die fünf Elemente Holz (grün), Feuer (rot), Erde (gelb), Metall (weiß) und Wasser (schwarz) in der Reihen­folge der Her­vor­brin­gung (durch­gehen­de Linie) und Rei­hen­folge der Besie­gung (gestrich­elte Linie).

Vier oder fünf Richtungen

Entsprechend den Fünf Phasen kennt die chine­sische Kosmo­logie auch „Fünf Richtungen“, die grund­sätz­lich mit den hierzu­lande be­kann­ten Vier Himmels­richtungen über­ein­stimmen, denen jedoch als fünftes Element die Mitte hinzu­gefügt wird. Diese Rich­tungen werden in China seit ältes­ter Zeit mit bestimm­ten Farben asso­ziiert, die wiede­rum mit ima­ginären Tieren in Be­zie­hung stehen. Es sind dies:

Richtung Tier Farbe Wandlugsphase Himmelswächter
Osten Blauer Drache
(Seiryū 清龍)
blau oder grün Holz Jikoku-ten
Süden Roter Vogel
(Suzaku 朱雀)
rot Feuer Zōchō-ten
Westen Weißer Tiger
(Byakko 白虎)
weiß Metall Kōmoku-ten
Norden Dunkle Schildkröte
(Genbu 玄武)3
schwarz oder blau Wasser Tamon-tenTamon-ten  多聞天 Synonym von Bishamon-ten, Himmelswächter des Nordens (skt. Vaishravana);
Mitte [Gelber Drache] gelb Erde --
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Blauer Drache (Seiryū) (Bild: Asuka Museum). Bei diesem Drachen (ryū) handelt es sich um ein chinesisches Emblem des Ostens. Das Bild stammt aus einem Hügelgrab (kofun) der Asuka-Zeit (7. Jh.), dem Takamatsu-zuka. Dass chinesische Embleme in dieser Zeit in Grabkammern festgehalten wurden, verdeutlicht den Einfluss der chinesischen Kosmologie und des daoistischen Polarstern-Glaubens im Japan der Asuka-Zeit.
2 Blauer Drache
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Roter Vogel (Suzaku) (Bild: Jun's Memo, Blog). Der Rote Vogel des Südens (jap. suzaku). Wandbild aus dem Inneren eines Hügelgrabs (kofun) des koreanischen Königreichs Goguryeo.
3 Roter Vogel
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Weißer Tiger (byakko) (Bild: Ohitsuji-za no hitorigoto, (Blog)). Das chinesische Symboltier des Westens, dem die Farbe Weiß zugeordnet ist. Es handelt sich um keinen realistischen Tiger, da er mit flügelartigen Federn ausgestattet ist.
4 Weißer Tiger
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Schwarze Schildkröte (genbu) (Bild: Ohitsuji-za no hitorigoto, (Blog)). Das chinesische Symboltier des Nordens stellt eigentlich eine Kombination von Schlange und Schildkröte dar. Der Name bedeutet wörtlich „Dunkler Krieger“.
5 Schwarze Schildkröte
Die Symboltiere der Himmelsrichtungen in alten Hügelgräbern

Die Richtungs­tiere dürften im früh­historischen China zunächst nur eine Vierer­gruppe dar­gestellt haben; die Mitte — reprä­sen­tiert durch einen gelben Drachen, der wiede­rum als Sinn­bild des chine­sischen Kaisers ange­sehen wird — kam später hinzu. Der Einfluss dieser Symbolik auf be­nach­barte Kulturen zeigt sich vor allem in früh­histo­rischen Grab­hügeln in Korea und Japan, in denen die Rich­tungs­tiere häufig abge­bildet sind. Aber auch in der japa­nischen Palast­archi­tektur finden sich Bezüge zu den Rich­tungs­tieren. Ihre Farb­symbo­lik wurde auch von der bud­dhis­tischen Ikono­graphie über­nom­men, die Tiere selbst wurden aller­dings nach und nach von bud­dhis­tischen Wesen­heiten, wie den Vier Himmels­wächtern (Shi-TennōShi-Tennō 四天王 wtl. Vier Himmelskönige, die aber eher als Himmelswächter auftreten und jeweils eine Himmelsrichtung beschützen; angeführt von Bishamon-ten, dem Wächter des Nordens; der Ausdruck wird auch für diverse Gruppen von vier Kriegern angewendet; ), verdrängt.

Yin und Yang in Japan

In Japan existierte in klassischer Zeit ein Hof­amt, das sich speziell mit chinesischer Wahr­sage­technik be­fasste und als onmyō-ryōonmyō-ryō 陰陽寮 wtl. „Amt für Yin und Yang“; höfische Orakelleser; (Amt für Yin und Yang) be­zeichnet wurde. Sein Auf­gaben­bereich um­fasste neben der Orakel­kunst auch die Kalen­der­kunde und die Geo­mantik, also die Be­stimmung glücks­ver­heißender Zeiten und Orte, die jeweils auf der Grund­lage der Natur­philo­sophie ermittelt wurden. An­gehörige dieses Amtes hatten priester­lichen Status und wurden als onmyōjionmyōji 陰陽師 Yin Yang Meister; (Yin Yang Meister) be­zeichnet. Sie galten unter anderem als große Magier und wurden von An­gehörigen des Hofes auch für private Zwecke, in denen Magie von­nöten war, um Hilfe ersucht.

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Portrait des Abe no Seimei (Bild: Osaka City). Der Yin Yang-Meister Abe no Seimei (921?–1005). Im Abe Schrein, wo dieses Bild herstammt, wird auch Seimeis angebliche Mutter, die Füchsin Kuzunoha, verehrt.
6 Abe no Seimei

Der bekannteste Yin Yang Magier der Heian-Zeit ist Abe no SeimeiAbe no Seimei 安部清明 921?–1005; Yin-Yang Meister des 10. Jh.s; (921?–1005). Er war Ange­höriger des höfi­schen Yin Yang Amtes, trug den Titel „Doktor der Himmels­kunde“ (tenmon hakase) und führte im Auftrag ver­schie­dener Kaiser Orakel und Exorzis­men durch. Dank seiner be­sonderen Be­gabung wurden einige Ämter des Yin Yang Amtes inn­halb seiner Familie erb­lich. Nach seinem Tod rank­ten sich zahl­reiche Legen­den um ihn und über­lagerten die wenigen histo­risch ge­sicherten Berichte. So soll seine Mutter eine Füchsin ge­wesen sein, welche die natür­liche magische Bega­bung dieser Tiere an ihren Sohn weiter­gab (siehe Ver­wand­lungs­künste der Füchse).

Die Bedeutung der chinesischen Natur­philo­sophie scheint in der HeianHeian 平安 auch Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit); -Zeit ihren Höhe­punkt er­reicht zu haben, durch­zieht aber die ge­samte japani­sche Kultur- und Reli­gions­ge­schich­te wie ein roter Faden. Schon in den frühen Chroni­ken, vor allem im Nihon shokiNihon shoki 日本書紀 Zweitältestes Schriftwerk und erste offizielle Reichschronik Japans (720); , ist deut­lich zu erken­nen, dass ein­zelne mytho­logische Er­zäh­lungen dem Yin Yang Schema an­ge­glichen wurden. Später machte vor allem der esoterische Bud­dhis­mus von der Yin Yang Sym­bolik Gebrauch (siehe Mandalas der beiden Welten). In der japa­nischen Volks­medizin, der Küche und der Garten­architektur hat sich der Ein­fluss von Yin und Yang bis auf den heutigen Tag er­halten. Schließ­lich sind Yin Yang und die Fünf Phasen un­trenn­bar mit dem klas­si­schen Kalender­wesen ver­bunden, das auch heute noch einen ge­wissen Einfluss in der japani­schen Alltags­kultur besitzt.

Wochentage

Die in der Antike als „Sieben Planeten“ bekannten Himmels­körper (also Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn) wurden in Europa be­kannt­lich zur Ein­teilung der Wochen­tage heran­ge­zogen. Fast alle euro­päischen Sprachen be­nennen und reihen ihre Wochen­tage nach diesem Schema (auch wenn im Deutschen Mars zu Odin, Jupiter zum Donner und Venus zu Freia wurden).

In Japan wird die Sieben-Tage-Woche seit der Ein­führung des west­lichen Kalenders (1873) all­ge­mein an­er­kannt. Die Namen der Wochen­tage scheinen auf den ersten Blick aller­dings vom west­lichen Schema ab­zu­weichen. Sonn- und Mond­tag stimmen zwar überein, die nach­fol­genden Tage sind aber nach den Fünf Phasen be­nannt (Feuer – ka, Wasser – sui, Holz – moku, Metall – kin, Erde – do). In Japan dienen somit keine in den Himmel proji­zierten Götter, sondern Yin und YangYin Yang (chin.) 陰陽 Dualistisches Prinzip der chin. Naturphilosophie; (Mond und Sonne) sowie die Fünf Phasen zur Markie­rung der Zeit.

Tatsächlich besteht aber doch eine Über­ein­stimmung. Die Fünf Phasen wurden nämlich tra­di­tioneller­weise auch zur Be­zeichnung der fünf am Nacht­himmel sicht­baren Planeten heran­ge­zogen: der Mars wurde wegen seiner röt­lichen Färbung dem Feuer zugeordnet, und heißt in Ostasien daher „Feuer­stern“, der Merkur ist der „Wasser­stern“, der Jupiter der „Holz­stern“, die Venus der „Metall­stern“ und der Saturn der „Erd­stern“. Das japanische Wochen­tags­system orientiert sich also eben­falls an den „Sieben Planeten“ und zählt sie in der gleichen Reihen­folge auf wie die Europäer seit der Antike.

Tatsächlich war das Sieben-Tage-Wochen Prinzip bereits im alten China be­kannt, wurde aber von anderen Zeit­ein­teilungen, etwa dem Sechziger-Zyklus (kanshikanshi 干支 Sechzigerzyklus des traditionellen Kalenders, wtl. Himmelsstämme (干) und Erdzweige (支); ), in den Hinter­grund gedrängt. Beide, das europäische wie das ost­asiatische Wochen­system, dürften also einen ge­mein­samen Ur­sprung, möglicher­weise in der baby­loni­schen Kalender­kunde/As­tro­nomie be­sitzen. In Japan soll die Kenntnis der chine­sischen Sieben-Tage-Woche auf den Mönch KūkaiKūkai 空海 774–835, Gründer des Shingon Buddhismus; Eigennamen Saeki Mao, Ehrennamen Kōbō Daishi; zurück­gehen, der ent­sprech­ende Schriften Anfang des neunten Jahr­hunderts von seiner China Reise mitbrachte.

Auch China verwendet heute die Sieben-Tage-Woche, doch hat sich die alte Konvention, die Wochen­tage nach Yin Yang und den Fünf Phasen ab­zu­zählen interes­santer­weise nicht durch­gesetzt. Während sie in Japan zum Standard wurde, zählt man in China die Wochen­tage heute einfach nume­risch ab.

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Religion in JapanInhaltsübersicht

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„Yin und Yang und die Fünf Wandlungsphasen.“ In: Bernhard Scheid, Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001

Verweise

Verwandte Themen

Fußnoten

  1. Bereits 1924 er­schien eine deut­sche Über­set­zung dieses Texts durch den berühmten Sino­logen und Mis­sio­nar Richard Wilhelm (1873–1930). Diese wurde auch ins Englische über­tragen und stellt heute die be­kann­teste, wenn auch nicht ganz un­um­strit­tene Fassung des Yijing in einer west­lichen Sprache dar.
  2. Die heute bekannte Form, die etwa auch der Über­setzung durch Richard Wilhelm zu­grunde­liegt, wurde traditionell dem Konfuzius zu­ge­schrieben und zählt daher zu den konfuzi­anischen Klassikern. Die hier zum Ausdruck kommende Philo­sophie übte eine beson­dere Faszination auf Richard Wilhelm oder C.G. Jung aus. Laut neueren For­schungen stammt diese Version jedoch aus der Tang-Zeit (618–907), ist also über tausend Jahre jünger als sie selbst be­hauptet und ent­spricht einer sekundären Be­ar­bei­tung des Werks. Es wurden aller­dings auch ältere Ver­sionen auf­ge­spürt, die kürzer, prag­matischer und weniger auf den Nachweis philo­sophi­scher Grund­prin­zipien hin ausgerichtet sind.
  3. Der Name Genbu bedeutet wörtlich „Dunkler Krieger“, die Schild­kröte tritt zumeist in Kombination mit einer Schlange auf.

Internetquellen

Letzte Überprüfung der Linkadressen: Jul. 2020

Literatur

Marcel Granet 1985
Das chinesische Denken. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1985. [Französische Erstauflage 1936.]
Dominque Hertzer 1996
Das alte und das neue Yijing: Die Wandlungen des Buches der Wandlungen. München: Diederichs 1996.
Richard Wilhelm (Ü.) 1995
I Ging: Das Buch der Wandlungen. Köln: Diederichs 1995. [Erstauflage 1924.]

Bilder

Quellen und Erläuterungen zu den Bildern auf dieser Seite:

  1. ^ 
    Fuxi.jpg
    Fuxi und Nüwa (Bild: Wikimedia). Der mythologische Kaiser Fuxi und seine Schwester/Gemahlin Nüwa. Neben den Trigrammen erfand Fuxi auch das Winkelmaß, das er hier in der Hand hält.
  2. ^ 
    Takamatsuzuka seiryu.jpg
    Blauer Drache (Seiryū) (Bild: Asuka Museum). Bei diesem Drachen (ryū) handelt es sich um ein chinesisches Emblem des Ostens. Das Bild stammt aus einem Hügelgrab (kofun) der Asuka-Zeit (7. Jh.), dem Takamatsu-zuka. Dass chinesische Embleme in dieser Zeit in Grabkammern festgehalten wurden, verdeutlicht den Einfluss der chinesischen Kosmologie und des daoistischen Polarstern-Glaubens im Japan der Asuka-Zeit.
  3. ^ 
    Suzaku kangso middle tomb.jpg
    Roter Vogel (Suzaku) (Bild: Jun's Memo, Blog). Der Rote Vogel des Südens (jap. suzaku). Wandbild aus dem Inneren eines Hügelgrabs (kofun) des koreanischen Königreichs Goguryeo.
  1. ^ 
    Byakko kitora.jpg
    Weißer Tiger (byakko) (Bild: Ohitsuji-za no hitorigoto, (Blog)). Das chinesische Symboltier des Westens, dem die Farbe Weiß zugeordnet ist. Es handelt sich um keinen realistischen Tiger, da er mit flügelartigen Federn ausgestattet ist.
  2. ^ 
    Genbu kitora.jpg
    Schwarze Schildkröte (genbu) (Bild: Ohitsuji-za no hitorigoto, (Blog)). Das chinesische Symboltier des Nordens stellt eigentlich eine Kombination von Schlange und Schildkröte dar. Der Name bedeutet wörtlich „Dunkler Krieger“.
  3. ^ 
    Seimei.jpg
    Portrait des Abe no Seimei (Bild: Osaka City). Der Yin Yang-Meister Abe no Seimei (921?–1005). Im Abe Schrein, wo dieses Bild herstammt, wird auch Seimeis angebliche Mutter, die Füchsin Kuzunoha, verehrt.

Glossar

Namen und Fachbegriffe auf dieser Seite:

  • Abe no Seimei 安部清明 ^
    921?–1005; Yin-Yang Meister des 10. Jh.s
  • Dōkyō 道教 ^
    Daoismus, wtl. Lehre des Weges, chin. Daojiao; philosophisch-rel. Strömung Chinas; s.a.
  • Fuxi (chin.) 伏羲 ^
    Erster von drei mythologischen Herrschern in China, Begründer der chinesischen Kultur; jap. Fukugi
  • gogyō 五行 ^
    Fünf Wandlungsphasen; Prinzip der chin. Naturphilosophie
  • Han (chin.) ^
    chin. Han-Dynastie (207 v.u.Z.–220 u.Z.)
  • Heian 平安 ^
    auch Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)
  • jukyō 儒教 ^
    Konfuzianismus, Lehre des Konfuzius (Kongzi oder Kong Fuzi); wtl. Lehre der Gelehrten
  • jūni shi 十二支 ^
    die Zwölf Erdzweige, auch: Tierkreiszeichen
  • kanshi 干支 ^
    Sechzigerzyklus des traditionellen Kalenders, wtl. Himmelsstämme (干) und Erdzweige (支)
  • Kūkai 空海 ^
    774–835, Gründer des Shingon Buddhismus; Eigennamen Saeki Mao, Ehrennamen Kōbō Daishi
  • Nihon shoki 日本書紀 ^
    Zweitältestes Schriftwerk und erste offizielle Reichschronik Japans (720)
  • onmyō 陰陽 ^
    jap. für „Yin und Yang“; auch in'yō, on'yō
  • Onmyōdō 陰陽道 ^
    Weg von Yin und Yang; Disziplin der Divination und der magischen Heilkunst; auch on’yōdō oder in’yōdō
  • onmyōji 陰陽師 ^
    Yin Yang Meister
  • onmyō-ryō 陰陽寮 ^
    wtl. „Amt für Yin und Yang“; höfische Orakelleser
  • qi (chin.) 氣/気 ^
    Materie (oder „Energie“) der chin. Naturphilosophie; auch Dampf; jap. ki
  • Shintō 神道 ^
    Shintō; wtl. Weg der Götter, Weg der kami
  • Shi-Tennō 四天王 ^
    wtl. Vier Himmelskönige, die aber eher als Himmelswächter auftreten und jeweils eine Himmelsrichtung beschützen; angeführt von Bishamon-ten, dem Wächter des Nordens; der Ausdruck wird auch für diverse Gruppen von vier Kriegern angewendet
  • taiji (chin.) 太極 ^
    Urmaterie, wtl. das Große Äußerste
  • Tamon-ten  多聞天 ^
    Synonym von Bishamon-ten, Himmelswächter des Nordens (skt. Vaishravana)
  • Yijing (chin.) 易経 ^
    „Buch/Leitfaden der Wandlungen“ (chin. Klassiker); jap. Ekikyō
  • Yin Yang (chin.) 陰陽 ^
    Dualistisches Prinzip der chin. Naturphilosophie