Exzerpt:Borgen 1994

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Borgen, Robert (1994). Sugawara no Michizane and the early Heian court. Honolulu, Hawaii: University of Hawaii Press.

Der Autor

Robert Borgen wurde am 30. August 1945 geboren und ist Professor der Japanologie an der Universität von Kalifornien, wo er zudem Vorsitzender des Instituts für Sinologie und Japanologie war.

Buchcover: Sugawara no Michizane and the Early Heian Court von Robert Borgen (1994)

Kurzexzerpt

Robert Borgens Werk ist nicht nur eine Biographie von Sugawara no Michizane 菅原道真 (845 - 903), sondern gibt sowohl Aufschluss über das höfische Leben als auch die gesellschaftlichen Strukturen und Beziehungen in der Heian-Zeit平安時代 (794–1185), weshalb seine Arbeit einen wertvollen Teil der Geschichte der Heian-Periode porträtiert. Er setzt hohen Wert darauf Michizane als historische Persönlichkeit, in einen kulturellen, politischen und literarischen Kontext zu fassen, in welchem auch der Einfluss Chinas zu dieser Zeit, wie auch Ereignisse die das Leben von Michizane und dieser Zeit beeinflussten, zu erläutern.

Zu Beginn wird der geschichtliche Rahmen näher beleuchtet – Das chinesisch beeinflusste Modell des ritsuryō-sei 律令制, ein Rechtsystem nach konfuzianistischem Vorbild, wich der Herrschaft der Familie Fujiwara. Diese sorgte unter anderem dafür, dass das Land, welches normalerweise vom Staat kontrolliert und auf Bauern aufgeteilt werden sollte, zunehmend zu Privatgrundstücken (shōen 庄園) aufgeteilt wurde. Michizane war ein Gelehrter, Politiker und Poet. Durch seine Tätigkeit an der Universität, als Prüfer für Anwärter auf den öffentlichen Dienst, Berater am Hofe und sein Talent in chinesischer Dichtkunst, genoss er hohes Ansehen. Zudem war er einer der letzten Vertreter des ritsuryō-sei und war politisch sehr aktiv. Dieser politische Aspekt spielt in Borgens Arbeit eine dominante Rolle, da es sowohl das Leben Michizanes ausschlaggebend beeinflusst, als auch über die sich wandelnde Situation in der Heian-Zeit aufklärt. Chinas Stellung, die sich immer stärker etablierende Regentschaft der Fujiwara und Michizanes einflussreicher Status, wurden zu wichtigen Faktoren in diesem historischen Wandel.

Michizanes wachsender Einfluss und sein politisches Engagement machten ihn schlussendlich zur Zielscheibe von Intrigen. Er wurde zu Unrecht ins Exil verbannt, wo er letztendlich starb. Seiner posthume Deifizierung resultierte aus der Angst vor seinem zornigen Geist, die durch eine Anhäufung zufälliger Ereignisse entstand. Um seinen Geist zu beschwichtigen, wurde er zum kami 神 erklärt und ihm wurden Schreine gewidmet. In Borgens Arbeit, wird das Hauptaugenmerk jedoch auf Michizanes Leben gerichtet und sein Mythos als tenjin 天神[1] nur kurz zum Schluss geschildert. Jedoch wird auch hier deutlich gemacht, wie der Staat damals versuchte durch Deifizierung, Kontrolle auszuüben.

Michizanes Leben, sein Tod und seine Bedeutung darüberhinaus, machen ihn bis heute zu einer der wichtigsten historischen Persönlichkeiten der Heian-Zeit und durch Borgens Werk, mit Michizane als zentrale Figur, lässt sich die Geschichte dieser Periode besser verstehen.