Inari

Aus Kamigraphie
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Gottheit oder numinose Erscheinung
Name Inari 稲荷
Sonstige Namen „Rice-Paddy Kami“
Rel. Zugehörigkeiten Shintō u. Buddhismus
Ikonographie Alter Mann mit Reissack/ androgyner Boddhisattva auf einem weißen Fuchs reitend/ junge Frau/ (Fuchs)
Attribute, Begleiter Reissack; Fuchs; Schlange/Drache
Funktion, Wirkkraft Gottheit für Landwirtschaft u. Nahrung
Fuchs Inari.jpeg

Die Gottheit Inari wird in Japan seit dem frühen 8. Jahrhundert verehrt und mehr als ein Drittel aller Shintō-Schreine in Japan sind Inari gewidmet. Kleinere Schreine ohne Priester in Häusern und Firmen, auf Wegen und bei kleinen Feldern findet man überall in Japan. Der Inari-Glaube ist in Städten wie auch auf dem Land gleichermaßen verbreitet.

Inari wird genauso verehrt wie gefürchtet. Beschreibungen von Inari reichen von einer gütigen Fuchs-Gottheit bis hin zu einem furchterregenden Fuchs-Kami, der Menschen frisst.

Allgemein

Der Inari-Kult beruht auf dem Glauben zu Inari 稲荷, welche eine Verbindung zu Essen und Landwirtschaft besitzt. Dieser Kult wurde in Japan sehr beliebt, da der Glaube mit den Gottheiten der Reisfelder („Rice-Paddy Kami“) in Verbindung steht. Vor allem die Errichtung von Schreinen durch Bauern oder Stadtleuten trug zur Verbreitung des Kults bei. Je nach Region nimmt der Inari-Kult auch andere Bereiche ein. Beispielsweise glaubt man in gewerblich dominierten Gebieten, dass Inari eine Gottheit des Handels ist und in Fischergebieten eine Gottheit der Fischerei.

Der Inari-Glaube ist in Japan weit verbreitet und die geschätzte Zahl an Inari-Schreinen beträgt über 30.000, wobei die Zahl der kleinen und privaten Schreine deutlich höher ausfällt.[1] Es ist einer der populärsten Glauben in Japan. Der Inari-Glaube kann drei Fromen annehmen: Der Glaube, der mit dem Fushimi Inari Taisha in Kyoto verbunden ist, seine „Zweig-Schreine“ (jap. bunsha 分社) und die vielen kleinen Inari-Schreine, die nichts mit dem Fushimi Inari Taisha zu tun haben.

Obwohl Inari primär eine shinoistische Gottheit ist, findet man Inari-Schreine auf shiontoistischen Schrein- sowie buddhistischen Tempelanlagen gleichermaßen. Auch die Verherhung kann entweder durch einen Shintō-Priester oder durch einen buddhistischen Priester vollzogen werden.[2] Inari wird vor allem bei buddhistischen Anlagen als Beschützer chinjugami 鎮守神 verehrt.[3]

Geschichte

Die Bezeichnung „Inari“ taucht im 8. Jahrhundert auf im Yamashiro fudoki, das die Gründung des Fushimi Inari Taisha beschreibt. Es heißt aber, dass der Inari-Glaube bereits einige Jahrhunderte früher existierte, als die Gründung des Fushimi Inari Taisha 711.

Die Bezeichnung „Inari“ selbst wurde vermutlich mit dem japanischen Terminus ine 稲 (Reispflanze) in Verbindung gebracht, was auch die enge Verbindung von Inari und Reisfeldern erklären würde. Inari wurde zuerst auf den Gipfeln der Bergen südöstlich von Kyōto vom Hata-Klan verehrt, wobei Inari hierbei nicht nur die Funktion einer Gottheit für Reis und Agrarwirtschaft erfüllte, sondern sie wurde auch gleichzeitig mit den Gräbern der Heiligtümer auf den Bergen assoziiert.

Es gibt zudem noch eine weitere separate Erzählung von Inari, in der es heißt, dass Inari in einem anderen Leben zusammen mit dem Mönch Kūkai in Indien beisammen saß und den Predigten des Buddha zuhörte. 823 traf Kūkai dann auf einen sehr großen und muskulösen alten Mann, der beim Südtor des Tō-ji Tempels ankam und einen Reissack sowie einen Bogen aus Zedernholz mit sich führte, begleitet von zwei Frauen und zwei Kindern. Kūkai hieß ihn jubelnd willkommen und Inari wurde fortan der Beschützer von Kūkais Sekte. Daher kommt auch die Darstellung von Inari als alter Mann mit einem Reissack.

Die verschiedenen Darstellungen von Inari

Es ist nicht ganz klar, wieso Inari entweder als Kami oder als Boddhisattva verehrt wird. Auch die Darstellungen von Inari können unterschiedlich ausfallen. Während vielen japanische Gottheiten ein Geschlecht zugewiesen wird, kann Inari entweder männlich oder weiblich, männlich und weiblich oder geschlechtslos dargestellt werden. Die bekanntesten Darstellungen sind jene als alter Mann mit einem Reissack, als junge Göttin der Landwirtschaft oder als androgyner Bodhisattva auf einem weißen Fuchs.



Trotz dieser Darstellungen gibt es beim Inari-Glauben eine tiefe Verbindung zu Füchsen. Warum dies allerdings so ist, ist nicht geklärt. Zwar geht man davon aus, dass Füchse immer schon verehrt wurden und somit mit dem Inari-Glauben in Verbindung standen, aber frühe Schriften zeigen, dass es zu allererst keinen Bezug zwischen Inari und Füchsen gab. Priester selbst sehen obendrein Füchse vielmehr als Inaris ständige Begleiter und Boten und nicht als Inari selbst.

Es gibt verschiedene Erklärungsansätze, wieso Inari mit Füchsen in Verbindung gebracht wurde. Beispielsweise werden Orte, bei denen Berggottheiten willkommen sind und Feste für diese Berggottheiten veranstaltet werden, „Fuchshügel“ (jap. kitsunezuka 狐塚) genannt. Man sagt, dass die Berggottheiten herabgestiegen sind, um Reisfelder zu werden. Dabei ritten sie auf Pferden, die von Füchsen geführt wurden. Ein weiterer Erklärungsansatz, der am häufigsten dargebracht wird, ist ein Wortspiel. Einer der Gottheiten für Nahrung, der auch mit Inari assoziiert wird, heißt "Miketsukami" 御食津神 („honorable food deity“). In einigen Dialekten wird kitsune (狐Fuchs) als ketsune ausgesprochen. Miketsu ist ein Homonym für „drei Füchse“ 三狐, woraus sich eine Assoziation vom Inari-Glauben mit Füchsen gebildet hatte. Diese Assoziation führte dazu, dass Füchse sogar als Inari selbst gesehen werden.

Inari kann zudem auch als Schlange oder Drache dargestellt werden.

Verweise

Anmerkungen

  1. Würde man die kleineren Schreine zu den registrierten hinzuzählen, würde die Anzahl der Schreine vermutlich das 10- bis 100-fache betragen.
  2. Üblicherweise heißt es, dass es gefährlich sei, wenn man Kami und Buddha gleichzeitig verehrt, da der Buddhismus vorwiegend tote Seelen verehrt. Dennoch werden in Japan Kami wie Buddha gleichermaßen verehrt.
  3. Beim Herbstfest in Toyokawa Inari beispielsweise wird die buddhistische Form von Inari Dakiniten genannt. Beim Saijō Inari in Okmayama, einem Tempel der Nichiren-Sekte, liegt zwar die Verehrung des Lotus-Sutra im Mittelpunkt, aber hierbei nimmt es die Form der Gottheit Saijō an. Beide buddhistische Inari nehmen hierbei die Gestalt Bodhisattva, der Reis mit sich trägt und auf einem weißen Fuchs reitet, an.

Quellen

  • Smyers, Karen Ann (1999). The fox and the jewel: Shared and private meanings in contemporary Japanese Inari worship. Honolulu: University of Hawaii Press.