Ikonographie/Shinto-Goetter: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 16. August 2019, 16:37 Uhr

Die Ikonographie der kami

Ein­heimi­schen Götter in Japan werden üblicherweise als kamikami Gottheit; im engeren Sinne einheimische oder lokale japanische Gottheit, Schreingottheit (s. jinja), Gottheit des Shintō AlltagAhnenkultGluecksbringerKamidanaMatsuri... mehr bezeichnet. Doch was kami bewirken, wo sie sich auf­halten und wie sie aus­sehen, darüber lassen sich im Unter­schied zu bud­dhis­tischen Ge­stalten kaum ver­bindliche Aus­sagen fest­machen.

Ikonographische Handbücher, wie sie der Buddhismus kennt, fehlen im Shintō ebenso wie dogmatische Schriften. Bildliche Dar­stel­lungen von kami in mensch­licher Gestalt sind aus alter Zeit allenfalls in stark stili­sierter Form bekannt. Erst der Ein­fluss der buddhisti­schen Kunst brachte es mit sich, dass kami als rea­listische Menschen dar­ge­stellt wurden. Bilder von kami bildeten aber im Verhäl­tnis zu Bildern von Buddhas die gesamte bekannte Geschichte hindurch eine ver­schwin­dende Minder­heit.

Frühe Darstellungen

Es gibt eine Reihe rätselhafter Tonfiguren aus der japanischen Urgeschichte, die gerne als Götter­dar­stel­lungen gedeutet werden (ohne dass es dafür einen gesicherten Beleg gibt), doch scheint diese Ikono­graphie mit dem Übergang von der JōmonJōmon 縄文 Jōmon-Zeit (bis ca. 300 v.u.Z.), jap. Urgeschichte; wtl. „Schnurmuster“, was sich auf die charakteristischen keramischen Ornamente dieser Zeit bezieht - zur YayoiYayoi 弥生 Yayoi-Zeit (ca. 300 v.u.Z. – 300 u.Z.), jap. Frühgeschichte; Zeit der Entwicklung des Reisanbaus Schreinanlage IseTorii-Zeit (ca. 300 v.u.Z.) ein abruptes Ende gefunden zu haben.

„Schneebrillen“-Figur // Kultfigur, dogū (gebrannter Ton). Jōmon-Zeit, 1000–400 v.u.Z.; Tōkyō Nat. Museum; Höhe: 36cm // Bild © e-yakimono.com (letzter Zugriff: 2016/9/5) // Keramik-Figur (dogū) aus der späten Jōmon-Zeit. Ausgrabungsort Ebisuda, Tajiri-chō, Präf. Miyagi.
Venus der Jōmon-Zeit // Kultfigur, dogū (Ton). Jōmon-Zeit, 2–3000 v.u.Z.; „Nationalschatz“; Präfektur Nagano, Chino; Höhe: 27cm, Gewicht: 2,14kg // // Im Jahr 1989 ausgegrabene weibliche Figur aus der mittleren Jōmon-Zeit. Die Figur wird, ähnlich wie die österreichische „Venus von Villendorf“, üblicherweise als Gottheit interpretiert.
. 1. 2 Jōmon-zeitliche Gottheiten

Mit den Yayoi-zeitlichen Reisbauern verschwanden anthropomorphe (menschen­ähnliche) Götter­bilder für lange Zeit. Selbst die haniwahaniwa 埴輪 frühgeschichtliche Grabbeigaben aus Ton, meist in Form einfacher Skulpturen Ise IzumoOpfer, also die irdenen Grab­bei­gaben in den Hügel­gräbern der kofunkofun 古墳 Hügelgrab der japanischen Frühzeit (ca. 300–700), wtl. „altes Grab“ Torii-Zeit, bilden lediglich das Gefolge des ver­stor­benen Herr­schers ab, aber keine Götter. Erst mit dem Aufkommen des Buddhismus wurden auch ein­heimische kami (wieder) in Menschen­gestalt re­präsen­tiert, doch sind diese Darstel­lungen deutlich von kon­tinen­talen Vor­bil­dern geprägt.

Shintai und Reichsinsignien

Spiegel, Schwert und magatama // // Bild © Cyber Shrine (letzter Zugriff: 2016/8) // So etwa könnten die Insignien des Tennō aussehen, die allerdings bis heute den Blicken der Allgemeinheit entzogen sind.
Shintai

Das einzige, was sich in Ver­bindung mit Götter­dar­stel­lungen aus vor-bud­dhisti­scher Zeit bis heute er­halten hat, sind spezi­fisch ge­formte shintaishintai 神体 heiliges Objekt eines Shintō-Schreins; wtl. „Gottkörper“ MatsuriBekannte SchreineIse IzumoSchreinanlage IseSchreine... mehr (Gott­körper). Shintai stellen die Haupt­hei­lig­tümer shintō­istischer Schreine dar. Sie re­präsen­tieren jedoch streng ge­nommen nicht die Gott­heit selbst, sondern stellen ihren Aufent­halts­ort im jewei­ligen Schrein dar. Um eine Gott­heit in ein shintai „herab­zu­rufen“, sind auf­wän­dige Einla­dungs­zere­mo­nien not­wendig. Danach wird das shintai im jewei­ligen Schrein ver­wahrt und sollte mög­lichst von keinem Menschen, nicht einmal von den Priestern selbst, mehr ange­sehen werden.

Typische shintai sind Spiegel, Schwert und Krumm­juwelen (magatamamagatama 勾玉 Krummjuwelen; archaischer Schmuck, Teil der Insignien des Tennō Goetter des Himmels). Sie bilden auch die „drei gött­lichen Schätze“, die — vor allem in frühe­ren Zeiten — als Insig­nien der kaiser­lichen Macht galten und so den Herr­schafts­an­spruch des TennōTennō 天皇 jap. „Kaiser“-Titel, wtl. Herrscher des Himmels OpfergabenEn no GyojaOkuninushiYasukuniGeschichte... mehr legiti­mierten.

Spiegel mit Drachenmotiven // Kultgegenstand (Bronze). Kofun-Zeit, 5. Jh.; „Nationalschatz“; Oki no shima, Munakata Schrein, Kyūshū; Durchmesser: 22 cm // Bild © Harris 2001, S. 109, Abb. 37 // Dieser Spiegel entstammt einer Schreininsel des Munakata Taisha in Kyūshū. Auf der verzierten Außenseite des Spiegels befinden sich vier mythologische Tiere, die als Drachen (daryū 鼉龍) gedeutet werden. (Siehe auch: e-Kokuhō).
Inariyama Schwert // Schwert, tekken (Eisen, Gold), Detail. 471(?); „Nationalschatz“; Inariyama-kofun, Gyōda-shi, Saitama-ken; Länge 73,5 cm // Bild © Alexander Silverman (letzter Zugriff: 2016/9) // Das Inariyama Schwert, das auch unter der Bezeichnung Kinsakumei Tekken (Eisenschwert mit Goldinschrift) bekannt ist, wurde im Inariyama Hügelgrab in der Präfektur Saitama (Ostjapan) gefunden. Es ist auf Vorder- und Rückseite beschriftet und diente somit nicht als Waffe, sondern als Ehrenzeichen seines Besitzers, der sich in der Inschrift verewigen ließ. Es handelt sich also nicht nur um ein sehr altes Schwert, sondern auch um eines der ältesten schriftlichen Dokumente Japans.
. 3. 4 Spiegel und Schwert aus der Kofun-Zeit

Laut alten Legenden sterben selbst die mächtigsten Dämonen, sobald sie sich selbst in einem Spiegel sehen.1 Spiegel schützten dem­nach vor unheil­vollen Mächten. Doch zählten Spiegel nicht nur wegen ihrer magi­schen Wirkung zu den Reichs­insig­nien. Zur Zeit, als die ersten kami-Schreine ent­standen — aller Wahr­schein­lich­keit nach in der Kofunkofun 古墳 Hügelgrab der japanischen Frühzeit (ca. 300–700), wtl. „altes Grab“ FruehzeitPraehistorie-Zeit —, waren in Japan Bronze­spiegel in Umlauf, die nicht im Land selbst herge­stellt wurden, sondern zu den teuersten und pre­stige­reichsten Im­port­gegen­ständen aus China zählten. Spiegel sym­boli­sier­ten also auch die als über­legen empfun­dene Zivi­li­sation des Kon­tinents. Erst als die Kunst der Metall­ver­arbei­tung durch korea­nische Ein­wande­rer in Japan Ver­brei­tung fand, stellte man eigene Bronze­spiegel her, folgte aber stilis­tisch dem chine­sischen Vorbild. Ähn­liches gilt für Schwerter, die in der Früh­zeit oft kunstvoll verziert waren und oft mehr der Re­präsen­tation als dem Kampf dienten. Die ältes­ten japani­schen Schrift­zeug­nisse finden sich auf solchen Schwer­tern aus dem 5. Jahr­hundert.

Krummjuwelen, Korea // Magatama (Jade). Korea, Drei-Reiche Zeit (vor 660) // Bild © Tokyo National Museum (letzter Zugriff: 2016/9/5) // Krummwelen (magatama) aus dem frühgeschichtlichen Korea.
. 5 Magatama aus Korea
Krummjuwelen // Magatama (Jade, Halbedelstein). Frühe Kofun-Zeit, 4. Jh.; Taniguchi Kofun, Saga-ken, Kyūshū // Bild © Tokyo National Museum (letzter Zugriff: 2016/9/5) // Krummwelen (magatama) aus Halbedelsteinen aus dem Taniguchi Kofun, einem mittelgroßen Hügelgrab (77m Länge).
. 6 Magatama aus Japan

Unter den Reichsinsignien sind die Krummjuwelen die einzigen Objekte, die nicht vom Konti­nent stammen und bereits in archäo­logi­schen Fundstellen aus der späten Jōmon-Zeit ange­troffen wurden. Es gibt zwar auch im früh­geschicht­lichen Korea Krumm­juwelen, doch reichen die japani­schen Funde in ältere Zeiten zurück. Mög­licher­weise wurden magatama also aus Japan nach Korea exportiert. Krumm­juwelen waren magi­sche Objekte. Sie wurden in Ketten um den Hals getragen oder auf Zweigen aufgehängt, die man bei shama­nistischen Riten schüt­telte.

All diese Objekte, die einerseits als Reichs­insignien, andererseits shintai fungierten, haben einen un­mittel­baren Bezug zu den Mythen der kaiser­lichen Ahnen­gott­heiten.2 Es gibt aber auch andere shintai, beispiels­weise natür­liche Steine oder in Einzel­fällen sogar ganze Berge (vgl. Ōmiwa JinjaŌmiwa Jinja 大神神社 Ōmiwa Schrein, auch Miwa Schrein, nahe Nara; einer der ältesten Schreine Japans Goetter der Erde), die als „Wohnort“ von Schrein­göttern dienen können. Manche Schreine ver­wenden heute Papier­opfer­gaben (goheigohei 御幣 Papieropfergabe, Zickzack-Papier KamidanaOpfergabenSchreineRegenmachen) als shintai. Schließ­lich kamen auch bild­liche Dar­stel­lungen zum Einsatz, obwohl natür­lich auch diese nicht herge­zeigt werden durften, sobald eine Gott­heit sie be­wohnte.

Shinzō

Männliche Gottheit von Matsunoo // Statue, shinzō (Holz, bemalt). Heian-Zeit, 9. Jh.; Matsunoo Schrein, Kyōto // // Gottheit des Matsunoo Taisha. Die für kami-Darstellungen typische Haltung deutet an, dass dieser Gott ursprünglich ein shaku-Zepter in den Händen hielt. Dieses Szepter zeichnet auch weltliche Herrscher aus und symbolisiert sakrale ebenso wie politische Autorität.
Weibliche Gottheit // Statue, shinzō. Heian-Zeit, 9. Jh.; Matsunoo Schrein, Kyōto // Bildquelle: galleryhip.com (letzter Zugriff: 2015/10) // Weibliche Gottheit des Matsunoo Taisha. Zählt zu den ältesten kami-Skulpturen Japans. Möglicherweise identisch mit den Gottheiten von Munakata Taisha und Itsukushima.
. 7. 8 Götter von Matsunoo

Kami, die in mensch­licher Form dar­gestellt werden, bezeichnet man als shinzōshinzō 神像 Bild oder Statue einer Shintō-Gottheit (kami) . Die meisten shinzō haben nicht nur menschliche Züge, sie sind überdies wie Hof­beamte ge­kleidet und ähneln daher dem Adel der Zeit ihrer Entstehung. Das trifft schon auf die archaisch wirken­den Gott­heiten des Matsunoo TaishaMatsunoo Taisha 松尾大社 Matsunoo Schrein (auch: Matsuo Schrein), Kyoto; Hauptgottheiten: Ōyamakui und Nakatsushima-hime zu, die als die ältesten Beispiele figurativer kami-Dar­stel­lungen gelten.3 Die männliche Figur (o.l.) hielt ursprünglich eine Art Szepter (shakushaku Zeremonielles Zepter der Schreinpriester; trad. Emblem von Herrschern und Götterstatuen Schreinpriester) in der Hand, das noch heute in Shintō-Zere­monien zum Einsatz kommt, ursprüng­lich aber ein Insignium welt­licher Herrscher war. Es ist sicher kein Zufall, dass die ältesten erhaltenen kami-Skulpturen aus einem Schrein stammen, der ursprünglich der Ahnenverehrung der aus China oder Korea eingewanderten Sippe der HataHata-uji 秦氏 Familienklan des japanischen Altertums mit kontinentalen Wurzeln; der Name schreibt sich mit den gleichen Zeichen wie die chinesische Qin Dynastie (778–207 v.u.Z) und war von jeher sowohl in China als auch in Korea ein häufiger Familiennamen diente. Diese Statuen wurden höchst wahrscheinlich von buddhistischen Bildhauern angefertigt, die ihrerseits zunächst aus Korea kamen. Dies ist ein weiterer Hinweis auf die zahlreichen kontinentalen Einflüsse, die insbesondere den frühen kami-Kult bei Hof prägten.

Kumano Hayatama no Ōmikami // Shinzō, ichiboku-zukuri (Holz, bemalt). Frühe Heian-Zeit; „Nationalschatz“; Hayatama Schrein, Kumano; Höhe: 101cm // Bildquelle: Wada Toshio (letzter Zugriff: 2016/9/5) // Männliche Gottheit des Hayatama Schreins, eines der drei Schreine von Kumano. Wird auch mit Göttervater Izanagi identifiziert.
Fusumi no Kami // Statue, shinzō (Holz, bemalt). Frühe Heian-Zeit; „Nationalschatz“; Kumano Hayatama Taisha, Shingū, Wakayama-ken; Höhe: 101cm // Bild © Kyushu National Museum, 2014 (letzter Zugriff: 2016/9/5) // Weibliche Hauptgottheit des Kumano Hayatama Schreins, eines der drei Schreine von Kumano. Wird auch als Göttermutter Izanami gedeutet.
. 9. 10 Götter von Kumano

Sobald sich die Darstellungsweise der kami allerdings etabliert hatte, blieb sie weitgehend unverändert bestehen. Während buddhistische Plastiken ab der Kamakura-Zeit in der sogenannten yosegi-Technik — also aus mehreren Holzblöcken — geschnitzt wurden, und dadurch an Dynamik und Expressivität gewannen, behielt man bei den shinzō offenbar bewusst die ältere ichiboku-Technik — aus einem Stamm — bei, was die Figuren statisch und ungelenk erscheinen lässt. Auch die typisch Sitzhaltung mit unter dem Gewand verborgenen Händen wurde kaum variiert.

Multiple Identitäten

Was die kami-Ikono­graphie verwirrend macht, ist unter anderem die Tatsache, dass es oft gar nicht leicht zu er­kennen ist, welcher Gott in einem bestimmten Schrein verehrt wird. Größere Schrein­an­lagen bestehen immer aus mehreren Einzel­schreinen, die ver­schiedenen Gott­heiten geweiht sind. Selbst in der Haupt­halle eines Schrein können mehrere Gott­heiten zu Hause sein oder es existieren mehrere gleich­rangige Haupt­hallen nebeneinander. Dies ist wohl mit ein Grund, warum Schreine in Japan häufig unter ihrem Orts­namen, nicht unter dem Namen ihrer Gott­heit bekannt sind. In früherer Zeit wurde dieser Orts­name sogar mit eigenen Gottes-Titeln versehen. Die ver­schiedenen Gott­heiten eines Schreins wurden also auch als eine einzige multiple Gott­heit aufgefasst.

Beispiel Kasuga

Die Kasuga-Götter verlassen den Kashima Schrein (Kashima tatsu shineizu) // Hängerollbild, shinzō (Tusche und Farbe auf Seide). Muromachi Zeit, 14. Jh.; im Besitz des Nara National Museums; 140,6 x 40,2 cm // Bild © Nara National Museum (letzter Zugriff: 2016/9/19) // Auf den Hirschen sind die Götter von Kashima und Katori zu sehen, die sich von der östlichen Kantō-Region auf den Weg zum Kasuga Schrein in Nara machen. Unter ihnen sind zwei Angehörige der Fujiwara Familie zu sehen, welche die Götter begleiteten und in Nara zu Priestern des Kasuga Schreins wurden. Die Legende erzählt genau genommen nur davon, dass Takemikazuchi, der Gott von Kashima, in den Jahren 766–68 auf diese Weise nach Nara übersiedelte, doch da der Kashima Schrein in der Nähe des Katori Schreins liegt und dessen Gottheit Futsunushi auch zu den Göttern des Kasuga Schreins zählt, war es für die mittelalterlichen Künstler offenbar logisch, dass sie die Reise gemeinsam antraten.
. 11 Kasuga kami

Der KasugaKasuga Taisha 春日大社 Kasuga Schrein, Nara; ehemals Ahnenschrein der Fujiwara Bekannte SchreineItsukushimaKasugaBekannte TempelOkuninushi... mehr Schrein in NaraNara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō EmaYamabushiBautenHachimanItsukushima... mehr ist ein besonders an­schau­liches Beispiel für multiple Gott­heiten. Er wurde als Ahnen­schrein der mächtigen Adels­familie FujiwaraFujiwara 藤原 mächtigste Adelsfamilie im jap. Altertum Bekannte SchreineKasugaTenjinBekannte TempelOkuninushi... mehr gegründet und birgt vier Haupt­gott­heiten, die von den Fujiwara als ihre Vor­fahren erachtet wurden. Im Mittel­alter taucht neben den vier einzelnen Namen aber auch die Gott­heit Kasuga DaimyōjinDaimyōjin 大明神 kami-Titel, wtl. Große Leuchtende Gottheit auf. Kasuga Daimyōjin wird zwar als Einzel­gott­heit verstanden und sogar ab­gebildet, ersetzt die ein­zelnen kami in Kasuga aber nicht rest­los, sondern fasst sie zu einer Art kollektiven Super­gottheit zusammen.

Es gibt darüber hinaus auch einige nam­hafte Zweig­schreine des Kasuga Schreins, etwa den Yoshida SchreinYoshida Jinja 吉田神社 Yoshida Schrein, Kyōto; 859 als Zweigschrein des Kasuga Taisha gegründet; ursprünglich Ahnenschrein der Fujiwara; später Zentrum des Yoshida Shintō in Kyōto. Auch er war ur­sprüng­lich ein Ahnen­schrein der Fujiwara und diente der Ver­ehrung des gleichen Ensembles von vier Göttern. Später wurden auch diese Gott­heiten zu einer einzigen ver­schmolzen, die diesmal den Namen Yoshida Daimyōjin erhielt. Die einzelnen Ahnen­götter waren zwar die gleichen wie im Kasuga Schrein, als Ensemble an einem anderen Ort bildeten sie aber eine neue Gottheit.

Der mühelose Wechsel von Einzahl und Mehrzahl und das Ver­schmelzen von mehreren Einzel­figuren zu einer einzigen wird wahr­schein­lich jedem, der mit japa­nischen Manga vertraut ist, bekannt vor­kommen. Auch hier vereinigen sich Einzel­figuren zu einem Superhelden, um sich nach ge­mein­samen Kampf wieder zu individua­lisieren. Kann es sein, dass dieser fließende Über­gang von einzel­per­sön­lichen und kollek­tiven Identi­täten etwas mit der Be­deutung der Gruppe in der japa­nischen Ge­sell­schaft zu tun hat? Oder erleichtert die Tat­sache, dass es im Japa­nischen keinen gramma­tikalischen Unter­schied zwischen Singular und Plural gibt, derartige Vor­stellungen?

Amaterasu

In der japa­nischen Mytholo­gie fällt auf, dass weib­lichen Figuren eine wichtige, manch­mal sogar führende Rolle zukommt. Prominen­testes Bei­spiel ist natürlich die Sonnen­gott­heit AmaterasuAmaterasu 天照 Sonnengottheit; Ahnherrin des Tennō-Geschlechts KamidanaItsukushimaIse IzumoIzumo SchreinSchreinanlage Ise... mehr, aber auch die mythische Kaiserin Jingū KōgōJingū Kōgō 神功皇后 mytholog. Herrscherin; Witwe des 14. Tennō, Chūai, und Mutter des Ōjin Tennō TaubenDainihonshiPraehistorieHimiko... mehr führt zu ihrer Zeit das Zepter über eine ganze Nation. Zur Zeit der Ab­fassung der Mythen waren weibliche Tennō tat­säch­lich keine Selten­heit. Im Laufe des japanischen Alter­tums scheint die Stellung der Frau jedoch schwächer ge­worden zu sein. Das wirkte sich auch in der Welt der Götter aus. Offen­bar tat man sich immer schwerer damit, die wichtigste Ahnen­gott­heit des Tennō in weiblicher Gestalt zu ver­ehren. Auf den seltenen Dar­stel­lungen aus dem Mittel­alter erscheint Amaterasu daher meist als Mann. Noch in der frühen EdoEdo 江戸 Hauptstadt der Tokugawa-Shōgune, heute: Tōkyō; auch: Zeit der Tokugawa-Dynastie, 1600–1867 (= Edo-Zeit); ShichigosanMatsuriPhalluskulteMoencheWuerdentraeger... mehr-Zeit herrschte die Dar­stel­lung von Amaterasu als Jüngling vor. In dieser Zeit wurde der Name Amaterasu Ōmikami im übrigen sino-japanisch Tenshō DaijinTenshō Daijin 天照大神 sinojap. Lesung von Amaterasu Ōmikami aus­ge­sprochen.4 Erst später, als unter dem Einfluss der kokugakukokugaku 国学 „Lehre des Landes“, Nationale Schule, Nativismus; in der Edo-Zeit entstandene Gelehrtentradtion, die ihren Fokus auf das nationale Erbe Japans richtete OkuninushiBakumatsuKokugakuShinto MittelalterStaatsshinto... mehr-Gelehrten der ein­heimische Mythos wieder deutlicher ins all­gemeine Bewusst­sein trat, etablierte sich die heute gängige Form, wie sie etwa auf dem Holz­schnitt rechts zu sehen ist.

Tenshō daijin // Shinzō // // Männlicher Amaterasu in einer mittelalterlichen Darstellung.
. 12 Amaterasu als Mann
Amaterasu tritt aus der Höhle // Farbholzschnitt, shinzō (Papier, Farbe) von Utagawa Kunisada (1786–1865), Detail. 1857 // Bild © Fuji Arts (letzter Zugriff: 2011/8) // Die Darstellung stammt aus einem Tryptichon mit dem Titel „Ursprung des Tanzes vor der Felsenhöhle“ (Iwato kagura no kigen). Dieser Tanz stellt die mythologische Szene nach, in der Amaterasu durch den Tanz von Ame no Uzume aus ihrer Felsenhöhle gelockt wird. Solche kagura-Tänze werden auch heute noch häufig aufgeführt. In der Darstellung ist deutlich die Kabuki-artige Schminke der Darsteller zu erkennen. (Siehe auch iwado kagura2.jpg.)
. 13 Amaterasu als Frau

Ganz all­gemein kann man aus diesen Beispielen schließen, dass die persönliche Identität einer Schrein­gott­heit wesentlich variabler ist als man aus der Sicht einer mono­theistischen Religion vermuten würde. In vielen Fällen werden Schreine daher mit ihrem Orts­namen identifiziert. Selbst der Haupt­schrein von Amaterasu, der Ahnen­schrein des Tennō in IseIse 伊勢 vormoderne Provinz (heute Präfektur Mie); Kurzbezeichnung für die Schreinanlage von Ise (Ise Jingū) KamidanaPilgerschaftBautenHachimanKasuga... mehr wird nicht als „Amaterasu Schrein“ sondern als „Götter­palast von Ise“ (Ise JingūIse Jingū 伊勢神宮 kaiserlicher Ahnenschrein (wtl. Götterpalast) von Ise, Präfektur Mie Ise IzumoSchreinanlage IseTaubenKami KulteNara... mehr) bezeichnet. Dass die verehrte Gott­heit Amaterasu heißt, mag in diesem Fall noch all­ge­mein bekannt sein. Aber welche Gott­heit ihren Sitz im eben­so populären Izumo SchreinIzumo Taisha 出雲大社 Großschrein von Izumo (Präfektur Shimane) PhalluskulteIse IzumoIzumo SchreinOkuninushiEbisu... mehr hat, ist selbst in Japan weithin un­bekannt. Man besucht die be­rühmten Schreine von NikkōNikkō 日光 Tempel-Schreinanlage im Norden der Kantō-Ebene, Präf. Tochigi; beherbergt u.a. den Tōshō-gū Schrein Bekannte SchreineNikkoBerg KoyaSchreinanlage IseReichseinigung... mehr oder MiyajimaMiyajima 宮島 Schreininsel nahe Hiroshima; s.a. Itsukushima Schrein Bekannte SchreineItsukushimaTorii und bringt ihren Gott­heiten den ge­bührenden Respekt ent­gegen, aber man spricht immer nur vom Orts­namen dieser Schreine, kaum je von der dort ver­ehrten Gott­heit. Aus­nahmen stellen HachimanHachiman 八幡 Shintō-Gottheit, Ahnengottheit des Tennō und des Kriegeradels; auch „Yawata“ ausgesprochen Bekannte SchreineHachimanKasugaDaibutsu StatuenTauben... mehr-, InariInari 稲荷 Reisgottheit, häufig von Fuchswächtern bewacht Bekannte SchreineFushimiBerg KoyaImaginaere Tiere... mehr- und TenjinTenjin 天神 wtl. „Himmelsgott“, s.a. Tenman Tenjin Bekannte SchreineTenjinGeisterSymboltiere-Schreine (s. Bekannte Schreine) dar. Interes­santer­weise sind all dies Gott­heiten, die erst in histori­scher Zeit und unter bud­dhis­tischem Einfluss ent­standen sind.

Buddhistische kami

Hachiman // Statue, shinzō (Holz) von Kyōkaku. 1326; Akane Hachiman-gū, Shimane-ken; 71,6 cm // Bild © Harris, 2001, S. 145 // Die Gottheit Hachiman als weltlicher Herrscher in höfischer Tracht
. 14 Hachiman als Herrscher
Hachiman in buddhistischer Tracht (Sōgyō Hachiman) // Statue, shinzō (Holz, bemalt). Heian-Zeit, späteres 9. Jh.; Yasumigaoka Hachiman-gū, Nara; Höhe: 38,6 cm // // Der Yasumigaoka Schrein befindet sich innerhalb des buddhistischen Tempels Yakushi-ji. Hachiman fungiert dort als Schutzgottheit (chinjujin) des Buddhismus.
. 15 Hachiman als Mönch

Obwohl wie ein bud­dhisti­scher Mönch gekleidet, ist auch die Figur rechts ein kami. Es ist HachimanHachiman 八幡 Shintō-Gottheit, Ahnengottheit des Tennō und des Kriegeradels; auch „Yawata“ ausgesprochen Bekannte SchreineHachimanKasugaDaibutsu StatuenTauben... mehr, ein Gott, der ur­sprüng­lich von der West­insel Kyūshū stammt aber bereits seit der NaraNara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyō EmaYamabushiBautenHachimanItsukushima... mehr-Zeit (710–784) landes­weit ver­ehrt wurde. Der Hachiman-Glaube wurde be­sonders vom Buddhis­mus gefördert, denn Hachiman wurde als einer der ersten kami in das buddhis­tische Pantheon integriert und als zum Bud­dhis­mus bekehrte Gott­heit angesehen. Um das Jahr 800 erhielt Hachiman den Titel Bosatsubosatsu 菩薩 Bodhisattva, buddhistische Heilsgestalt IkonographieKannon (BodhisattvaBodhisattva बोधिसत्त्व „Erleuchtetes Wesen“, jap. bosatsu 菩薩 ShichigosanPhalluskulteMoencheBekannte SchreineKasuga... mehr) und wurde ab da meist in Mönchs­tracht dar­ge­stellt. In späterer Zeit wurde Hachiman aber auch als Schutz­patron des Krieger­standes verehrt. In dieser Funktion wird er als weltlicher Herrscher gezeigt. Somit scheint es, als ob Hachiman rück­wirkend wieder in den Laien­stand ver­setzt worden wäre. Tatsächlich weiß die Hachiman Legende jedoch von ver­schie­denen Exis­tenzen dieser Gottheit im (buddhistischen) Zyklus der Wieder­geburten zu berichten. Daher bezieht sich die weltliche Dar­stellung auf jene Existenz, als Hachiman in Gestalt des Ōjin TennōŌjin Tennō 応神天皇 auch Homuda Wake 誉田別; mytholog. Herrscher, offiziell der 15. Tennō; trad. Lebensdaten: 200–310, r. 270–310 HachimanTaubenHonji suijakuGoetter der Erde auf Erden wandelte. Dieser Gestalten­reich­tum erklärt wahr­scheinlich auch Hachi­mans flexible Ein­satz­fähigkeit. Noch heute ist er einer der popu­lärsten kami Japans. (Siehe auch: Hachiman Schreine.)

Hachi­man war jedoch nicht der einzige einhei­mische Gott, der im Laufe der japa­nischen Religions­ge­schichte in den Dienst des Bud­dhis­mus trat. Viel­mehr wurden im Grunde sämt­liche kami früher oder später in das bud­dhis­tische Pantheon integriert und als Schutz­gott­heit des Buddhis­mus oder als Inkarna­tion einzelner Buddhas oder Bodhi­sattvas aufgefasst. (Mehr dazu im Kapitel „Geschichte“, Honji-suijaku.) Besonders deutlich ist dies auf den Mandalas von kami-Schreinen zu erkennen.

Schrein Mandalas

Ab der KamakuraKamakura 鎌倉 Stadt im Süden der Kantō Ebene, Sitz des Minamoto Shōgunats 1185–1333 (= Kamakura-Zeit) HachimanItsukushimaKasugaBerg KoyaDaibutsu Statuen... mehr-Zeit (13. Jh.) findet man japa­nische Gott­heiten auch auf sog. Mandalas (jp. mandaramandara 曼荼羅 Repräsentation eines religiösen Kosmos; japanische Aussprache von skt. mandala MandalaAstrologie) dar­ge­stellt. Es handelt sich dabei aber meist nicht um die abstrakten geo­metrischen Strukturen, die wir von den klassischen Mandalasmaṇḍala मण्डल „Kreis“, schematische Darstellung der kosmischen Ordnung, jap. mandara 曼荼羅 KasugaStupaVajrapaniShotoku TaishiKukai... mehr des Buddhis­mus kennen. Vielmehr scheinen die ver­gleichs­weise freien Dar­stel­lungen buddhisti­scher Paradiese, die ebenfalls als Mandalas be­zeichnet wurden, für die Schrein Mandalas Pate gestanden zu haben.

Kasuga mandara // Hängerollbild, mandara (Seide), Detail. 14. Jh.; 159,4 x 68,9 cm // Bild © Victor Harris, Shintō (Tōkyō: Seikandō bunko, 2001), S. 167. // Darstellung der Götter des Kasuga Schreins in kami-Form (suijaku), unterste Reihe, und darüber in Buddha-Form (honji). Die oberste Gottheit (ganz oben) wurde offenbar zwei Buddha-Gestalten, Shaka (re.) und Kannon (li.) zugeordnet.
. 16 Kasuga Mandara (Detail), 14. Jh.

Auf den Mandalas berühmter Schreine sieht man kami häufig paarweise mit BuddhasBuddha बुद्ध „Der Erleuchtete“, jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀 AlltagAhnenkultFriedhofGorintoShikoku... mehr abgebildet. Diese Dar­stel­lung ist Aus­druck einer be­stimmten Auf­fassung vom Ver­hältnis zwischen Buddhas und kami, die von der HeianHeian 平安 alter Name Kyōtos, eig. Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit) ShichigosanJahrMatsuriMoencheOpfergaben... mehr-Zeit bis zum Beginn der MeijiMeiji 明治 posthumer Name von Kaiser Mutsuhito; nach ihm wird auch die Meiji-Zeit (1868–1912) benannt FamilieGorintoJahrKamidanaMatsuri... mehr-Zeit gängig war: Buddhas wurden als „Urform“ (jap. honjihonji 本地 (buddhistische) Urform (eines kami); s.a. suijaku KasugaNikkoShotoku TaishiHonji suijakuShinto Mittelalter... mehr), kami als deren „Spur“ (suijakusuijaku 垂迹 wtl. kami-Spur (eines Buddha); buddh. Bezeichnung für → kami KasugaHonji suijakuShinto Mittelalter), d.h. als sekundäre Er­scheinungs­form angesehen. Jede einzelne Gott­heit war demnach die Inkarna­tion eines bestimmten Buddhas. Diese Ver­mischung von bud­dhis­tischer und ein­heimischer Ikono­graphie stellte bis zur Meiji-Zeit kaum ein Problem dar. Man war lediglich unter­schied­licher An­sicht, welcher kami zu welchem Buddha ge­hörte. Die Schrein Mandalas dienten u.a. dazu, die spezifi­sche Inter­pre­ta­tion be­stimmter kami und ihrer Urformen zu illustrierten.

Verweise

Fußnoten

  1. Siehe z.B. Hitachi no kuni fudoki (8. Jh.), Aoki 1997, S. 68.
  2. Im Inneren Schrein von IseIse 伊勢 vormoderne Provinz (heute Präfektur Mie); Kurzbezeichnung für die Schreinanlage von Ise (Ise Jingū) KamidanaPilgerschaftBautenHachimanKasuga... mehr soll ein Spiegel aufbewahrt werden, den die Sonnengottheit ihrem Enkel NinigiNinigi 瓊瓊杵 mytholog. Gottheit, Enkel Amaterasus ItsukushimaSchreinanlage IseOkuninushiGoetter der Erde... mehr mitgab, als er zur Erde herabstieg, um hier die Herrschaft zu übernehmen. In diesem Spiegel sollte Ninigi das Ebenbild seiner göttlichen Großmutter erblicken. Erst unter dem elften Tennō Suinin TennōSuinin Tennō 垂仁天皇 11. kaiserl. Herrscher Japans, leg. Regiergungszeit 29 v.–70 n.u.Z. wurde der Spiegel aus dem Palast in den zu diesem Zweck errichteten Ise Schrein überführt. Das Schwert der Reichsinsignien geht wiederum auf SusanooSusanoo 須佐之男 mytholog. Gottheit; Trickster-Gott, Sturmgott, Mondgott MatsuriItsukushimaShimenawaOkuninushiOpfer... mehr zurück. Es wurde den mythologischen Chroniken zufolge ebenfalls in Ise eingeschreint, fand aber später auf Umwegen in den Schrein von AtsutaAtsuta Jingū 熱田神宮 wichtigster und ältester Schrein in Nagoya Opfer (heute Nagoya). Schließlich treten die Krummjuwelen in einem berühmten Wettstreit zwischen Amaterasu und Susanoo als „Waffen“ der Amaterasu in Erscheinung. Dies deutet darauf hin, dass sie als magische Instrumente von von Shamaninnen und Priester-Königinnen verwendet wurden.
  3. Im Matsunoo Schrein werden seit alters her zwei Gottheiten, der männliche ŌyamakuiŌyamakui 大山咋神 mythologische Berggottheit, in den Schreinen Hie Taisha (Hiyoshi) und Matsunoo Taisha verehrt; wtl. „Großer Berg-Pfahl“ Okuninushi und die weibliche Nakatsushima-hime (deren Spur zum Munakata TaishaMunakata Taisha 宗像大社 Großschrein von Munakata, Kyūshū Bekannte SchreineItsukushima in Kyūshū führt) verehrt. Was die Zuordnung dieser Gottheiten zu den Figuren des Matsunoo Schreins erschwert, ist die Tatsache, dass die Skulpturengruppe aus drei Figuren besteht, einem älteren Mann, einer Frau und einem jungen Mann. Daher ist die Identität der Figuren ungewiss.
  4. Während japanische Originalquellen aufgrund der kanjikanji 漢字 chin. Schriftzeichen im japanischen Schriftsystem -Schreibung oft keinen Hinweis auf die Aussprache enthalten, findet sich ein Beleg für die geläufige Aussprache „Tenshō Daijin“ unter anderem in den berühmten Japan-Beschreibungen von Engelbert KaempferEngelbert Kaempfer 1651–1716; deutscher Arzt und Naturforscher, Japanreisender (1790–1792); Autor einer detaillierten Japanbeschreibung OmairiDaibutsu StatuenRegenmachen aus dem späten 16. Jahrhundert. In Kaempfers zunächst auf Englisch erschienenem Reisebericht heißt es: „Tensio Dai Sin is the supreme of all the Gods of the Japanese, and acknowledg'd as Patron and Protector of the whole Empire.“ (Nach Engelbert Kaempfer: The History of Japan, London 1727, S. 222.) An anderer Stelle wird Tenshō Daijin als ältester Sohn IzanagiIzanagi 伊耶那岐/伊奘諾 Göttervater; auch Izanaki (ki hier männliche Endung) Goetter der ErdeTricksters dargestellt (ibid. S. 144). Diese Angaben beruhen wahrscheinlich auf den Auskünften von Kaempfers Informanten, nicht auf eigenen Irrtümern.

Bilderläuterungen

  1. Shako dogu.jpg
    „Schneebrillen“-Figur // Kultfigur, dogū (gebrannter Ton). Jōmon-Zeit, 1000–400 v.u.Z.; Tōkyō Nat. Museum; Höhe: 36cm // Bild © e-yakimono.com (letzter Zugriff: 2016/9/5) // Keramik-Figur (dogū) aus der späten Jōmon-Zeit. Ausgrabungsort Ebisuda, Tajiri-chō, Präf. Miyagi.
  2. Jomon venus.jpg
    Venus der Jōmon-Zeit // Kultfigur, dogū (Ton). Jōmon-Zeit, 2–3000 v.u.Z.; „Nationalschatz“; Präfektur Nagano, Chino; Höhe: 27cm, Gewicht: 2,14kg // // Im Jahr 1989 ausgegrabene weibliche Figur aus der mittleren Jōmon-Zeit. Die Figur wird, ähnlich wie die österreichische „Venus von Villendorf“, üblicherweise als Gottheit interpretiert.
  3. Bronzespiegel okinoshima.jpg
    Spiegel mit Drachenmotiven // Kultgegenstand (Bronze). Kofun-Zeit, 5. Jh.; „Nationalschatz“; Oki no shima, Munakata Schrein, Kyūshū; Durchmesser: 22 cm // Bild © Harris 2001, S. 109, Abb. 37 // Dieser Spiegel entstammt einer Schreininsel des Munakata Taisha in Kyūshū. Auf der verzierten Außenseite des Spiegels befinden sich vier mythologische Tiere, die als Drachen (daryū 鼉龍) gedeutet werden.

    (Siehe auch: e-Kokuhō).

  4. Inariyama2.jpg
    Inariyama Schwert // Schwert, tekken (Eisen, Gold), Detail. 471(?); „Nationalschatz“; Inariyama-kofun, Gyōda-shi, Saitama-ken; Länge 73,5 cm // Bild © Alexander Silverman (letzter Zugriff: 2016/9) // Das Inariyama Schwert, das auch unter der Bezeichnung Kinsakumei Tekken (Eisenschwert mit Goldinschrift) bekannt ist, wurde im Inariyama Hügelgrab in der Präfektur Saitama (Ostjapan) gefunden. Es ist auf Vorder- und Rückseite beschriftet und diente somit nicht als Waffe, sondern als Ehrenzeichen seines Besitzers, der sich in der Inschrift verewigen ließ. Es handelt sich also nicht nur um ein sehr altes Schwert, sondern auch um eines der ältesten schriftlichen Dokumente Japans.
  5. Magatama korea.jpg
    Krummjuwelen, Korea // Magatama (Jade). Korea, Drei-Reiche Zeit (vor 660) // Bild © Tokyo National Museum (letzter Zugriff: 2016/9/5) // Krummwelen (magatama) aus dem frühgeschichtlichen Korea.
  6. Magatama.jpg
    Krummjuwelen // Magatama (Jade, Halbedelstein). Frühe Kofun-Zeit, 4. Jh.; Taniguchi Kofun, Saga-ken, Kyūshū // Bild © Tokyo National Museum (letzter Zugriff: 2016/9/5) // Krummwelen (magatama) aus Halbedelsteinen aus dem Taniguchi Kofun, einem mittelgroßen Hügelgrab (77m Länge).
  7. Matsunoo dansei.jpg
    Männliche Gottheit von Matsunoo // Statue, shinzō (Holz, bemalt). Heian-Zeit, 9. Jh.; Matsunoo Schrein, Kyōto // // Gottheit des Matsunoo Taisha. Die für kami-Darstellungen typische Haltung deutet an, dass dieser Gott ursprünglich ein shaku-Zepter in den Händen hielt. Dieses Szepter zeichnet auch weltliche Herrscher aus und symbolisiert sakrale ebenso wie politische Autorität.
  8. Matsunoo josei.jpg
    Weibliche Gottheit // Statue, shinzō. Heian-Zeit, 9. Jh.; Matsunoo Schrein, Kyōto // Bildquelle: galleryhip.com (letzter Zugriff: 2015/10) // Weibliche Gottheit des Matsunoo Taisha. Zählt zu den ältesten kami-Skulpturen Japans. Möglicherweise identisch mit den Gottheiten von Munakata Taisha und Itsukushima.
  9. Kumano kami.jpg
    Kumano Hayatama no Ōmikami // Shinzō, ichiboku-zukuri (Holz, bemalt). Frühe Heian-Zeit; „Nationalschatz“; Hayatama Schrein, Kumano; Höhe: 101cm // Bildquelle: Wada Toshio (letzter Zugriff: 2016/9/5) // Männliche Gottheit des Hayatama Schreins, eines der drei Schreine von Kumano. Wird auch mit Göttervater Izanagi identifiziert.
  10. Fusumi.jpg
    Fusumi no Kami // Statue, shinzō (Holz, bemalt). Frühe Heian-Zeit; „Nationalschatz“; Kumano Hayatama Taisha, Shingū, Wakayama-ken; Höhe: 101cm // Bild © Kyushu National Museum, 2014 (letzter Zugriff: 2016/9/5) // Weibliche Hauptgottheit des Kumano Hayatama Schreins, eines der drei Schreine von Kumano. Wird auch als Göttermutter Izanami gedeutet.
  11. Kasuga hirschmandala.jpg
    Die Kasuga-Götter verlassen den Kashima Schrein (Kashima tatsu shineizu) // Hängerollbild, shinzō (Tusche und Farbe auf Seide). Muromachi Zeit, 14. Jh.; im Besitz des Nara National Museums; 140,6 x 40,2 cm // Bild © Nara National Museum (letzter Zugriff: 2016/9/19) // Auf den Hirschen sind die Götter von Kashima und Katori zu sehen, die sich von der östlichen Kantō-Region auf den Weg zum Kasuga Schrein in Nara machen. Unter ihnen sind zwei Angehörige der Fujiwara Familie zu sehen, welche die Götter begleiteten und in Nara zu Priestern des Kasuga Schreins wurden. Die Legende erzählt genau genommen nur davon, dass Takemikazuchi, der Gott von Kashima, in den Jahren 766–68 auf diese Weise nach Nara übersiedelte, doch da der Kashima Schrein in der Nähe des Katori Schreins liegt und dessen Gottheit Futsunushi auch zu den Göttern des Kasuga Schreins zählt, war es für die mittelalterlichen Künstler offenbar logisch, dass sie die Reise gemeinsam antraten.
  12. Tenshodaijin mnl.jpg
    Tenshō daijin // Shinzō // // Männlicher Amaterasu in einer mittelalterlichen Darstellung.
  13. Amaterasu kunisada.jpg
    Amaterasu tritt aus der Höhle // Farbholzschnitt, shinzō (Papier, Farbe) von Utagawa Kunisada (1786–1865), Detail. 1857 // Bild © Fuji Arts (letzter Zugriff: 2011/8) // Die Darstellung stammt aus einem Tryptichon mit dem Titel „Ursprung des Tanzes vor der Felsenhöhle“ (Iwato kagura no kigen). Dieser Tanz stellt die mythologische Szene nach, in der Amaterasu durch den Tanz von Ame no Uzume aus ihrer Felsenhöhle gelockt wird. Solche kagura-Tänze werden auch heute noch häufig aufgeführt. In der Darstellung ist deutlich die Kabuki-artige Schminke der Darsteller zu erkennen. (Siehe auch iwado kagura2.jpg.)
  14. Hachiman 1326.jpg
    Hachiman // Statue, shinzō (Holz) von Kyōkaku. 1326; Akane Hachiman-gū, Shimane-ken; 71,6 cm // Bild © Harris, 2001, S. 145 // Die Gottheit Hachiman als weltlicher Herrscher in höfischer Tracht
  15. Hachiman01.jpg
    Hachiman in buddhistischer Tracht (Sōgyō Hachiman) // Statue, shinzō (Holz, bemalt). Heian-Zeit, späteres 9. Jh.; Yasumigaoka Hachiman-gū, Nara; Höhe: 38,6 cm // // Der Yasumigaoka Schrein befindet sich innerhalb des buddhistischen Tempels Yakushi-ji. Hachiman fungiert dort als Schutzgottheit (chinjujin) des Buddhismus.
  16. Kasugamandala 1.jpg
    Kasuga mandara // Hängerollbild, mandara (Seide), Detail. 14. Jh.; 159,4 x 68,9 cm // Bild © Victor Harris, Shintō (Tōkyō: Seikandō bunko, 2001), S. 167. // Darstellung der Götter des Kasuga Schreins in kami-Form (suijaku), unterste Reihe, und darüber in Buddha-Form (honji). Die oberste Gottheit (ganz oben) wurde offenbar zwei Buddha-Gestalten, Shaka (re.) und Kannon (li.) zugeordnet.

Literatur

Elizabeth ten Grotenhuis 1999
Japanese Mandalas: Representations of Sacred Geography. Honolulu: University of Hawaii Press 1999.
Victor Harris (Hg.) 2001
Shintō: The Sacred Art of Ancient Japan. London: The British Museum 2001.
Ikonographie 
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„Die Ikonographie der kami.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 16.8.2019). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Ikonographie/Shinto-Goetter?oldid=73059