Nacktfeste (hadaka matsuri)

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Bernhard Scheid, „Nacktfeste (hadaka matsuri).“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 21.9.2016). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Alltag/Matsuri/Hadaka_matsuri?oldid=67216

Nacktfeste finden ty­pi­scher­weise im Winter statt und haben den Cha­rak­ter von Mut­pro­ben, bei denen gestandene Männer Härte de­mons­trie­ren. Die tra­di­tio­nel­le japanische Un­ge­zwun­gen­heit gegenüber dem nackten Körper kommt bei diesen Anlässen un­ge­bro­chen zum Aus­druck. Frauen sind allerdings meist nur als Zu­se­he­rin­nen zu­ge­las­sen.

Ikenoue Misogi Matsuri

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Nacktfest in Ikenoue

Matsuri. 2007; Katsuragake Jinja, Ikenoue, Gifu-ken
Bild © Wada Yoshio, 2007. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

Die Teilnehmer des hadaka matsuri, welche mit einem fundoshi bekleidet sind, auf dem Weg zum Fluss.

Hadaka matsuri in Ikenoue (2007/12/8)
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Nacktfest in Ikenoue

Matsuri. 2007; Katsuragake Jinja, Ikenoue, Gifu-ken
Bild © Wada Yoshio, 2007. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

Die ausschließlich männlichen Teilnehmer des hadaka matsuri, natürlich mit dem traditionellen fundoshi bekleidet, beim Bad (misogi) im Fluss, das jährlich am zweiten Samstag im Dezember veranstaltet wird.

Winterliches Bad im Fluss

Gegen Ende des Jahres ver­an­stal­tet der Katsuragake Jinja Katsuragake Jinja 葛懸神社 Schrein in Ikenoue, Gifu-kensiehe auch→ Karte Schrein in Ikenoue, Präf. Gifu, sein tra­di­tio­nel­les Nacktfest, das der rituellen Reinigung dient. Die ausnahmslos männlichen Teilnehmer sind wie bei den meisten Nackt­fes­ten mit einem tra­di­tio­nel­len Len­den­schurz (fundoshi fundoshi traditionelle, japanische Unterwäsche für Männersiehe auch Matsuri ) bekleidet und stürzen sich bei win­ter­lichen Temperaturen ins Wasser. Das rituelle Bad im Fluss als Akt der Rei­ni­gung (misogi misogi Purifikation, Reinigungsritus, rituelle Waschungsiehe auch Shinto → Alltag/Matsuri→ Mythen/Goetter des Himmels ) ist bereits aus den Mythen bekannt. Nach seiner Flucht aus der Un­ter­welt, entledigt sich der Götter­vater Izanagi Izanagi 伊耶那岐/伊奘諾 Göttervater; auch Izanaki (ki hier männliche Endung)siehe auch Goetter des Himmels → Ikonographie/Gluecksgoetter→ Ikonographie/Shinto-Goetter→ Mythen/Goetter der Erde→ Mythen/Goetter des Himmels/Trickster → mehr aller Ver­un­rein­igungen, die ihm im Reich der Toten begegnet sind, indem er sich in einem Fluss badet. Das Fest in Ikenoue soll seinen Ursprung in einer Hungerperiode des Jahres 1394 haben.

Die Schlacht der Nackten im Saidai-ji von Okayama

Eines der spek­ta­ku­lärs­ten und größten Nacktfeste findet alljährlich im Februar (zum Aus­klang des Jahres nach dem Alten Kalender) im Saidai-ji Saidai-ji 西大寺 Buddhistischer Tempel in Nara, err. 765, Haupttempel der Shingon Risshū Schulesiehe auch Nara → Ikonographie/Gluecksgoetter/Daikoku→ Karte in Okayama statt. Nach einem reinigenden Bad im kalten Fluss begeben sich mehrere tau­send männliche Teil­nehmer, nur mit fundoshi bekleidet, in die Haupt­halle des Tempels. Hier werden um Mitter­nacht einige Glücks­bringer (in diesem Fall simple Bündel aus Holzstäben) in die Menge gewofen, wobei zusätzlich alle Lichter gelöscht werden. Es ent­steht ein wilder Kampf, bei dem nicht selten Ver­letzte und sogar Tote zu beklagen sind. Wer schließlich einen Glück­bringer erfolg­reich in seinen Besitz gebracht hat, soll angeblich das ganze Jahr über Glück haben.

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Nacktfest

Matsuri. 2012; Saidai-ji, Okayama
Bild © Farmofmind, Blog, 2012. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

Nach einem Bad in Eiswasser des hadaka matsuri drängen knapp 10.000 mit Lendenschurz (fundoshi) bekleidete Männer in den Tempel des Saidai-ji, wo um Mitternacht alle Lichter gelöscht werden und ein Kampf um das eine Glückslos, das in die Menge geworfen wird, beginnt.

Hadaka matsuri
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Nacktfest im Saidai-ji

Tempelfest, matsuri, Detail. 2015; Saidai-ji, Okayama
Bild © Laughterkey, Blog, 2015. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

Nur mit Lendenschurz (fundoshi) bekleidete Männer harren des Kampfes um das Glückslos beim hadaka matsuri im Saidai-ji.

An die 10.000 Männer wetteifern um ein Symbol des Glücks

Um die Stimmung unter den nackten Männer weiter anzuheizen, wird der Event von einem Trom­mel­orchester begleitet, das aus­schließ­lich aus (an­ge­klei­deten) Frauen besteht. Auch zahlreiche Schau­lustige sind zugelassen.

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Nacktfest des Saidai-ji, Okayama

Querbildrolle, matsuri (Papier), Detail. 17. Jh.; Saidai-ji, Okayama
Bildquelle: Wada Yoshio. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Auszug aus der Bildrolle Saidai-ji engi, welche das hadaka matsuri des Saidai-ji zeigt.

Edo-zeitliche Darstellung des Nacktfestes von Okayama, 17. Jh.

Winter-matsuri von Enoshima

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Schreinprozession durchs Meer

Schreinfest, matsuri; Fujisawa-shi, Präfektur Kanagawa, Enoshima
Bild © Wada Yoshio. (Letzter Zugriff: 2016/9/19)

Wada Yoshio stellt auf seiner Homepage Bilder und eine ausführliche Dokumentation des hadaka matsuri mit dem mikoshi vom 28.1.2006 zur Verfügung.

Szenen der Schreinprozession durchs Meer
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Schreinprozession durchs Meer

Schreinfest, matsuri; Fujisawa-shi, Präfektur Kanagawa, Enoshima
Bild © Wada Yoshio. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Wada Yoshio stellt auf seiner Homepage Bilder und eine ausführliche Dokumentation des Festes hadaka matsuri mit dem mikoshi vom 28.1.2006 zur Verfügung.

Präfektur Kanagawa, Fujisawa-shi, Enoshima (2006/1/28)

Bei diesem Festival werden mehrere tragbare Schreine (mikoshi mikoshi 神輿 tragbarer Schreinsiehe auch Matsuri → Alltag/Matsuri/Phalluskulte ) aus den nahe­ge­le­genen Städten Fujisawa und Kamakura durch das seichte Meer­wasser zur Schrein­insel Enoshima Enoshima 江ノ島 Schreininsel; rel. Zentrum nahe Kamakurasiehe auch Benzaiten → Bauten/Bekannte Schreine→ Mythen/Imaginaere Tiere/Drachenbilder→ Karte getragen. Pi­kan­ter­weise trans­por­tie­ren die nackten Männer auch einige Mädchen zur Insel der lau­ni­schen Göttin Benzaiten Benzaiten 弁才天/ 弁財天 Glücksgöttin, Gottheit des Wassers, der Musik und der Beredsamkeit; skt. Sarasvati; auch: Bentensiehe auch Benzaiten → Ikonographie→ Bauten/Schreine/Torii→ Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima → mehr .

Die erotische Spannung zwischen den bekleideten Frauen (Herrinnen) und den nackten dienenden Männern, die in diesem Nackt­fest besonders deutlich zum Aus­druck kommt, wird auch in einem shunga shunga 春画 wtl. „Frühlingsbilder“; Gemälde und Druckwerke mit expliziten sexuellen Darstellungensiehe auch Phalluskulte → Mythen/Tengu→ Geschichte/Zen/Bodhidharma→ Mythen/Oni und Kappa der Edo-Zeit the­ma­ti­siert, auf dem männliche Träger beim Tran­sport von Reisenden durch einen Fluss dargestellt sind. Dieser heute aus­ge­storbene Beruf hat wohl auch die Idee zu diesem matsuri matsuri religiöses (Volks-)Festsiehe auch Matsuri → Bauten/Schreine→ Bauten/Bekannte Tempel/Asakusa→ Bauten/Bekannte Schreine→ Alltag/Matsuri/Phalluskulte → mehr geliefert.

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Kanaya

Farbholzschnitt, shunga (Papier, Farbe) von Kuniyoshi. Ca. 1835
Bild © Edo Prints Gallery

Kanaya, die 25. Station des Tōkaidō, befand sich am Fluss Ōi in der heutigen Präfektur Shizuoka. Da es keine Brücke gab, waren die Reisenden auf Flöße oder Träger angewiesen. Diese Träger sind daher auch ein fixes Motiv auf Abbildungen dieser Tōkaidō-Station, so auch auf diesem satirischen shunga: Während der vordere Träger offensichtlich Gefallen an seiner Tätigkeit findet, hält sich der hintere die Nase zu.

Shunga von Kuniyoshi, ca. 1835
Während der vordere Träger offensichtlich Gefallen an seiner Tätig­keit findet, hält sich der hintere die Nase zu.

Eisbad des Teppōzu Inari Schreins

Nur für die härtesten: Neujahrsfeier im Eiswasser. Der Teppōzu Inari Jinja Teppōzu Inari Jinja 鉄砲洲稲荷神社 Inari Schrein in Tōkyōsiehe auch→ Karte in Tōkyō führt seine Tradition auf die Heian Heian 平安 alter Name Kyōtos, eig. Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)siehe auch Heian Zeit → Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Shinto→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Pagoden→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit zurück, das Eis­wasser­fest entstand aller­dings erst nach dem zweiten Weltkrieg. 2005 badeten 38 Personen im eisigen Wasser, darunter auch zwei Frauen.

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Eiswasserfest

Schreinfest, matsuri; Teppōzu Inari Jinja, Chūō-ku, Tōkyō
Bild © Wada Yoshio. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Auf der Homepage von Wada Yoshio findet sich eine ausführliche Dokumentation des Festes des Teppōzu Inari Jinja vom 9.1.2005.

Eisbad
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Eiswasserfest

Schreinfest, matsuri; Teppōzu Inari Jinja, Chūō-ku, Tōkyō, 9. 1. 2005.
Bild © Wada Yoshio, 2005. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

Aufnahme des Eiswasserfestes des Teppōzu Inari Jinja.

Tōkyō, Chūō-ku, Teppōzu Inari Jinja. 9. 1. 2005
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