Die Geschichte der Österreichischen Nationalbibliothek in der NS-Zeit

/ Christina Köstner

Wien : 2006

Dissertation

Betreut von: Murray G. Hall

Die Nationalbibliothek in Wien war nach dem Anschluss im März 1938 nicht nur die größte wissenschaftliche Bibliothek im Lande, sondern auch die drittgrößte im Deutschen Reich. Ihre Stellung bzw. ihr Einfluss als Institution in der Bibliothekslandschaft wurde durch die Person des neuen Generaldirektors und engagierten Nationalsozialisten Dr. Paul Heigl noch verstärkt. Im Zeitraum 1938 bis 1945 sind bis zu einer halben Million geraubte Bücher in die Bibliothek gelangt.

Die vorliegende Arbeit räumt mit der Tabuisierung der eigenen Geschichte der Nationalbibliothek bzw. dem Verschweigen der Verstrickung in NS-Verbrechen in offiziellen Publikationen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf und schildert erstmals die aktive Rolle, die die Bibliothek bei Erwerbungen spielte. Diese Arbeit will aber nicht nur auf unrechtmäßige Erwerbungen eingehen, sondern versucht, auch den Alltag in der Bibliothek in der NS-Zeit und während des Krieges einzufangen. Um den Bücherraub besser darstellen zu können, wird in Form von Falldarstellungen auf einzelne geraubte Bücherbestände ausführlich eingegangen und die Bemühungen der Nationalbibliothek sowohl in den Nachkriegsjahren als auch in jüngster Zeit um die Ausforschung und die Restitution von geraubten Objekten dokumentiert.

Sie versteht sich als Beitrag zur bislang kaum behandelten Geschichte des Bibliothekswesens in Österreich in den Jahren 1938 bis 1945 und spiegelt gleichzeitig auch die politische Geschichte Österreichs im 20. Jahrhundert sehr gut wider. Innerhalb von wenigen Jahren gab es drei verschiedene politische Systeme, in denen die Nationalbibliothek eine politische Rolle spielte jedes Mal unter anderen Vorzeichen, aber nach ähnlichen Methoden.