Aktuelle Termine

Ein Bericht von Dr. Susanne Blumesberger

30. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung (GKJF)

vom 25. bis 27. Mai 2017 in Königswinter

„An Schnittstellen. Aktuelle Positionen und Perspektiven der Kinder- und Jugendmedienforschung“

 

 

In Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt am Main, dem Institut für Jugendbuchforschung, der PH Ludwigsburg, Zentrum für Literaturdidaktik Kinder Jugend Medien, und der Universität Zürich, ISEK – Populäre Kulturen, Schwerpunkt Kinder- und Jugendmedien fand heuer  zum 30. Mal die Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung statt. Im direkt am Rhein gelegenen Arbeitnehmer-Zentrum Königswinter diskutierten Expertinnen und Experten aus mehreren Ländern, z.B. aus den Niederlanden, aus Belgien, Ungarn, Deutschland und Österreich über Schnittstellen in der Kinder- und Jugendliteraturforschung.

Lies Wesseling aus Maastricht hielt einleitend den Vortrag „Imagology and Children’s Literature: Beyond Intellectual Parochialism“, sprach sich gegen Stereotypisierung in der KJL aus und stellte die Website http://imagologica.eu/ vor, die sich kritisch mit kulturellen Stereotypen beschäftigt.

Monika Schmitz-Emans aus Bochum, die sich vor allem mit Literaturcomics beschäftigt, referierte über „Bücher für Kinder und neuere Buchliteratur: Konzepte, Analogien, Beispiele“, konzentrierte sich vor allem auf die sensuellen Qualitäten des „echten“ Buchs, die Gebrauchsspuren in Büchern und zeigte einige Beispiele für Bücher, die zur Gestaltung einladen, im extremen Fall sogar zur Zerstörung des Buchs animieren. Unter anderem stellte sie Bücher von Keri Smith vor.

Susanne Riegler aus Leipzig schloss mit ihrem Beitrag „Zur Sprache kommen. Die sprachliche Materialität von Texten als gemeinsame Herausforderung für Sprach- und Literaturwissenschaft“ daran an. Sie bezog sich auf die Schnittstelle zwischen Linguistik und Literatur, die Sprache selbst. Die Frage, ob der Text an das sprachliche Niveau der Kinder angepasst werden soll oder nicht, wurde ebenfalls rege diskutiert.

Andrea Weinmann aus Frankfurt zeichnete in ihrem Beitrag „‘Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendliteraturforschung‘ und ‚Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung‘ – ein Rückblick“ die Geschichte der GKJF, beginnend beim 1945/46 abgehaltenen Arbeitskreis „Das gute Jugendbuch“ nach. Der eigentlich angestrebte europäische Dachverband konnte bis heute nicht verwirklicht werden, in zahlreichen Ländern, wie etwa in Spanien, den Niederlanden und auch in Österreich entstanden eigene Gesellschaften.

Darauf folgten Grußworte von Sarolta Lipócsi aus Kecskemét und Susanne Blumesberger aus Wien, die vor allem die langjährige inspirierende Zusammenarbeit der ÖG-KJLF mit der GKJF hervorhob.

Am zweiten Tag trug Vanessa Joosen  aus Antwerpen zum Thema „Matching Age studies and Children’s Literature Studies“ vor. Sie beschäftigte sich anhand mehrerer Beispiele intensiv mit der Frage, wie unterschiedlich das Alter in der KJL dargestellt wird, und sprach sich dafür aus, dass Age Studies und KJLF mehr zusammenarbeiten sollten, da beide voneinander profitieren könnten und die Komplexität der KJL  mehr zum Tragen kommen würde.

Julia Benner aus Berlin sprach über „Kind – Kindheit – Kinderliteratur? Generationale Ordnung und poetische Kindheitsinszenierungen in der KJL“ uns stellte die Frage, welche Rolle das Konzept der generationalen Ordnung für die KJLF spielt und wie KJL über Kindheit erzählt. Ihr Ziel ist es, KJL aus einem anderen Blickpunkt zu betrachten und so neue Perspektiven auf die Forschung zu eröffnen. Sie rückt davon ab, KJL nur als rein didaktisches Material zu sehen.

Anika Ullman aus Lüneburg sprach über ihre Dissertation, die sich mit dem Thema „Wen kümmert, wer spricht. Der erwachsene Autor in der internationalen Kinderliteratur“ beschäftigt. Unter Bezugnahme auf Foucault und Derrida konzentrierte sie sich auf die Verknüpfung von Autorschaft, Erwachsensein und Kinder- und Jugendliteraturwissenschaft. Die Marker für Erwachsensein sind unterschiedlich, es existiert jedoch nur ein ungenauer Begriff des Erwachsenseins. Es sollte Aufgabe der Age Studies sein, diesen Begriff zu schärfen.

Iris Schäfer aus Frankfurt sprach über „Spektrum und Potential psychoanalytischer und tiefenpsychologischer Zugänge zur Kinder- und Jugendliteratur“. Sie greift damit ein ziemlich vernachlässigtes Thema in der KJLF auf. Schäfer zeigte anhand mehrerer Beispiele – wie etwa Wo die wilden Kerle wohnen und Sieben Minuten nach Mitternacht – den Facettenreichtum psychoanalytischer und tiefenpsychologischer Zugänge auf.

Mit der historischen KJLF beschäftigte sich Sebastian Schmideler aus Leipzig in seinem Vortrag „Kinder, Bilderbuch, Wissen – Chancen und Potentiale einer Wissensgeschichte der Visualisierung in der Kinder- und Jugendliteratur des 18. und 19. Jahrhunderts im Kontext“. Anhand einiger Beispiele verdeutlichte er das wissensgeschichtliche Potential für eine kulturgeschichtliche KJL-Forschung und diskutierte die Chancen und Herausforderung der Digital Humanities für die KJL.

Hadassah Stichnothe aus Tübingen sprach über „ Grenzgänger: ‚Bewegliche‘ Figuren und ideologische (Raum-)Konstruktionen in der Kinderliteratur“, wobei sowohl Grenzgänger als auch hybride Figuren potentiell ein anarchisches Element darstellen, da sie die räumlichen und ideologischen Strukturen ihrer Welt in Frage stellen. Die Reaktion auf diese Figuren verrät nach Stichnothe viel über das gesellschaftsdynamische oder konservative Weltbild eines Textes.

Am Abend fand eine Lesung der mehrfach ausgezeichneten Autorin Que Du Luu, einer 1973 in Südvietnam geborenen deutschsprachigen Schriftstellerin chinesischer Herkunft, die aus ihren Werken, vor allem aus den 2016 erschienenen Roman Im Jahr des Affen, vortrug.

Am letzten Tag sprach Johannes Mayer aus Leipzig über „Transmediale Spielformen im Kindertheater der Gegenwart“. Anhand mehrerer Beispiele beschäftigte er sich mit der Schnittstelle zwischen Text und Theater, deutlich wird dies vor allem im Stück Schutzengelhaus, das sich auf die so genannten „Kinderfachabteilungen“ bezieht, die zwischen 1942 und 1943 dazu dienten Kinder mit Behinderungen zu beobachte, teilweise jedoch Euthanasie bedeuteten.

Statt der erkrankten Christine Löscher hielt Ingrid Tomkowiak einen Vortrag zum Thema „Tradition des Handgemachten im Traditionsfilm“, wo unterschiedliche Entstehungsgeschichten von Filmen gezeichnet wurden. Bei Coraline aus 2009 wurde alles per Hand gefertigt. Toy Stories war der erste Film, der komplett am Computer hergestellt wurde.

Thomas Scholz, der derzeit in St. Louis an seiner Dissertation im Bereich creative writing schreibt, sprach über „Transmedia world-building. Eine analytische Herausforderung“. Anhand der Beispiele World of Warcraft und Overwatch zeigte er einige Fragestellungen und Beobachtungen auf, die von den Game Studies und von der KJLF gemeinsam bearbeitet werden sollten.

Die Tagung schloss mit dem Vortrag von Anna Stemmann aus Frankfurt zum Thema „Topographie der Adoleszenz: Das digitale Archiv der Memes. Schnittstellen der Partizipation“ Memes, ein Internetphänomen, das Bild und Text miteinander kombiniert und Grenzen zwischen Rezeption und Produktionen auflöst, sind zwar kein neues Phänomen, in der Werbung schon lange bekannt, waren jedoch noch nie so rasch und unkompliziert selbst herstellbar.  Mehrere Stoffe werden miteinander aufgegriffen und umgedeutet, die AutorInnen können sich damit selbst in die Kultur eintragen. Memes sind immer wieder aufeinander bezogen und werden häufig in social media veröffentlicht.

Wie jedes Jahr regten die Vorträge zu intensiven Diskussionen an, in den Pausen und am Abend war Zeit für ausgedehnte Gespräche mit Kinder- und JugendliteraturexpertInnen.

GKJF 2017 Dettmar Tomkowiak Roeder

Ute Dettmar, Ingrid Tomkowiak,
 Roeder (v.l.n.r.) 

 

GKJF 2017 Glasenapp Schmideler

Gabriele von Glasenapp,
Sebastian Schmideler 

 

GKJF 2017 Lipoczi

Sarolta Lipoczi
 

 GKJF 2017 OSullivan Joosen
Emer O'Sullivan,
Vanessa Joosen
   GKJF 2017 Roeder Autorin
Caroline Roeder,
Que Du Luu
   GKJF 2017 Scholz
Thomas Scholz
GKJF 2017 Weinmann
Andrea Weinmann
       

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