ERC Grants an der Universität Wien

Die Förderung von grundlagenorientierter Pionierforschung ist einer der Schwerpunkte der Europäischen Union. Dafür wurde der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) geschaffen. Gefördert werden Forschungsprojekte mit hohem Potenzial für Innovationen. Seit 2007 wurden insgesamt bereits 83 ERC Grants an Forscher*innen der Universität Wien vergeben.

Laufende ERC Projekte

Liste sortiert nach Jahren und Art des Grants (in alphabetischer Reihenfolge)

2020

 ERC Synergy Grants

Thomas Pichler

Portrait von Dr. Thomas Pichler

Der Physiker Thomas Pichler und sein internationales Team erhalten einen mit rund 14 Millionen Euro dotierten ERC Synergy Grant, um an der Universität Wien ein neues Elektronen-Nanospektrometer aufzubauen, das als neue Schlüsseltechnologie zur Materialanalyse Mikroskopie mit Spektroskopie verbindet. 
Nanomaterialien sind das Herzstück von Innovationen in Grundlagenwissenschaft und Technologie, zum Beispiel um Energielösungen im Rahmen des europäischen Grünen Deals zu finden. Für ihre Anwendung ist es nötig, die atomare Struktur der Nanomaterialien zu sehen und gleichzeitig ihre lokalen Eigenschaften zu bestimmen. Bis jetzt konnte dies jedoch keine bestehende Technologie erfüllen. Der neu bewilligte ERC Synergy Grant MORE-TEM unter der Leitung von Thomas Pichler an der Universität Wien wird dies nun ermöglichen.

Markus Aspelmeyer

Portrait von Markus Aspelmeyer

Der Quantenphysiker Markus Aspelmeyer und Oriol Romero-Isart von der Universität Innsbruck wollen mit ihrem 13 Millionen Euro ausgestatteten ERC Synergy Grant die Grenzen der Quantenwelt ausloten, indem sie erstmals einen Festkörper aus Milliarden von Atomen an zwei Orten gleichzeitig positionieren.
Das Superpositionsprinzip besagt, dass sich ein einzelnes Objekt so verhalten kann, als ob es sich an mehreren Orten gleichzeitig befindet. Dieses Verhalten wurde in wegweisenden Experimenten bestätigt: auf der Ebene von Elementarteilchen, Atomen und sogar Molekülen, die Tausende von Atomen enthalten. Aber gilt das Prinzip auch für den makroskopischen Bereich, beispielsweise für Festkörper, die mit dem bloßen Auge sichtbar sind? In den letzten Jahren haben die Forscher neue experimentelle und theoretische Techniken entwickelt, um solche Nanoteilchen im Quantenregime schweben zu lassen und zu kontrollieren.

 ERC Advanced Grants

Stefan Dullinger

Porträtfoto von Stefan Dullinger
Foto: rossboth

Pflanzen und Tiere versuchen, dem Klimawandel durch Rückzug in kühlere Lebensräume auszuweichen. Diese Strategie stößt dort an Grenzen, wo kühlere Lebensräume in erreichbarer Umgebung kaum oder gar nicht vorhanden sind. Das gilt besonders für Gebirgspflanzen, die schon heute in den höchsten alpinen und nivalen Lagen wachsen. Andererseits kann das für die niederwüchsigen alpinen Pflanzen entscheidende bodennahe Mikroklima gerade in diesen Hochlagen auf kurze Distanzen sehr stark variieren. Es ist daher unklar, ob die Hochlagen der Gebirge im Klimawandel eine Sackgasse für die dort lebenden Pflanzen darstellen oder ob ihnen, im Gegenteil, die ausgeprägte mikroklimatische Vielfalt besonders gute Ausweichmöglichkeiten bietet. Gemeinsam mit einem Team aus Mitarbeiter*innen von der Universität Wien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften wird Stefan Dullinger in seinem ERC-Projekt versuchen, einer Antwort auf diese Frage mit einer Kombination aus Dauerbeobachtungsdaten, Fernerkundungsmethoden, Experimenten und Computersimulationen näher zu kommen. 

Peter Schweitzer

Porträtfoto von Peter Schweitzer
Foto: Margit Schmid

Der Hohe Norden wird immer mehr zum Aufenthaltsort von Menschengruppen, die nicht ständig dort leben, seien es Schichtarbeiter*innen, Tourist*innen oder Militär. Der Kultur- und Sozialanthropologe Peter Schweitzer wird deshalb in den nächsten fünf Jahren bestehende und geplante Transportinfrastrukturen in der Arktis untersuchen und der Frage nachgehen, ob diese ein nachhaltiges und zufriedenes menschliches Bewohnen des Hohen Nordens befördern oder, im Gegenteil, zu einer verstärkten Abwanderung aus diesen Gebieten führen werden. Ein Team von Anthropolog*innen und Geograph*innen wird durch einen Mixed-Method-Ansatz eine Reihe von Fallbeispielen im Norden Russlands, Nordamerikas und Fennoskandiens entwickeln, bei denen die materiellen und nichtmateriellen Verflechtungen von Lokalbevölkerung und Transportinfrastruktur untersucht werden sollen. Schließlich werden die dabei erhobenen Daten durch interaktive Zukunftsszenarien für die Entwicklung lokal bedeutsamer Narrative und Entscheidungsoptionen herangezogen.

 ERC Consolidator Grants

Heinz-Christoph Steinhardt

Portrait von Heinz-Christoph Steinhardt
Foto: privat

Mit dem sozialen Kreditsystem hat der chinesische Staat ein radikales Experiment begonnen, dessen Ziel es ist vertrauenswürdigeres Verhalten in Wirtschaft und Gesellschaft zu generieren. Das soziale Kreditsystem sammelt Informationen aller Bürger, Unternehmen und Organisationen und versucht über Anreize und Strafen das Verhalten zu steuern. In den kommenden fünf Jahren wird H. Christoph Steinhardt in seinem ERC Consolidator-Projekt das soziale Kreditsystem mit Umfragen, Feldforschung, sowie qualitativer und quantitativer Inhaltsanalyse beleuchten. Das Projekt ENGINEERING wird die Evolution des sozialen Kreditsystems, seine Wahrnehmung in der chinesischen Öffentlichkeit sowie seine sozialen, politischen und kulturellen Folgen untersuchen. Damit wird das Projekt helfen zu verstehen, welche seiner Ziele der chinesische Staat umsetzen kann und welche nicht intendierten Folgen dieses gesellschaftliche Experiment nach sich zieht.

Tetyana Milojevic

Portrait von Tetyana Milojevic
Foto: Oleksandra Kirpenko

Die Suche nach biologisch getriebenen Veränderungen auf dem Mars und seinem Potenzial als Lebensraum für vergangenes oder gegenwärtiges Leben ist ein Hauptziel der bevorstehenden Marserkundungsmissionen. Da uns schon bald Proben unseres Nachbarplaneten zur Verfügung stehen könnten, sollten wir besser verstehen, wie diese Proben auf Spuren von Leben und auf potenzielle biologische Signaturen hin untersucht werden können. Das ERC Consolidator Grant-Projekt hat zum Ziel, eine solche Analyse zu entwickeln: Es werden im Labor chemolithotrophe Mikroben auf Marsmeteoritengestein gezüchtet und entsprechende Fingerabdrücke erzeugt. Die Analyse der mineralogischen und metabolischen Biosignaturen auf Marsmeteoriten mit Hilfe von Labor-, Feld- und Weltraumexperimenten wird dazu beitragen, die Daten künftiger Marsmissionen besser verstehen und kritisch interpretieren zu können – als ein wichtiger Beitrag auf der Suche nach Leben abseits der Erde.

Anton Mellit

Portrait von Anton Mellit
Foto: privat

Es ist kein Geheimnis, dass Catalan-Zahlen in der Mathematik allgegenwärtig sind. Anton Mellit glaubt, dass der Versuch, ihr mysteriöses Aussehen an scheinbar nicht verwandten Orten zu erklären zu vielen interessanten Entdeckungen führen wird. In seinem ERC Consolidator Grant Projekt plant er, algebraische und geometrische Methoden zusammenzuführen, um offene Probleme in der Mathematik zu adressieren – beispielsweise in der Kombinatorik, der niedrigdimensionalen Topologie, der algebraischen Geometrie und der mathematischen Physik. In all diesen Bereichen werden durch Berechnungen bestimmter algebraischer Invarianten geometrischer Objekte Catalan-Zahlen und ihre verschiedenen Verallgemeinerungen erzeugt. 

Joao Matos

Portrait von Joao Matos
Foto: Max Kropitz

Die Bildung von gesunden Geschlechtszellen – wie Spermien und Eizellen beim Menschen –  basiert auf einem Prozess namens "crossing-over". Hierbei tauschen mütterliche und väterliche Chromosomen genetische Informationen aus. Crossing-over trägt wesentlich dazu bei, dass jede Geschlechtszelle eine einzigartige, durchmischte Version des elterlichen Erbgutes trägt. Mithilfe des ERC Consolidator Grants werden Joao Matos und sein Team in noch nie da gewesener molekularer Detailgenauigkeit zeigen, wie der Austausch von genetischen Informationen entlang von Chromosomen vor sich geht. Als erstes Ziel werden die Forscher eine hochauflösende Methode entwickeln, Crossover auf dem gesamten Genom zu "kartographieren". Ein zweites Ziel ist es, die Feinstruktur der Chromosomen an den Stellen, an denen Crossover passieren, zu untersuchen. Durch das Verständnis, wie Zellen Gene austauschen, hofft das Team die molekularen Grundlagen der Vererbung zu verstehen: die Weitergabe von Eigenschaften von Eltern an ihre Nachkommen.

Julia Lajta-Novak

Portrait von Julia Lajta-Novak
Foto: Barbara Maly-Bowie

Die Literaturwissenschafterin Julia Lajta-Novak will in ihrem Projekt ein wichtiges Kapitel der britischen und irischen Lyrikgeschichte (1965-2020) neu schreiben, indem sie den Fokus vom geschriebenen auf das gesprochene Wort verlegt. Dafür kooperiert sie unter anderem mit dem Spoken Word Archive der Organisation Apples & Snakes, das erst vor kurzem eröffnet wurde. In ihrem Projekt will die Anglistin eine Methode der Lyrikgeschichtsschreibung entwickeln, die speziell auf den mündlichen Vortrag abzielt. Dabei gilt es, eine Vielzahl an bisher unzureichend beachteten Faktoren in die wissenschaftliche Betrachtung miteinzubeziehen – beispielsweise das ästhetische und semantische Potential von mündlichen Performances, die Publikationen in multimedialen (Online-)Kanälen sowie die Darbietungsformen, Stile und poetischen Genres, die innerhalb der Performance-Szene neu entstanden sind. Diese Methode wird über den britischen Kontext hinaus anwendbar sein und damit einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der mündlichen Lyrik allgemein darstellen.

Jia Min Chin

Portrait von Jia Min Chin
Foto: Michael Reithofer

Die Chemikerin Jia Min Chin interessiert sich für die hoch komplexe Struktur von Materialien über verschiedene Größenmaßstäbe hinweg: ausgehend von der Molekular-, Nano- und Mikroebene bis hin zur Makroebene. Wie lässt sich strukturelle Komplexität in synthetische Verbundmaterialien vom Kleinen zum Großen einbauen? Wie kann man kaum steuerbare Kleinstteilchen, die 1.000-mal kleiner als ein Sandkorn sind organisieren, sodass das Material später seine Funktion viel besser erfüllt? Ziel des ERC Consolidator Grant-Projektes ist es, mit Hilfe von elektrischen Feldern die Kleinteilchen – als Ausgangspunkt für hochfunktionelle Materialien – zu dirigieren. Dabei dienen metallorganische Gerüste als Basisbausteine auf molekularer Ebene. Konkret geht es um verbesserte Materialen für Anwendungen im Bereich "Grüne Energie", z.B. eine deutliche Effizienzsteigerung von verschiedenen Arten von Brennstoff-Zellen.

Tara Andrews

Portrait von Tara Andrews
Foto: Barbara Mair

In ihrem ERC-Projekt RELEVEN erforscht Tara Andrews, wie digitale Methoden und Datensets jene Mehrdeutigkeit, Interpretationsvielfalt und Ergebnisoffenheit reflektieren können, die gerade die Eigenheit historischer Quellen ausmachen. Dieser Zugang eröffnet Einsichten in unterschiedliche Erzählungen davon, was "wirklich" in den Jahrzehnten vor dem Ersten Kreuzzug geschah. Das Projektteam wird an digitalen Modellen arbeiten, mit denen historische Evidenz ausgedrückt werden kann – und zwar nicht nur im Hinblick auf die verschiedenen vorhandenen Evidenzarten – textlich, materiell, auch logisch oder deduktiv – sondern auch hinsichtlich der unterschiedlichen Schlussfolgerungen, die Wissenschafter*innen daraus gezogen haben. Zweck ist die Anwendung dieser Modelle mit dem Ziel, Kontakte und Kommunikation im 11. Jahrhundert in der gesamten christlichen Welt – und nicht nur im mittelalterlichen Westen – besser in den Blick zu bekommen. Damit verbunden ist eine Neuadjustierung unseres Verständnisses von jenen kulturellen und gesellschaftlichen Trends, die "in der Luft lagen", als die Kreuzzüge lanciert wurden.

Eva Beaujouan

Portrait von Eva Beaujouan
Foto: Francesco Vuolo

Heutzutage sind Frauen in Ländern mit hohem Einkommen bei der Geburt ihrer Kinder in der Regel über 30 Jahre alt. Ob Paare Kinder haben werden oder nicht, und wie viele, wird zunehmend von ihren Wünschen und den Möglichkeiten bestimmt, Kinder im späteren reproduktiven Alter zu bekommen. Die Bedingungen, die Personen in ihren Dreißigern vorfinden, nehmen somit endscheidend Einfluss auf die Fertilität. Das Ziel von BIC.LATE ("Biological, Individual and Contextual Factors of Fertility Recovery") ist die Untersuchung dieser Voraussetzungen. Im Rahmen des Projekts wird die Bedeutung von Unfruchtbarkeit und assistierter Reproduktion für die Erholung der Fruchtbarkeit bewertet. Es wird davon ausgegangen, dass dabei neue Ungleichheiten entdeckt werden und Unterschiede im Fertilitätsniveau in Ländern mit niedriger Fertilität erklärt werden können. BIC.LATE geht nicht davon aus, dass Fertilität in einem globalen Kontext erklärt werden kann, sondern setzt voraus, dass diese abhängig vom Alter von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst wird.

Maria Ivanova-Bieg

Porträtfoto von Maria Ivanova-Bieg
Foto: Oliver Fink, Universität Heidelberg

Die Archäologin Maria Ivanova-Bieg wird in ihrem ERC-Projekt der Frage nachgehen, wie die frühesten Agrargesellschaften in Europa nachhaltige Lebensgrundlagen geschaffen und aufrechterhalten haben. Die Wissenschaftlerin und ihr Team werden Daten aus der Archäologie, Paläoklimatologie und Paläoökologie analysieren sowie Untersuchungen an stabilen Isotopen und molekularen Rückständen in prähistorischen Tier- und Pflanzenresten und Keramik durchführen. Mithilfe von Habitat- und Agentenbasierten Modellen werden sie die Zusammenhänge zwischen Umwelt, Argarpraktiken und Gesellschaft ergründen und Hypothesen über die Bedeutung von sozialem Zusammenhalt, Mobilität, Diversität und ökologischer Verantwortung für die Nachhaltigkeit neolithischer Gesellschaften testen.

Naoise Mac Sweeney

Portraitfoto von Naoise Mac Sweeney

Migration und kulturelle Identitäten sind zentrale Themen unserer Zeit. Neu sind sie allerdings nicht. In ihrem ERC Consolidator Grant-Projekt leitet die Expertin in klassischer Archäologie Naoíse Mac Sweeney ein Team, das Migration und Mobilität im Mittelmeerraum während der Eisenzeit untersucht. Unter Anwendung einer Kombination von Ansätzen aus der Landschaftsarchäologie sowie der Migrationsforschung besteht ein Teil der Arbeit des Teams darin, Wege und Muster der Mobilität nachzuvollziehen, vor allem mit dem Schwerpunkt auf Gründungen neuer Städte und Siedlungen. In einem zweiten Forschungsschwerpunkt untersucht das Team, wie in diesen neuen Siedlungen kulturelle Identitäten entstanden sind, wobei besonders die Entwicklung einer bewussten griechischen Identität im Fokus steht.

Thomas Böttcher

Portraitfoto von Thomas Böttcher
Foto: Inka Reiter

Der menschliche Körper wird von einer Vielzahl an Mikroorganismen besiedelt, die für physiologische wie auch krankheitsrelevante Prozesse wichtige Rollen spielen. Diese Mikroorganismen werden wiederum von zahlreichen und diversen Viren befallen. Viren, die nur Bakterien infizieren nennt man Phagen. Häufig liegen diese in einer latenten Form als Prophagen vor, in welcher sie zu einem integralen Bestandteil des Genoms der Bakterienzelle werden. Prophagen lassen sich passiv mit jeder Teilung der Wirtszelle mitkopieren und haben nützliche Effekte für Bakterienpopulationen. Unter bestimmten Bedingungen werden diese Prophagen allerdings aktiv und benutzen die Zelle als Fabrik für neue Viruspartikel, welche die Zelle letztlich zerstören und neue Wirtszellen befallen können. Im Rahmen des ERC-Consolidator Projekts CAPSID erforschen Thomas Böttcher und sein Team welche chemischen Stoffe den Übergang der Phagen vom latenten in den aktiven Zustand steuern und wie sich dies beispielsweise nutzen ließe, um Alternativen zu Antibiotika zu entwickeln.

 ERC Starting Grants

Laurenz Ennser-Jedenastik

Porträtfoto von Laurenz Ennser-Jedenastik

Der Politikwissenschafter Laurenz Ennser-Jedenastik erforscht in den nächsten fünf Jahren, wie sich politische Karrieren in Europa seit 1945 verändert haben und welche Konsequenzen das für Gesetzgebung und Wahlverhalten hat. Traditionell waren politische Parteien die Rekrutierungskanäle für politische Eliten. Heute jedoch finden immer mehr Quereinsteiger ohne lange Parteikarrieren den Weg in hohe politische Ämter. Welchen politischen Niederschlag das erzeugt, untersuchen Ennser-Jedenastik und sein Team, indem sie die Karriereverläufe von rund 10.000 europäischen Minister*innen seit 1945 in großer Detailtiefe aufzeichnen und mit sequenzanalytischen Verfahren (ähnlich der DNA-Analyse) quantifizierbar machen. Mit diesen Daten soll das Projekt darüber Aufschluss geben, wie sich der Wandel politischer Biographien auf politische Outputs (Gesetze) und Inputs (Wahlverhalten) auswirkt.

Carolina Plescia

Porträtfoto von Carolina Plescia
Foto: Parente Antonietta

In ihrem ERC Starting Grant-Projekt wird Carolina Plescia untersuchen, was Wählen für Bürger*innen bedeutet. Diese Frage ist vor dem Hintergrund eines wachsenden Misstrauens gegenüber dem Wahlakt selbst als auch den demokratischen Institutionen in vielen Ländern der Welt von großer Bedeutung.
Die Sozialwissenschafterin entwickelt eine neue Typologie an Bedeutungen und Motivationen für das Wählen und will dadurch neue Konzepte und Indikatoren für die Wahlforschung einführen, um den Wahlakt als solches besser verständlich zu machen.
Plescia beleuchtet auch sogenannte Autokratien in Europa und darüber hinaus (z.B. Ungarn und Russland). Dadurch können neue Erkenntnisse zum Wählen außerhalb von demokratischen Systemen erfasst werden. Die Projektergebnisse werden daher als wichtige Grundlage zur (Neu-)Bewertung von Wahlen und Wahlsystemen dienen und des Weiteren ermöglichen, die bisherigen Auslegungen von Wahlen durch Medien und Politiker*innen kritisch zu hinterfragen.

Oleg Simakov

Porträtfoto von Oleg Simakov

Die Genomevolution steht im Mittelpunkt der Forschung von Oleg Simakov. Er möchte herausfinden, welche Arten der Mutationen in der DNA-Sequenz wirklich zu sichtbaren Innovationen während der Evolution geführt haben. Die Genomforschung der letzten Jahre hat Indizien dafür gesammelt, dass bei unterschiedlichen Tiergruppen bestimmte Kombinationen von solchen Genomveränderungen auftreten können, die als Modalitäten der Genomevolution bezeichnet werden. Ziel dieses ERC Starting Grant Projektes ist es, die Evolution der Genome explizit auf multiplen Ebenen der Genomorganisation zu quantifizieren und anhand der neuesten Daten die Hypothese zu testen, ob die Modalität der Genomevolution existieren. Um wichtige experimentelle Erkenntnisse dafür zu sammeln, wird ein Modellsystem innerhalb der hochentwickelten und einzigartigen Gruppe von Kopffüßern, den hawaiianischen „bobtail squid“ Euprymna scolopes, untersucht.

Alvaro Hacar

Portrait von ERC-Preisträger Alvaro Hacar

Der Astronom Alvaro Hacar ist ein internationaler Experte auf dem Gebiet der radioastronomischen Beobachtungen unter Verwendung modernster Infrastrukturen wie beispielsweise ALMA. In seiner Forschung konzentriert er sich auf die Gas- und Sternendynamik in Molekülwolken und den Ursprung von Sternen in der Sonnenumgebung. In seinem neuen ERC Starting Grant-Projekt EMERGE (“Emergence of High-Mass Stars in Complex Fiber Systems”) untersuchen Hacar und sein Team die Rolle der Filamente bei der Entstehung besonders massereicher Sterne. Im Konkreten beabsichtigt er, die ALMA-Beobachtungen zur Quantifizierung der relativen Beiträge der verschiedenen Arten von Interaktionen innerhalb der Filamentnetzwerke während der Entstehung von extrem massereichen Sternen und Sternhaufen über die Milchstraße hinweg zu nutzen.

 ERC Proof of Concept

Markus Muttenthaler

Porträtfoto von Markus Muttenthaler
Foto: Anjanette Webb

Der Medizinchemiker Markus Muttenthaler forscht am Institut für Biologische Chemie der Universität Wien an der Weiterentwicklung eines Verfahrens, das es erlaubt, Aminosäuren mittels Isotopen zu markieren. Deren Produktion soll in Zukunft erleichtert werden. Solche isotopisch markierte Aminosäuren können dabei helfen, komplexe biologische Probleme, wie zum Beispiel Strukturaufklärung von Proteinen, Wechselwirkungen von Molekülen mit ihren Rezeptoren oder die Verteilung und den Abbau von Medikamenten im menschlichen Körper besser zu verstehen.

2019

 ERC Consolidator Grants

Glenn van de Ven

Foto von Glenn van de Ven
Foto: privat

Der Stellardynamiker Glenn van de Ven und seine Forschungsgruppe am Institut für Astrophysik widmen sich dem Verständnis der Struktur und der Entstehung von benachbarten Galaxien und Sternhaufen. Sie erstellen erweiterte dynamische Modelle, um Rückschlüsse auf die Verteilung der dunklen und sichtbaren Materie zu ziehen und deren Entstehungsgeschichte anhand von „fossilen Funden“ wie in der Paläontologie aufzudecken. In dem vom ERC geförderten Projekt ArcheoDyn arbeitet sein Team daran, das Potenzial von Kugelsternhaufen als „lebende Fossilien“ der galaktischen Vergangenheit voll auszuschöpfen. Kugelsternhaufen sind kompakte Ansammlungen von etwa einer Million Sterne, die Galaxien wie ein Heiligenschein aus Glühwürmchen umgeben und über weite Distanzen sichtbar sind. Da Kugelsternhaufen normalerweise so alt wie das Universum sind, gelten sie als lebende Zeitzeugen der Entstehungsgeschichte ihrer Ursprungsgalaxien.

Stefan Schmid

Porträtfoto von Stefan Schmid
Foto: Stefanie Rochel

Der Informatiker Stefan Schmid untersucht, ob und wie sich neuartige optische Technologien einsetzen lassen, um die Netzwerkinfrastruktur dynamisch zu entwickeln und dem wachsenden Datenverkehr anzupassen. Seine Vision von selbst-adaptierenden Netzwerken hat das Ziel, empirische Struktur im Datenverkehr auszunutzen und Kommunikationsnetzwerke dadurch effizienter zu machen. In seinem ERC-Projekt erforscht Schmid Methoden, die es erlauben Struktur in Datenflüssen zu messen. Dafür entwickelt er Mess- und Bewertungskriterien, um das Potenzial von selbstadaptierenden Netzwerken analytisch zu charakterisieren. Zur optimalen Anpassung von Netzwerkressourcen studiert er Algorithmen und implementiert Prototypen.

Norbert Schuch

Portraitfoto von Norbert Schuch
© MPI für Quantenoptik

Quantensysteme, die aus vielen stark miteinander wechselwirkenden Teilchen bestehen, weisen eine Vielzahl unkonventioneller Phänomene auf, die vielfältige Anwendungen z.B. in ultrapräzisen Messgeräten oder für die Konstruktion von zukünftigen Quantencomputern in sich tragen. In den nächsten fünf Jahren wird Norbert Schuch gemeinsam mit seinem Team an den Fakultäten für Physik und für Mathematik die reichhaltige Struktur dieser Systeme untersuchen. Dabei verwendet er insbesondere Konzepte aus der Quanteninformationstheorie und dem Quantencomputing, um den komplexen Quantenkorrelationen - der "Verschränktheit" - in diesen Systemen auf den Grund zu gehen und ihr Zusammenspiel mit Symmetrien zu erforschen. Ein Fokus liegt dabei auf der engen Verbindung mathematischer und physikalischer Zugänge, ebenso wie analytischer und numerischer Methoden. Die Ergebnisse des Projekts werden somit zu einem tieferes Verständnis von Quantenvielteilchensystemen sowie ihrer Anwendungsmöglichkeiten in Quantencomputing und Quantenmaterialien führen.

2018

 ERC Advanced Grants

Peter Kruschwitz

Portrait von Peter Kruschwitz

Der klassische Philologe und Epigraphiker Peter Kruschwitz ist Professor für Antike Kulturgeschichte an der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Dichtungs- und Gesangskultur sowie der Mentalitätsgeschichte des römischen Reichs. Auf Grundlage der in großer Anzahl überlieferten, in der Forschung jedoch oftmals außer Acht gelassenen Versinschriften entwickelt sein ERC-Projekt “Mapping out the poetic landscape(s) of the Roman Empire: ethnic and regional variations, socio-cultural diversity, and crosscultural transformations” ein umfassendes Verständnisses von römischer Dichtung als Ausdruck einer gesamtgesellschaftlichen, jedoch von ethnischer, sozialer und sprachlicher Komplexität und Diversität geprägten Kulturpraxis.

 ERC Consolidator Grants

Christina Kaiser

Christina Kaiser
Foto: Han-Fei Allen Tsao

Die Ökologin Christina Kaiser wird in den nächsten fünf Jahren Phänomene des komplexen Systems "Boden" untersuchen. Mikroorganismen sind durch den ständigen Abbau von organischem Material von zentraler Bedeutung für den Kohlenstoff- und Stickstoffkreislauf der Erde und bestimmen nicht nur die langfristige Speicherung von Kohlenstoff in Böden, sondern auch die Nährstoffverfügbarkeit für das Wachstum von Pflanzen. Das ERC-Projekt wird das mikrobielle Ökosystem Boden aus dem Blickwinkel der Wissenschaft komplexer Systeme untersuchen um zu verstehen, wie Interaktionen von Mikroorganismen auf mikroskopisch kleinem Raum zu einer Selbstorganisation der Abbauprozesse im Boden führen können und welche Bedeutung das für die Reaktion des Bodens auf Umweltveränderungen hat.

Tarja Knuuttila

Tarja Knuuttila
Foto: Barbara Mair

Die Wissenschaftsphilosophin Tarja Knuuttila untersucht in ihrem ERC-Projekt, in welcher Form die gegenwärtigen Lebenswissenschaften den Bereich der Biologie über das entwickelte Leben auf der Erde hinaus weiterentwickeln. Der Hauptfokus liegt dabei auf der philosophischen Bedeutung dieses Wandels für mögliches Leben. Zur Erforschung von möglichem Leben führt Tarja Knuuttila eine philosophische Analyse von synthetischer Biologie und Astrobiologie durch. Zentrale biologische Themen sind u.a. künstliche biochemische Grundlagen und Organisationsprinzipien des Lebens, künstliches Leben, evolutionäre Möglichkeiten und Einschränkungen sowie die Bewohnbarkeit von Exoplaneten. Diese Themen werden in Partnerschaft mit sechs führenden Laboratorien in Europa und den USA erforscht. Die biologische Untersuchung möglichen Lebens dient als Grundlage für die Entwicklung philosophischer Theorien im Bereich der Wissenschaftsphilosophie und naturalisierten Metaphysik.

Kristin Teßmar-Raible

Kristin Teßmar-Raible
Foto: Barbara Mair

Die molekularen und zellulären Uhrwerke der "Rhythmen des Lebens" stehen im Zentrum der Forschungsarbeit der Neurochronobiologin Kristin Teßmar-Raible von den Max F. Perutz Laboratories an der Universität Wien. Viele Organismen besitzen innere Oszillatoren ("Tagesuhren" und "Kalender"), die durch Sonnen- bzw. Mondlicht synchronisiert werden. Mit dem marinen Borstenwurm Platynereis und der Mücke Clunio untersucht die Forscherin die dahinterliegenden Mechanismen. Die mit dem ERC Consolidator Grant geförderten Projekte werden sich einerseits besonders mit der Frage beschäftigen, wie sich die häufig sehr variablen natürlichen Umweltbedingungen mit den Laborbedingungen wirklich vergleichen lassen. Andererseits sollen sie den kritischen Molekülen des inneren Kalenders auf die Schliche kommen, um zu verstehen, wie eine selbsterhaltende monatliche Oszillation in biologischen Systemen funktionieren kann.

 ERC Starting Grants

Thomas Juffmann

Thomas Juffmann
Foto: privat

Der Physiker Thomas Juffmann geht der Frage nach, wie man mittels Elektronenmikroskopie Bilder erhalten kann, die möglichst viel Information pro detektiertem Photon/Elektron oder pro Interaktion mit der Probe bieten. Im Jahr 2016 hat er an der Universität Stanford eine Mikroskopiemethode entwickelt, welche zu Bildern mit besserem Signal-zu-Rauschverhältnis pro Photon/Elektron führen kann. Dabei interagiert jedes einzelne Photon/Elektron mehrmals mit der Probe, was zu einer Signalverstärkung führt. In einer 2017 veröffentlichten Publikation zeigten Juffmann und Kolleg*innen, dass sich damit die Faltung eines einzelnen Proteins abbilden lassen könnte. Im Rahmen einer internationalen Kollaboration, finanziert von der "Gordon and Betty Moore Foundation", versucht der Physiker derzeit, einen ersten Prototypen eines solchen Mikroskops herzustellen.

Dennis Kurzbach

Portrait von Dennis Kurzbach

Dennis Kurzbach entwickelt neue Methoden an der Schnittstelle von Biologie, Physik und Chemie. Sein Fokus liegt auf der Erweiterung der NMR-Spektroskopie mittels Hyperpolarisation, um neue Möglichkeiten bei der Aufklärung von Atomanordnungen in Raum und Zeit zu schaffen. Im Rahmen seines ERC-Projektes will der Chemiker intrinsisch ungeordnete Proteine untersuchen, die im Zusammenhang mit Brustkrebs eine große Rolle spielen. Sein Ziel ist es, mit dynamischer Hyperpolarisations-NMR die Wechselwirkung der Proteine mit Transkriptionsfaktoren in Echtzeit und unter physiologischen Bedingungen, wie sie in menschlichen Zellen vorherrschen, aufzuklären.

Jillian Petersen

Jillian Petersen
Foto: Han-Fei Allen Tsao

Die Mikrobiologin Jillian Petersen untersucht, wie verschiedene Organismen zu beiderseitigem Nutzen zusammenleben. Praktisch jedes Tier – auch der Mensch – lebt in sogenannter Symbiose mit Bakterien, die unsere Gesundheit, den Stoffwechsel und die Evolution maßgeblich positiv beeinflussen. Das ERC Starting Grant Projekt hat zum Ziel, bisher unerforschten, aber fundamentalen Prozessen von Symbiosen auf den Grund zu gehen. Petersen hat dazu in ihrem Labor ein einzigartiges Modell-System etabliert, in dem marine Mondmuscheln bestimmte Bakterien in ihren Kiemen beherbergen, die die Muscheln wiederum mit Nährstoffen versorgen. Diese Symbiose existiert seit hunderten Millionen Jahren und ist eine der ältesten in der Natur bekannten. Ein besseres, grundlegendes Verständnis der Funktion und Evolution von Symbiosen ist essentiell, um "gute" Bakterien in zukünftige Technologien und Therapien für medizinische Zwecke einzusetzen.

Filipa Sousa

Filipa Sousa
Foto: privat

Die Biochemikerin Filipa Sousa forscht an der Universität Wien zum Thema Bioenergetik und Ökologie von Mikroorganismen. Ziel des durch den ERC Starting Grant geförderten Projekts "Evolution of physiology: the link between Earth and Life" ist es herauszufinden, wie Mikroorganismen wie zum Beispiel Archaea Energie für Stoffwechselleistungen verfügbar machen können, und wie diese Prozesse im Laufe der erdgeschichtlichen Entwicklung entstanden sind. Dieses Projekt wird maßgeblich dazu beitragen, das Verständnis für den Ablauf und die Entwicklung von Lebensprozessen zu schaffen und diese begreifbar zu machen. Die Erforschung der Entwicklung von Lebensprozessen ist sowohl für die Wissenschaft als auch für die Gesellschaft von Bedeutung.

Alice Vadrot

Alice Vadrot
Foto: Centre for Science and Policy (CSaP), University of Cambridge

Die Politikwissenschafterin Alice Vadrot wird im Rahmen ihres ERC Projekts "The Politics of Marine Biodiversity Data: Global and National Policies and Practices of Monitoring the Oceans" (MARIPOLDATA) Verhandlungen über ein Abkommen zum Schutz der Hohen See nutzen, um das Zusammenspiel von Macht und Wissenschaft in der internationalen Umweltpolitik zu erforschen. Trotz vorhandenen wissenschaftlichen Wissens über die dramatischen Folgen von Meeresverschmutzung, Klimawandel und Überfischung für die marine Biodiversität, einigte sich die internationale Staatengemeinschaft erst im April dieses Jahres auf die Etablierung eines neuen Abkommens. Vadrot entwickelt in ihrem Projekt einen neuen multiskalaren und interdisziplinären Ansatz, der ihr erlaubt die (geo-)politische Rolle globaler und nationaler Forschungs- und Dateninfrastrukturen zu erforschen und das Ineinanderwirken von Wissenschaft und Politik im Zeitalter der Digitalisierung neu zu denken.

Nicla De Zorzi

Nicla De Zorzi
Foto: privat

Die Assyriologin Nicla De Zorzi beschäftigt sich mit der "gelehrten" Literatur des Alten Mesopotamiens, vor allem aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. Das mit dem ERC Starting Grant geförderte Projekt wirft neues Licht auf essentielle Aspekte dieser Literatur und dem ihr zugrundeliegenden Weltbild. Insbesondere werden die Forscher*innen der innovativen Fragestellung nachgehen, wie die kulturspezifische analogistische Weltsicht, derzufolge ähnliche Dinge (und Wörter) in einem unendlichen Netz miteinander verbunden sind und aufeinander wirken, im strukturellen Aufbau literarischer, magischer und mantischer Texten zum Ausdruck kommt. Dies wird ein besseres Verständnis der Funktionen dieser Literatur ermöglichen.

 ERC Proof of Concept

Nuno Maulide

Nuno Maulide
Foto: derknopfdruecker.com

Der Chemiker Nuno Maulide hat mit seinem Consolidator Grant eine Kohlenstoff-Kohlenstoff verknüpfende Reaktion entdeckt, die ausgehend von Citronellal ohne den Einsatz jeglicher Metalle Menthol produziert – und das in nur einem Schritt. "Nun geht es uns darum, diese metallfreie Umsetzung von Citronellal zu Menthol in nur einem Reaktionschritt zu optimieren, die technische Anwendbarkeit der Reaktion durch große Maßstäbe zu demonstrieren und die Implementierung in den vorhandenen Markt zu untersuchen", so Nuno Maulide über seinen "Proof of Concept"-Grant "Neutramenth".

Bojan Zagrovic

Bojan Zagrovic
Foto: Barbara Mair

Der Molekularbiologe Bojan Zagrovic beschäftigt sich an den Max F. Perutz Laboratories (MFPL) im Rahmen des Starting Grants, der ihm 2011 zuerkannt wurde, mit der Frage, wie sich Biomoleküle in der Zelle finden und miteinander interagieren. Die "Proof of Concept"-Förderung wird der Kroate für die Weiterentwicklung von Therapieansätzen mit hochkonzentrierten monoklonalen Antikörpern nutzen. 

2017

 ERC Advanced Grants

Herlinde Pauer-Studer

Herlinde Pauer-Studer
Foto: Barbara Mair

Die Philosophin Herlinde Pauer-Studer beschäftigt sich seit vielen Jahren mit analytischer Philosophie, insbesondere mit Fragen der Moraltheorie, Sozialphilosophie und Politischen Philosophie. In Ihrem ERC-Projekt "The Normative and Moral Foundations of Group Agency" untersucht die Geisteswissenschafterin, unter welchen Voraussetzungen Gruppen und Institutionen als intentional Handelnde gelten, denen eine normative Identität und somit Verantwortung für ihr Tun zugeschrieben werden kann.

 ERC Consolidator Grants

Anatole von Lilienfeld-Toal

Portraitfoto von Anatole von Lilienfeld

Das Ziel ist, große, aktuelle Datensätze der Quantenchemie mit Methoden des maschinellen Lernens zu verbinden, um eine besondere Herausforderung zu bewältigen. Dazu werden QML-Modelle entwickelt und angewandt, die dazu in der Lage sind, genaue Vorhersagen über chemische Reaktionen in Echtzeit zu liefern. Dieses Vorhaben umzusetzen wäre ein bedeutender Fortschritt in der Chemie, da es Forschungslabore weltweit mit einem Werkzeug ausstatten könnte, um Reaktionen vor der Durchführung der Experimente interaktiv und zuverlässig zu planen. Auch Forscher*innen im Bereich der atomistischen Simulation werden von diesen Entwicklungen profitieren, da wesentlich größere Sätze an Reaktionsprofilen für spätere Analysen zugänglich gemacht werden. Konzeptuell bedeutet das Erreichen von Echtzeitgeschwindigkeit und chemischer Genauigkeit bei chemischen Reaktionen eine wesentliche Vertiefung unseres Verständnisses der Chemie und könnte sogar zur Entdeckung neuer chemischer Reaktionen oder Katalysatoren führen. Es ist durchaus vorstellbar, dass bisher unbekannte Regeln, ähnlich der Hammett-Beziehung, durch diese Arbeit entdeckt werden.

  • Claudine Kraft
    (mittlerweile: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)
  • Maria Rentetzi
    (mittlerweile: National Technical University of Athens)

 ERC Starting Grants

Christoph Rademacher

Foto von Christoph Rademacher
Foto: Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung

Es ist ein grundlegendes Prinzip des Lebens, dass sich jede Zelle mit einer Zuckerhülle - der Glykokalx - umhüllt. Ihre besondere Zusammensetzung und Struktur kodiert für wichtige Botschaften in der Zell-Zell-Kommunikation, die Entwicklung, Differenzierung und immunologische Prozesse beeinflussen. Die Matrix besteht aus hochkomplexen Biopolymeren, deren Zusammensetzung von Zelle zu Zelle und selbst zwischen genetisch identischen Zellen variiert. Das vom ERC geförderte Forschungsprojekt GLYCONOISE adaptiert ein Sender-Empfänger-Modell aus den Kommunikationswissenschaften und kombiniert es mit experimentellen Techniken aus Biophysik und Zellbiologie, um zwei grundlegende Fragen zu klären: Welche Rolle spielt Redundanz in der auf Zucker basierenden Kommunikation? Wie viel "Rauschen" kann sie tolerieren, bevor eine Nachricht verloren geht?

Maximilian Hartmuth

Maximilian Hartmuth
Foto: René Steyer

Der Kunsthistoriker Maximilian Hartmuth beschäftigt sich mit dem innerhalb der Disziplin noch unscharf verorteten östlichen Europa. Er ist Urheber grundlegender Arbeiten zur Geschichte islamischer Architektur am Balkan. In seinem ERC-Projekt "Islamic architecture and Orientalizing style in Habsburg Bosnia" fungiert es als Leiter eines mehrköpfigen Forschungsteams, das sich einem wenig bekannten kulturellen Erbe widmen und dieses aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten will.

Börries Kuzmany

Portrait von Börries Kuzmany

Der Historiker Börries Kuzmany forscht seit vielen Jahren zur Geschichte des östlichen Europas und der Habsburgermonarchie. Sein ERC-Projekt "Non-Territorial Autonomy as Minority Protection in Europe: An Intellectual and Political History of a Travelling Idea, 1850-2000" widmet sich einem wenig bekannten Konzept, um mit nationaler Vielfalt innerhalb eines Staates umzugehen. Bei nicht-territorialer Autonomie ist weder das Individuum noch ein bestimmtes Gebiet Träger der Selbstverwaltung, sondern die als korporative Einheit verstandene nationale Gruppe. Dieses ERC-Projekt spürt dieser, in der Habsburgermonarchie in Theorie und Praxis entstandenen Idee nach. Darüber hinaus widmen wir uns der ideologischen Anpassungsfähigkeit dieses Konzepts in der Zwischenkriegszeit. Schließlich untersuchen wir in wie weit nicht-territoriale Autonomieformen innerhalb internationaler Organisationen hinsichtlich des europäischen Minderheitenschutzes diskutiert wurden bzw. immer noch werden.

Markus Muttenthaler

Markus Muttenthaler
Foto: Anjanette Webb

Der Medizinchemiker Markus Muttenthaler erforscht am Institut für Biologische Chemie der Universität Wien neue therapeutische Ansätze gegen gastrointestinale Erkrankungen. Zuvor leitete er mit einem hochangesehenen australischen Forschungsstipendium seine eigene Forschungsgruppe am Institute for Molecular Bioscience in Brisbane (University of Queensland). Muttenthaler kam im Herbst 2017 an die Universität Wien. In seinem ERC-Projekt wird sich Muttenthaler neuen Wundheilungsmechanismen im Verdauungstrakt widmen und unter anderem das therapeutische Potenzial des Rezeptors für das Hormon Oxytocin überprüfen.

Toma Susi

Toma Susi
Foto: peterrigaud.com

Der finnische Physiker Toma Susi entdeckte im Jahr 2014 gemeinsam mit Kolleg*innen aus Großbritannien, dass Silizium-Fremdatome, die man gelegentlich in Graphen vorfinden kann, während der Bildaufnahme einen Sprung vollführen. Diese Entdeckung bildet die Grundlage für sein aktuelles ERC-Projekt "Atomic precision materials engineering (ATMEN)", in dem er Experiment und Computersimulation kombiniert, um ein praktisches Verfahren der Elektronenstrahl-Manipulation zu entwickeln. Die Projektziele umfassen das verbesserte Verständnis des ursächlichen Mechanismus, den Fortschritt bei der Atom-Implantation jenseits von Silizium, die Beschleunigung von genauer Modellierung und die Automatisierung von Manipulationen.

2016

 ERC Advanced Grants

Christa Schleper

Christa Schleper
Foto: derknopfdruecker.com

Die Mikrobiologin Christa Schleper beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Archaea. Diese Mikroorganismen gehören zusammen mit Bakterien zu den ersten Lebewesen auf der Erde. In ihrem ERC-Projekt "TACK Superphylum and Lokiarchaeota Evolution - Dissecting the Ecology and Evolution of Archaea to Elucidate the Prokaryote to Eukaryote Transition" untersucht Christa Schleper zwei neu entdeckte Gruppen von Archaea, die Aufschluss über wichtige Übergänge in der frühen Evolution geben können.

 

 

 ERC Starting Grants

David Berry

David Berry

Der Mikrobiologe David Berry befasst sich in seiner Forschungsarbeit mit tausenden von Mikroorganismen, die in uns leben, und in ihrer Gesamtheit das Darmmikrobiom des Menschen bilden. Diese Mikroorganismen leben in einer engen Symbiose mit ihren menschlichen Wirten und sind im Hinblick auf unsere Nahrungsversorgung und Gesundheit überlebenswichtig. David Berry untersucht gemeinsam mit seinem Team die Gesetzmäßigkeiten, denen die Struktur und Funktion des Darmmikrobioms unterliegt. Jene werden in weiterer Folge dazu genutzt, neue Strategien zur gesundheitsfördernden Modifikation des Darmmikrobioms zu entwickeln.

Andrii Chumak

Portrait von Andrii Chumak

Der Physiker Andrii Chumak ist Professor für Nanomagnetismus und Magnonik an der Fakultät für Physik. Magnonen sind Quanten von Spinwellen, die sich in magnetischen Materialien mit nanoskaligen Wellenlängen ausbreiten und Informationen in Form eines Spin-Drehimpulses tragen. Ziel des ERC-Projekts "MagnonCircuits" (Nano-scale magnonic circuits for novel computing systems) ist es, die Einsatzmöglichkeiten von Magnonen als Datenträger in verlustarmen Computersystemen der nächsten Generation zu untersuchen. Die Hauptaufgaben der Projekte sind die Entwicklung von Magnon-Leitungen und -Schaltungen mit einer Größe von unter 100 nm und das Verständnis ihrer nichtlinearen Magnon-Streuphänomene.

Georg Schiemer

Georg Schiemer

Der Philosoph Georg Schiemer erforscht den Strukturalismus als zentrale Position innerhalb der modernen Philosophie der Mathematik. Diese besagt, dass mathematische Theorien ausschließlich abstrakte Strukturen oder strukturelle Eigenschaften ihrer Objekte beschreiben. Sein ERC-Projekt "The Roots of Mathematical Structuralism" zielt auf ein besseres Verständnis dieser Position sowie ihrer philosophie- und mathematikhistorischen Ursprünge.

Bernadett Weinzierl

Bernadett Weinzierl

Der Forschungsschwerpunkt der Physikerin Bernadett Weinzierl ist die Aerosolphysik. Aerosole sind feine in der Luft frei schwebende Teilchen. Sie können über tausende von Kilometern transportiert werden und die Luftqualität, das Wetter und das Klima beeinflussen. In ihrem ERC-Projekt "A-LIFE" (Absorbing aerosol layers in a changing climate: aging, lifetime and dynamics) untersucht die Physikerin absorbierende Aerosolschichten und die Wechselwirkung zwischen der Absorption von Aerosolen und ihrer Lebenszeit. 

2015

 ERC Consolidator Grants

Nuno Maulide

Nuno Maulide
Foto: derknopfdruecker.com

Der Chemiker Nuno Maulide erforscht neue Synthesetechniken zur Gewinnung von medizinischen Wirkstoffen. Im Rahmen seines ERC-Projekts "VINCAT" (A Unified Approach to Redox-Neutral C-C Couplings: Exploiting Vinyl Cation Rearrangements) will Maulide die Herausforderung meistern, chemische Reaktionen effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten, um neue Reaktionen zu entwickeln, die ohne die Bildung solcher Abfallprodukte ablaufen können.

 

 

 ERC Starting Grants

Christian Göbel

Christian Göbel
Foto: Barbara Mair

Christian Göbel ist Sinologe, Politikwissenschafter und Experte für politische Innovation in China. In seinem ERC-Projekt "The Microfoundations of Authoritarian Responsiveness: E-Participation, Social Unrest and Public Policy in China" untersucht er die Auswirkungen der digitalen Partizipationsinstrumente auf Regierungsperformanz und die Beziehung zwischen Staat und verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. Die Ergebnisse sollen dabei helfen, die Bürgernähe der chinesischen Regierung sowie soziale Stabilität in China besser einschätzen zu lernen.

Qi Zhou

Qi Zhou

Der Evolutionsbiologe Qi Zhou erforscht die Evolution und Funktion des Y-Chromosoms, also jenes Chromosoms, das das männliche Geschlecht determiniert. Im Rahmen seines ERC-Projekts "Evolution and Impact of Heterochromatin on a Young Drosophila Y chromosome" will Qi Zhou nun untersuchen, wie genomische Parasiten eines Y-Chromosoms "gezähmt" werden können, um Schaden von anderen Teilen des Genoms abzuwenden. Es ist zudem noch nicht geklärt, wie Geschlechtschromosomen während der Evolution einer Spezies entstehen und welcher Dynamik sie unterliegen.

2014

 ERC Consolidator Grants

Christophe Erismann

Christophe Erismann

Der Philosoph Christophe Erismann ist Experte für die (Philosophie-)Geschichte des Frühmittelalters. Mit dem ERC Consolidator Grant will er ein philosophiegeschichtliche Projekt umsetzen, das auf eine bessere Kenntnis und eine gerechtere Bewertung des Beitrages der Autoren des neunten Jahrhunderts im Bereich der Philosophie und im Besonderen der Logik abzielt. Dabei untersucht ein Team von Philolog*innen und Philosophiehistoriker*innen in einem transkulturellen Zugang die vier großen Sprachtraditionen des Mittelmeerraumes, in denen sich Denker zu den aristotelischen Kategorien und allgemein zur von Aristoteles inspirierten Logik geäußert haben: die griechische, lateinische, syrische und arabische.

Sascha Martens

Sascha Martens

Der Molekularbiologe Sascha Martens untersucht die molekularen Mechanismen der Autophagie – jener Prozess, der für den Abbau von Zellbestandteilen verantwortlich ist. Autophagie hilft der Zelle nicht nur bei Nahrungsmangel, indem sie zelleigene Bestandteile recycelt und zur Energiegewinnung verwendet, sondern auch bei der "Entsorgung" von defekten Zellbestandteilen und Krankheitserregern. Mit dem ERC Consolidator Grant will Sascha Martens herausfinden, wie Zellen Autophagosomen bilden. Autophagosomen sind kleine Vesikel (Bläschen), die überflüssige oder unerwünschte Bestandteile zum zellulären Mülleimer, dem Lysosom, transportieren.

 ERC Starting Grants

Dagmar Wöbken

Dagmar Wöbken

Die Mikrobiologin Dagmar Wöbken beschäftigt sich mit der Erforschung von Mikroorgaismen im Boden, vor allem mit sogenannten dormanten Organismen, die sich in einer Art Ruhestand befinden. Ihr ERC-Projekt "Revealing the function of dormant soil microorganisms and the cues for their awakening" hat das Ziel, für ausgewählte Prozesse im Boden die dormanten Mikroorganismen zu identifizieren, sowie ihre Beteiligung an den Prozessen und die Mechanismen, die ihre Aktivität und Dormanz regulieren, zu entschlüsseln.

 

 

Bereits beendete ERC-Projekte

2013

ERC Advanced Grants

ERC Consolidator Grants

ERC Starting Grants

2012

ERC Advanced Grants

ERC Starting Grants

2008

ERC Advanced Grants

2007

ERC Starting Grants