ERC Grants an der Universität Wien

Die Förderung von grundlagenorientierter Pionierforschung ist einer der Schwerpunkte der Europäischen Union. Dafür wurde der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) geschaffen. Gefördert werden Forschungsprojekte mit hohem Potenzial für Innovationen. Seit 2007 wurden insgesamt bereits 61 ERC Grants an Forscher*innen der Universität Wien vergeben.

Laufende ERC Projekte

Liste sortiert nach Jahren und Art des Grants (in alphabetischer Reihenfolge)

2020

 ERC Advanced Grants

Stefan Dullinger

Porträtfoto von Stefan Dullinger
Foto: rossboth

Pflanzen und Tiere versuchen, dem Klimawandel durch Rückzug in kühlere Lebensräume auszuweichen. Diese Strategie stößt dort an Grenzen, wo kühlere Lebensräume in erreichbarer Umgebung kaum oder gar nicht vorhanden sind. Das gilt besonders für Gebirgspflanzen, die schon heute in den höchsten alpinen und nivalen Lagen wachsen. Andererseits kann das für die niederwüchsigen alpinen Pflanzen entscheidende bodennahe Mikroklima gerade in diesen Hochlagen auf kurze Distanzen sehr stark variieren. Es ist daher unklar, ob die Hochlagen der Gebirge im Klimawandel eine Sackgasse für die dort lebenden Pflanzen darstellen oder ob ihnen, im Gegenteil, die ausgeprägte mikroklimatische Vielfalt besonders gute Ausweichmöglichkeiten bietet. Gemeinsam mit einem Team aus Mitarbeiter*innen von der Universität Wien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften wird Stefan Dullinger in seinem ERC-Projekt versuchen, einer Antwort auf diese Frage mit einer Kombination aus Dauerbeobachtungsdaten, Fernerkundungsmethoden, Experimenten und Computersimulationen näher zu kommen. 

Peter Schweitzer

Porträtfoto von Peter Schweitzer
Foto: Margit Schmid

Der Hohe Norden wird immer mehr zum Aufenthaltsort von Menschengruppen, die nicht ständig dort leben, seien es Schichtarbeiter*innen, Tourist*innen oder Militär. Der Kultur- und Sozialanthropologe Peter Schweitzer wird deshalb in den nächsten fünf Jahren bestehende und geplante Transportinfrastrukturen in der Arktis untersuchen und der Frage nachgehen, ob diese ein nachhaltiges und zufriedenes menschliches Bewohnen des Hohen Nordens befördern oder, im Gegenteil, zu einer verstärkten Abwanderung aus diesen Gebieten führen werden. Ein Team von Anthropolog*innen und Geograph*innen wird durch einen Mixed-Method-Ansatz eine Reihe von Fallbeispielen im Norden Russlands, Nordamerikas und Fennoskandiens entwickeln, bei denen die materiellen und nichtmateriellen Verflechtungen von Lokalbevölkerung und Transportinfrastruktur untersucht werden sollen. Schließlich werden die dabei erhobenen Daten durch interaktive Zukunftsszenarien für die Entwicklung lokal bedeutsamer Narrative und Entscheidungsoptionen herangezogen.

2019

 ERC Consolidator Grants

Glenn van de Ven

Foto von Glenn van de Ven
Foto: privat

Der Stellardynamiker Glenn van de Ven und seine Forschungsgruppe am Institut für Astrophysik widmen sich dem Verständnis der Struktur und der Entstehung von benachbarten Galaxien und Sternhaufen. Sie erstellen erweiterte dynamische Modelle, um Rückschlüsse auf die Verteilung der dunklen und sichtbaren Materie zu ziehen und deren Entstehungsgeschichte anhand von „fossilen Funden“ wie in der Paläontologie aufzudecken. In dem vom ERC geförderten Projekt ArcheoDyn arbeitet sein Team daran, das Potenzial von Kugelsternhaufen als „lebende Fossilien“ der galaktischen Vergangenheit voll auszuschöpfen. Kugelsternhaufen sind kompakte Ansammlungen von etwa einer Million Sterne, die Galaxien wie ein Heiligenschein aus Glühwürmchen umgeben und über weite Distanzen sichtbar sind. Da Kugelsternhaufen normalerweise so alt wie das Universum sind, gelten sie als lebende Zeitzeugen der Entstehungsgeschichte ihrer Ursprungsgalaxien.

Stefan Schmid

Porträtfoto von Stefan Schmid
Foto: Stefanie Rochel

Der Informatiker Stefan Schmid untersucht, ob und wie sich neuartige optische Technologien einsetzen lassen, um die Netzwerkinfrastruktur dynamisch zu entwickeln und dem wachsenden Datenverkehr anzupassen. Seine Vision von selbst-adaptierenden Netzwerken hat das Ziel, empirische Struktur im Datenverkehr auszunutzen und Kommunikationsnetzwerke dadurch effizienter zu machen. In seinem ERC-Projekt erforscht Schmid Methoden, die es erlauben Struktur in Datenflüssen zu messen. Dafür entwickelt er Mess- und Bewertungskriterien, um das Potenzial von selbstadaptierenden Netzwerken analytisch zu charakterisieren. Zur optimalen Anpassung von Netzwerkressourcen studiert er Algorithmen und implementiert Prototypen.

2018

 ERC Advanced Grants

Peter Kruschwitz

Portrait von Peter Kruschwitz

Der klassische Philologe und Epigraphiker Peter Kruschwitz ist Professor für Antike Kulturgeschichte an der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Dichtungs- und Gesangskultur sowie der Mentalitätsgeschichte des römischen Reichs. Auf Grundlage der in großer Anzahl überlieferten, in der Forschung jedoch oftmals außer Acht gelassenen Versinschriften entwickelt sein ERC-Projekt “Mapping out the poetic landscape(s) of the Roman Empire: ethnic and regional variations, socio-cultural diversity, and crosscultural transformations” ein umfassendes Verständnisses von römischer Dichtung als Ausdruck einer gesamtgesellschaftlichen, jedoch von ethnischer, sozialer und sprachlicher Komplexität und Diversität geprägten Kulturpraxis.

 ERC Consolidator Grants

Christina Kaiser

Christina Kaiser
Foto: Han-Fei Allen Tsao

Die Ökologin Christina Kaiser wird in den nächsten fünf Jahren Phänomene des komplexen Systems "Boden" untersuchen. Mikroorganismen sind durch den ständigen Abbau von organischem Material von zentraler Bedeutung für den Kohlenstoff- und Stickstoffkreislauf der Erde und bestimmen nicht nur die langfristige Speicherung von Kohlenstoff in Böden, sondern auch die Nährstoffverfügbarkeit für das Wachstum von Pflanzen. Das ERC-Projekt wird das mikrobielle Ökosystem Boden aus dem Blickwinkel der Wissenschaft komplexer Systeme untersuchen um zu verstehen, wie Interaktionen von Mikroorganismen auf mikroskopisch kleinem Raum zu einer Selbstorganisation der Abbauprozesse im Boden führen können und welche Bedeutung das für die Reaktion des Bodens auf Umweltveränderungen hat.

Tarja Knuuttila

Tarja Knuuttila
Foto: Barbara Mair

Die Wissenschaftsphilosophin Tarja Knuuttila untersucht in ihrem ERC-Projekt, in welcher Form die gegenwärtigen Lebenswissenschaften den Bereich der Biologie über das entwickelte Leben auf der Erde hinaus weiterentwickeln. Der Hauptfokus liegt dabei auf der philosophischen Bedeutung dieses Wandels für mögliches Leben. Zur Erforschung von möglichem Leben führt Tarja Knuuttila eine philosophische Analyse von synthetischer Biologie und Astrobiologie durch. Zentrale biologische Themen sind u.a. künstliche biochemische Grundlagen und Organisationsprinzipien des Lebens, künstliches Leben, evolutionäre Möglichkeiten und Einschränkungen sowie die Bewohnbarkeit von Exoplaneten. Diese Themen werden in Partnerschaft mit sechs führenden Laboratorien in Europa und den USA erforscht. Die biologische Untersuchung möglichen Lebens dient als Grundlage für die Entwicklung philosophischer Theorien im Bereich der Wissenschaftsphilosophie und naturalisierten Metaphysik.

Kristin Teßmar-Raible

Kristin Teßmar-Raible
Foto: Barbara Mair

Die molekularen und zellulären Uhrwerke der "Rhythmen des Lebens" stehen im Zentrum der Forschungsarbeit der Neurochronobiologin Kristin Teßmar-Raible von den Max F. Perutz Laboratories an der Universität Wien. Viele Organismen besitzen innere Oszillatoren ("Tagesuhren" und "Kalender"), die durch Sonnen- bzw. Mondlicht synchronisiert werden. Mit dem marinen Borstenwurm Platynereis und der Mücke Clunio untersucht die Forscherin die dahinterliegenden Mechanismen. Die mit dem ERC Consolidator Grant geförderten Projekte werden sich einerseits besonders mit der Frage beschäftigen, wie sich die häufig sehr variablen natürlichen Umweltbedingungen mit den Laborbedingungen wirklich vergleichen lassen. Andererseits sollen sie den kritischen Molekülen des inneren Kalenders auf die Schliche kommen, um zu verstehen, wie eine selbsterhaltende monatliche Oszillation in biologischen Systemen funktionieren kann.

 ERC Starting Grants

Thomas Juffmann

Thomas Juffmann
Foto: privat

Der Physiker Thomas Juffmann geht der Frage nach, wie man mittels Elektronenmikroskopie Bilder erhalten kann, die möglichst viel Information pro detektiertem Photon/Elektron oder pro Interaktion mit der Probe bieten. Im Jahr 2016 hat er an der Universität Stanford eine Mikroskopiemethode entwickelt, welche zu Bildern mit besserem Signal-zu-Rauschverhältnis pro Photon/Elektron führen kann. Dabei interagiert jedes einzelne Photon/Elektron mehrmals mit der Probe, was zu einer Signalverstärkung führt. In einer 2017 veröffentlichten Publikation zeigten Juffmann und Kolleg*innen, dass sich damit die Faltung eines einzelnen Proteins abbilden lassen könnte. Im Rahmen einer internationalen Kollaboration, finanziert von der "Gordon and Betty Moore Foundation", versucht der Physiker derzeit, einen ersten Prototypen eines solchen Mikroskops herzustellen.

Dennis Kurzbach

Portrait von Dennis Kurzbach

Dennis Kurzbach entwickelt neue Methoden an der Schnittstelle von Biologie, Physik und Chemie. Sein Fokus liegt auf der Erweiterung der NMR-Spektroskopie mittels Hyperpolarisation, um neue Möglichkeiten bei der Aufklärung von Atomanordnungen in Raum und Zeit zu schaffen. Im Rahmen seines ERC-Projektes will der Chemiker intrinsisch ungeordnete Proteine untersuchen, die im Zusammenhang mit Brustkrebs eine große Rolle spielen. Sein Ziel ist es, mit dynamischer Hyperpolarisations-NMR die Wechselwirkung der Proteine mit Transkriptionsfaktoren in Echtzeit und unter physiologischen Bedingungen, wie sie in menschlichen Zellen vorherrschen, aufzuklären.

Jillian Petersen

Jillian Petersen
Foto: Han-Fei Allen Tsao

Die Mikrobiologin Jillian Petersen untersucht, wie verschiedene Organismen zu beiderseitigem Nutzen zusammenleben. Praktisch jedes Tier – auch der Mensch – lebt in sogenannter Symbiose mit Bakterien, die unsere Gesundheit, den Stoffwechsel und die Evolution maßgeblich positiv beeinflussen. Das ERC Starting Grant Projekt hat zum Ziel, bisher unerforschten, aber fundamentalen Prozessen von Symbiosen auf den Grund zu gehen. Petersen hat dazu in ihrem Labor ein einzigartiges Modell-System etabliert, in dem marine Mondmuscheln bestimmte Bakterien in ihren Kiemen beherbergen, die die Muscheln wiederum mit Nährstoffen versorgen. Diese Symbiose existiert seit hunderten Millionen Jahren und ist eine der ältesten in der Natur bekannten. Ein besseres, grundlegendes Verständnis der Funktion und Evolution von Symbiosen ist essentiell, um "gute" Bakterien in zukünftige Technologien und Therapien für medizinische Zwecke einzusetzen.

Filipa Sousa

Filipa Sousa
Foto: privat

Die Biochemikerin Filipa Sousa forscht an der Universität Wien zum Thema Bioenergetik und Ökologie von Mikroorganismen. Ziel des durch den ERC Starting Grant geförderten Projekts "Evolution of physiology: the link between Earth and Life" ist es herauszufinden, wie Mikroorganismen wie zum Beispiel Archaea Energie für Stoffwechselleistungen verfügbar machen können, und wie diese Prozesse im Laufe der erdgeschichtlichen Entwicklung entstanden sind. Dieses Projekt wird maßgeblich dazu beitragen, das Verständnis für den Ablauf und die Entwicklung von Lebensprozessen zu schaffen und diese begreifbar zu machen. Die Erforschung der Entwicklung von Lebensprozessen ist sowohl für die Wissenschaft als auch für die Gesellschaft von Bedeutung.

Alice Vadrot

Alice Vadrot
Foto: Centre for Science and Policy (CSaP), University of Cambridge

Die Politikwissenschafterin Alice Vadrot wird im Rahmen ihres ERC Projekts "The Politics of Marine Biodiversity Data: Global and National Policies and Practices of Monitoring the Oceans" (MARIPOLDATA) Verhandlungen über ein Abkommen zum Schutz der Hohen See nutzen, um das Zusammenspiel von Macht und Wissenschaft in der internationalen Umweltpolitik zu erforschen. Trotz vorhandenen wissenschaftlichen Wissens über die dramatischen Folgen von Meeresverschmutzung, Klimawandel und Überfischung für die marine Biodiversität, einigte sich die internationale Staatengemeinschaft erst im April dieses Jahres auf die Etablierung eines neuen Abkommens. Vadrot entwickelt in ihrem Projekt einen neuen multiskalaren und interdisziplinären Ansatz, der ihr erlaubt die (geo-)politische Rolle globaler und nationaler Forschungs- und Dateninfrastrukturen zu erforschen und das Ineinanderwirken von Wissenschaft und Politik im Zeitalter der Digitalisierung neu zu denken.

Nicla De Zorzi

Nicla De Zorzi
Foto: privat

Die Assyriologin Nicla De Zorzi beschäftigt sich mit der "gelehrten" Literatur des Alten Mesopotamiens, vor allem aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. Das mit dem ERC Starting Grant geförderte Projekt wirft neues Licht auf essentielle Aspekte dieser Literatur und dem ihr zugrundeliegenden Weltbild. Insbesondere werden die Forscher*innen der innovativen Fragestellung nachgehen, wie die kulturspezifische analogistische Weltsicht, derzufolge ähnliche Dinge (und Wörter) in einem unendlichen Netz miteinander verbunden sind und aufeinander wirken, im strukturellen Aufbau literarischer, magischer und mantischer Texten zum Ausdruck kommt. Dies wird ein besseres Verständnis der Funktionen dieser Literatur ermöglichen.

 ERC Proof of Concept

Nuno Maulide

Nuno Maulide
Foto: derknopfdruecker.com

Der Chemiker Nuno Maulide hat mit seinem Consolidator Grant eine Kohlenstoff-Kohlenstoff verknüpfende Reaktion entdeckt, die ausgehend von Citronellal ohne den Einsatz jeglicher Metalle Menthol produziert – und das in nur einem Schritt. "Nun geht es uns darum, diese metallfreie Umsetzung von Citronellal zu Menthol in nur einem Reaktionschritt zu optimieren, die technische Anwendbarkeit der Reaktion durch große Maßstäbe zu demonstrieren und die Implementierung in den vorhandenen Markt zu untersuchen", so Nuno Maulide über seinen "Proof of Concept"-Grant "Neutramenth".

Bojan Zagrovic

Bojan Zagrovic
Foto: Barbara Mair

Der Molekularbiologe Bojan Zagrovic beschäftigt sich an den Max F. Perutz Laboratories (MFPL) im Rahmen des Starting Grants, der ihm 2011 zuerkannt wurde, mit der Frage, wie sich Biomoleküle in der Zelle finden und miteinander interagieren. Die "Proof of Concept"-Förderung wird der Kroate für die Weiterentwicklung von Therapieansätzen mit hochkonzentrierten monoklonalen Antikörpern nutzen. 

2017

 ERC Advanced Grants

Herlinde Pauer-Studer

Herlinde Pauer-Studer
Foto: Barbara Mair

Die Philosophin Herlinde Pauer-Studer beschäftigt sich seit vielen Jahren mit analytischer Philosophie, insbesondere mit Fragen der Moraltheorie, Sozialphilosophie und Politischen Philosophie. In Ihrem ERC-Projekt "The Normative and Moral Foundations of Group Agency" untersucht die Geisteswissenschafterin, unter welchen Voraussetzungen Gruppen und Institutionen als intentional Handelnde gelten, denen eine normative Identität und somit Verantwortung für ihr Tun zugeschrieben werden kann.

 ERC Consolidator Grants

  • Claudine Kraft
    (mittlerweile: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)
  • Maria Rentetzi
    (mittlerweile: National Technical University of Athens)

 ERC Starting Grants

Maximilian Hartmuth

Maximilian Hartmuth
Foto: René Steyer

Der Kunsthistoriker Maximilian Hartmuth beschäftigt sich mit dem innerhalb der Disziplin noch unscharf verorteten östlichen Europa. Er ist Urheber grundlegender Arbeiten zur Geschichte islamischer Architektur am Balkan. In seinem ERC-Projekt "Islamic architecture and Orientalizing style in Habsburg Bosnia" fungiert es als Leiter eines mehrköpfigen Forschungsteams, das sich einem wenig bekannten kulturellen Erbe widmen und dieses aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten will.

Börries Kuzmany

Portrait von Börries Kuzmany

Der Historiker Börries Kuzmany forscht seit vielen Jahren zur Geschichte des östlichen Europas und der Habsburgermonarchie. Sein ERC-Projekt "Non-Territorial Autonomy as Minority Protection in Europe: An Intellectual and Political History of a Travelling Idea, 1850-2000" widmet sich einem wenig bekannten Konzept, um mit nationaler Vielfalt innerhalb eines Staates umzugehen. Bei nicht-territorialer Autonomie ist weder das Individuum noch ein bestimmtes Gebiet Träger der Selbstverwaltung, sondern die als korporative Einheit verstandene nationale Gruppe. Dieses ERC-Projekt spürt dieser, in der Habsburgermonarchie in Theorie und Praxis entstandenen Idee nach. Darüber hinaus widmen wir uns der ideologischen Anpassungsfähigkeit dieses Konzepts in der Zwischenkriegszeit. Schließlich untersuchen wir in wie weit nicht-territoriale Autonomieformen innerhalb internationaler Organisationen hinsichtlich des europäischen Minderheitenschutzes diskutiert wurden bzw. immer noch werden.

Markus Muttenthaler

Markus Muttenthaler
Foto: Anjanette Webb

Der Medizinchemiker Markus Muttenthaler erforscht am Institut für Biologische Chemie der Universität Wien neue therapeutische Ansätze gegen gastrointestinale Erkrankungen. Zuvor leitete er mit einem hochangesehenen australischen Forschungsstipendium seine eigene Forschungsgruppe am Institute for Molecular Bioscience in Brisbane (University of Queensland). Muttenthaler kam im Herbst 2017 an die Universität Wien. In seinem ERC-Projekt wird sich Muttenthaler neuen Wundheilungsmechanismen im Verdauungstrakt widmen und unter anderem das therapeutische Potenzial des Rezeptors für das Hormon Oxytocin überprüfen.

Toma Susi

Toma Susi
Foto: peterrigaud.com

Der finnische Physiker Toma Susi entdeckte im Jahr 2014 gemeinsam mit Kolleg*innen aus Großbritannien, dass Silizium-Fremdatome, die man gelegentlich in Graphen vorfinden kann, während der Bildaufnahme einen Sprung vollführen. Diese Entdeckung bildet die Grundlage für sein aktuelles ERC-Projekt "Atomic precision materials engineering (ATMEN)", in dem er Experiment und Computersimulation kombiniert, um ein praktisches Verfahren der Elektronenstrahl-Manipulation zu entwickeln. Die Projektziele umfassen das verbesserte Verständnis des ursächlichen Mechanismus, den Fortschritt bei der Atom-Implantation jenseits von Silizium, die Beschleunigung von genauer Modellierung und die Automatisierung von Manipulationen.

2016

 ERC Advanced Grants

Christa Schleper

Christa Schleper
Foto: derknopfdruecker.com

Die Mikrobiologin Christa Schleper beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Archaea. Diese Mikroorganismen gehören zusammen mit Bakterien zu den ersten Lebewesen auf der Erde. In ihrem ERC-Projekt "TACK Superphylum and Lokiarchaeota Evolution - Dissecting the Ecology and Evolution of Archaea to Elucidate the Prokaryote to Eukaryote Transition" untersucht Christa Schleper zwei neu entdeckte Gruppen von Archaea, die Aufschluss über wichtige Übergänge in der frühen Evolution geben können.

 

 

 ERC Starting Grants

David Berry

David Berry

Der Mikrobiologe David Berry befasst sich in seiner Forschungsarbeit mit tausenden von Mikroorganismen, die in uns leben, und in ihrer Gesamtheit das Darmmikrobiom des Menschen bilden. Diese Mikroorganismen leben in einer engen Symbiose mit ihren menschlichen Wirten und sind im Hinblick auf unsere Nahrungsversorgung und Gesundheit überlebenswichtig. David Berry untersucht gemeinsam mit seinem Team die Gesetzmäßigkeiten, denen die Struktur und Funktion des Darmmikrobioms unterliegt. Jene werden in weiterer Folge dazu genutzt, neue Strategien zur gesundheitsfördernden Modifikation des Darmmikrobioms zu entwickeln.

Andrii Chumak

Portrait von Andrii Chumak

Der Physiker Andrii Chumak ist Professor für Nanomagnetismus und Magnonik an der Fakultät für Physik. Magnonen sind Quanten von Spinwellen, die sich in magnetischen Materialien mit nanoskaligen Wellenlängen ausbreiten und Informationen in Form eines Spin-Drehimpulses tragen. Ziel des ERC-Projekts "MagnonCircuits" (Nano-scale magnonic circuits for novel computing systems) ist es, die Einsatzmöglichkeiten von Magnonen als Datenträger in verlustarmen Computersystemen der nächsten Generation zu untersuchen. Die Hauptaufgaben der Projekte sind die Entwicklung von Magnon-Leitungen und -Schaltungen mit einer Größe von unter 100 nm und das Verständnis ihrer nichtlinearen Magnon-Streuphänomene.

Georg Schiemer

Georg Schiemer

Der Philosoph Georg Schiemer erforscht den Strukturalismus als zentrale Position innerhalb der modernen Philosophie der Mathematik. Diese besagt, dass mathematische Theorien ausschließlich abstrakte Strukturen oder strukturelle Eigenschaften ihrer Objekte beschreiben. Sein ERC-Projekt "The Roots of Mathematical Structuralism" zielt auf ein besseres Verständnis dieser Position sowie ihrer philosophie- und mathematikhistorischen Ursprünge.

Bernadett Weinzierl

Bernadett Weinzierl

Der Forschungsschwerpunkt der Physikerin Bernadett Weinzierl ist die Aerosolphysik. Aerosole sind feine in der Luft frei schwebende Teilchen. Sie können über tausende von Kilometern transportiert werden und die Luftqualität, das Wetter und das Klima beeinflussen. In ihrem ERC-Projekt "A-LIFE" (Absorbing aerosol layers in a changing climate: aging, lifetime and dynamics) untersucht die Physikerin absorbierende Aerosolschichten und die Wechselwirkung zwischen der Absorption von Aerosolen und ihrer Lebenszeit. 

2015

 ERC Consolidator Grants

Nuno Maulide

Nuno Maulide
Foto: derknopfdruecker.com

Der Chemiker Nuno Maulide erforscht neue Synthesetechniken zur Gewinnung von medizinischen Wirkstoffen. Im Rahmen seines ERC-Projekts "VINCAT" (A Unified Approach to Redox-Neutral C-C Couplings: Exploiting Vinyl Cation Rearrangements) will Maulide die Herausforderung meistern, chemische Reaktionen effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten, um neue Reaktionen zu entwickeln, die ohne die Bildung solcher Abfallprodukte ablaufen können.

 

 

 ERC Starting Grants

Christian Göbel

Christian Göbel
Foto: Barbara Mair

Christian Göbel ist Sinologe, Politikwissenschafter und Experte für politische Innovation in China. In seinem ERC-Projekt "The Microfoundations of Authoritarian Responsiveness: E-Participation, Social Unrest and Public Policy in China" untersucht er die Auswirkungen der digitalen Partizipationsinstrumente auf Regierungsperformanz und die Beziehung zwischen Staat und verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. Die Ergebnisse sollen dabei helfen, die Bürgernähe der chinesischen Regierung sowie soziale Stabilität in China besser einschätzen zu lernen.

Qi Zhou

Qi Zhou

Der Evolutionsbiologe Qi Zhou erforscht die Evolution und Funktion des Y-Chromosoms, also jenes Chromosoms, das das männliche Geschlecht determiniert. Im Rahmen seines ERC-Projekts "Evolution and Impact of Heterochromatin on a Young Drosophila Y chromosome" will Qi Zhou nun untersuchen, wie genomische Parasiten eines Y-Chromosoms "gezähmt" werden können, um Schaden von anderen Teilen des Genoms abzuwenden. Es ist zudem noch nicht geklärt, wie Geschlechtschromosomen während der Evolution einer Spezies entstehen und welcher Dynamik sie unterliegen.

2014

 ERC Consolidator Grants

Markus Aspelmeyer

Markus Aspelmeyer
Foto: Jacqueline Godany

Der Quantenphysiker Markus Aspelmeyer beschäftigt sich mit optischen Präzisionsmessungen sowie der quantenoptischen Kontrolle von mikro- und nanomechanischen Systemen und deren Anwendung auf fundamentale und angewandte Fragen der Quantenphysik. Ziel seines ERC Consolidator Grants ist es, Methoden zur Quantenkontrolle levitierter massiver Objekte zu entwickeln. Anders als bisherige Quantenexperimente an mikromechanischen Resonatoren soll damit ein bisher unzugänglicher Parameterbereich für große Massen und langlebige Quantenkohärenz erschlossen werden.

 

 

Christophe Erismann

Christophe Erismann

Der Philosoph Christophe Erismann ist Experte für die (Philosophie-)Geschichte des Frühmittelalters. Mit dem ERC Consolidator Grant will er ein philosophiegeschichtliche Projekt umsetzen, das auf eine bessere Kenntnis und eine gerechtere Bewertung des Beitrages der Autoren des neunten Jahrhunderts im Bereich der Philosophie und im Besonderen der Logik abzielt. Dabei untersucht ein Team von Philolog*innen und Philosophiehistoriker*innen in einem transkulturellen Zugang die vier großen Sprachtraditionen des Mittelmeerraumes, in denen sich Denker zu den aristotelischen Kategorien und allgemein zur von Aristoteles inspirierten Logik geäußert haben: die griechische, lateinische, syrische und arabische.

Sascha Martens

Sascha Martens

Der Molekularbiologe Sascha Martens untersucht die molekularen Mechanismen der Autophagie – jener Prozess, der für den Abbau von Zellbestandteilen verantwortlich ist. Autophagie hilft der Zelle nicht nur bei Nahrungsmangel, indem sie zelleigene Bestandteile recycelt und zur Energiegewinnung verwendet, sondern auch bei der "Entsorgung" von defekten Zellbestandteilen und Krankheitserregern. Mit dem ERC Consolidator Grant will Sascha Martens herausfinden, wie Zellen Autophagosomen bilden. Autophagosomen sind kleine Vesikel (Bläschen), die überflüssige oder unerwünschte Bestandteile zum zellulären Mülleimer, dem Lysosom, transportieren.

 ERC Starting Grants

Dagmar Wöbken

Dagmar Wöbken

Die Mikrobiologin Dagmar Wöbken beschäftigt sich mit der Erforschung von Mikroorgaismen im Boden, vor allem mit sogenannten dormanten Organismen, die sich in einer Art Ruhestand befinden. Ihr ERC-Projekt "Revealing the function of dormant soil microorganisms and the cues for their awakening" hat das Ziel, für ausgewählte Prozesse im Boden die dormanten Mikroorganismen zu identifizieren, sowie ihre Beteiligung an den Prozessen und die Mechanismen, die ihre Aktivität und Dormanz regulieren, zu entschlüsseln.

 

 

Dagmar Wujastyk

Dagmar Wujastyk
Foto: Carola Moon, Rolaa Photography

Die Indologin Dagmar Wujastyk forscht in mittelalterlichen Quellen über die Verwendung von Yoga, Ayurveda und indischer Alchemie in der Medizin. Im Rahmen ihres ERC-Projekts "Medicine, Immortality, Moksha: Entangled Histories of Yoga, Ayurveda and Alchemy in South Asia" erforscht sie die historischen Hintergründe der Verbindungen zwischen den drei südasiatischen Disziplinen des Yoga, Ayurveda und der indischen Alchemie und Iatrochemie. Sie untersucht, inwiefern der gegenseitige Austausch zwischen diesen Disziplinen in der mittelalterlichen und frühmodernen Periode zur heutigen medizinischen Ausrichtung des modernen Yoga geführt hat.

 

 

Bereits beendete ERC-Projekte

2013

ERC Advanced Grants

ERC Consolidator Grants

ERC Starting Grants

2012

ERC Advanced Grants

ERC Starting Grants

2008

ERC Advanced Grants

2007

ERC Starting Grants